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Pandemie in Fürstenfeldbruck:Landkreis wird zum Corona-Hotspot

FÜRSTENFELDBRUCK:  Erster Tag der Corona Teststation

Hände desinfizieren am Corona-Testzentrum.

(Foto: Leonhard Simon)

Von diesem Samstag an gelten in einigen Bereichen Einschränkungen. Doch der weitere Anstieg der Infektionszahlen deutet an, dass diese in der nächsten Woche verschärft werden könnten.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Der Landkreis gehört in Bayern mittlerweile zu jenen Regionen mit den meisten Corona-Neuinfektionen. Das Landratsamt Fürstenfeldbruck meldete am Freitag einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 58,63 und verkündete erste einschränkende Maßnahmen, die bereits von diesem Samstag an bis einschließlich kommenden Freitag gelten sollen. Die Behörde beobachtet im Landkreis "eine nicht örtlich eingrenzbare, sondern räumlich diffuse Zunahme der Infektionen". Bei vielen Betroffenen bleibt unklar, wo sie sich angesteckt haben könnten.

Geltende Maßnahmen

Das Landratsamt ordnete nun an, dass an einigen weiterführenden und beruflichen Schulen von Jahrgangsstufe fünf an wieder Maske im Unterricht getragen werden muss, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht gewahrt werden kann - und zwar am Gymnasium Gröbenzell, am Carl-Spitzweg-Gymnasium Germering, der Mittelschule Puchheim, am Eugen-Papst-Förderzentrum in Germering, an der Realschule Fürstenfeldbruck und an der Berufsschule Fürstenfeldbruck.

An den Schulen gab es zuletzt schon Coronafälle, weshalb verschiedene Klassen oder Jahrgänge in Quarantäne sind. Schon vor zwei Wochen hatte das Landratsamt vorab eine Maskenpflicht für den Unterricht angeordnet, weil es damals befürchtete, dass der Wert über das Wochenende die Zahl 35 überschreiten würde. Erst vergangenen Montag wurde diese Pflicht wieder aufgehoben. Tauchen an weiteren Schulen Coronafälle auf, wird die Maskenpflicht automatisch auch dort gelten.

Außerdem dürfen private Feierlichkeiten in öffentlichen und angemieteten Räumen von diesem Samstag an mit nur maximal 50 Personen stattfinden. Davon betroffen könnten zum Beispiel bereits geplante Hochzeitsfeiern sein. Zudem spricht die Behörde die "dringliche Empfehlung" aus, zu Hause keine Feierlichkeiten mit mehr als 25 Leuten zu veranstalten.

FÜRSTENFELDBRUCK:  Erster Tag der Corona Teststation

Wer sich dort testen lassen möchte, registriert sich einfach über den QR-Code.

(Foto: Leonhard Simon)

Unklarer Infektionsweg

Am Freitag stieg die Zahl der positiv auf das Virus getesteten Personen um weitere 33 auf 1482 Personen seit Beginn der Pandemie an. Schwierigkeiten bei der Einordnung der Infektionsfälle bereitet den Ämtern die Tatsache, dass zuletzt bei den meisten positiv getesteten Fällen im Landkreis der Infektionsweg nicht konkret auf einzelne Kontakte zurückverfolgt werden konnte. Somit bleibt unklar, wo sich die Betroffenen angesteckt haben. Daneben gibt es immer noch Reiserückkehrer, die positiv getestet werden, mehrere Infizierte bei einem überregional tätigen Unternehmen sowie einem Familienbetrieb, zwei infizierte Familienverbände und einzelne Fälle in Schulklassen samt Infektionen bei Kontaktpersonen.

Maßgebliche Inzidenzwerte

Für die nun verhängten Maßnahmen wurde allerdings nicht der Inzidenzwert 50 zugrunde gelegt, sondern die Vorwarnstufe von 35, die zuletzt drei Tage in Folge überschritten wurde. Als maßgeblich für einschränkende Maßnahmen heranzuziehende Inzidenzwerte gelten jene, die das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen veröffentlichen. Der Inzidenzwert ist jene Zahl, die angibt, wie viele neue Infektionen es innerhalb der vergangenen sieben Tage auf 100 000 Einwohner gerechnet gibt. Im Landkreis lag der Wert vom 22. bis 26. September kontinuierlich und seit 6. Oktober erneut über dem Vorwarnwert von 35. Am Donnerstag überschritt er erstmals die Marke 50. Das sind die Zahlen, die das Brucker Gesundheitsamt öffentlich machte. Gleichzeitig gab das LGL am Freitag den Wert für Fürstenfeldbruck von 44,23 an - auch in dieser Statistik der dritthöchste Wert in Bayern nach der Stadt Rosenheim (66,09) und dem Kreis Unterallgäu (44,72), aber immer noch unter 50.

Problem der Vergleichbarkeit

Doch nach welchen Werten soll man sich richten, wenn verschiedene Behörden verschiedene Werte veröffentlichen? Verwirrt das nicht mehr, als dass es Klarheit schafft? Landratsamtssprecherin Ines Roellecke verweist auf den Fall vor zwei Wochen, als das LGL nach einer Panne den Brucker Wert sogar nach unten setzte - just als der Landkreis erstmals Maskenpflicht im Unterricht anordnete. Es habe viele Nachfragen seitens der Bürger gegeben, sagt Roellecke. Deshalb entschied das Landratsamt, den eigenen Wert selbst zu publizieren. Die Zahlen des Landkreises werden am frühen Nachmittag herausgegeben, das LGL, bei dem die Daten für alle bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte zusammenlaufen, verwendet bei der täglichen Aktualisierung den Datenstand von 8 Uhr morgens. Das RKI aktualisiert um Mitternacht.

Die Meldung an das LGL erfolge "in der aktuell sehr dynamischen Situation" nicht immer am gleichen Tag, erläutert das Landesamt für Gesundheit auf seiner Internetseite. Es könne daher "teilweise zu einer gewissen Verzögerung kommen". Auch seien die Gesundheitsämter zunächst gehalten, Ermittlungen zu den einzelnen Fällen und deren Kontaktpersonen durchzuführen und entsprechende Infektionsschutzmaßnahmen zu ergreifen. Soll heißen: Erst dann sind die Meldungen an die übergeordneten Behörden an der Reihe - und erscheinen dort eben zeitlich verspätet. Das bedeutet: Wenn der Brucker Inzidenzwert von 58 vom Freitag dann in der Statistik von RKI und LGL auftaucht - davon ist nächste Woche auszugehen - dann muss der Landkreis noch weitere, strengere Maßnahmen verhängen.

Andrang am Testzentrum

Die meisten Coronatests im Landkreis werden im Testzentrum im Fürstenfeldbrucker Gewerbegebiet Hasenheide durchgeführt, das zum 1. September seinen Betrieb aufgenommen hat und schon jetzt an der Kapazitätsgrenze arbeitet. Roellecke zufolge gibt es bereits Überlegungen, das Personal aufzustocken. Mehr als 10 500 Tests wurden bislang durchgeführt, an einem Tag waren es mehr als 800. Ein positives Testergebnis erhielten 1,1 Prozent. Wie viele Landkreisbürger insgesamt getestet wurden, darüber kann das Landratsamt keine Aussage machen. Es geht allerdings davon aus, dass sich die Zahl der Tests durch die Einrichtung des Testzentrums erhöht hat, auch weil dies ein "ganz niederschwelliges Angebot" sei, sagt Roellecke. 56 Stunden in der Woche ist es geöffnet (montags bis freitags von acht bis 18 Uhr, samstags von acht bis 14 Uhr), jeder kann dort ohne Anmeldung einen Corona-Abstrich machen lassen.

© SZ vom 10.10.2020
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