SZ-Adventskalender:"Ich wusste gar nicht mehr, wie das ist, in einem Bett zu schlafen"

SZ-Adventskalender: Durch die Unterstützung des SZ-Adventskalenders konnte sich die afghanische Familie Sarwari eine Nähmaschine leisten.

Durch die Unterstützung des SZ-Adventskalenders konnte sich die afghanische Familie Sarwari eine Nähmaschine leisten.

(Foto: Younes Tajik)

Dank der großzügigen Spenden der SZ-Leser kann der Adventskalender für gute Werke auch in diesem Jahr wieder Menschen in sozialen Notlagen unterstützen.

Von Ingrid Hügenell und Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Mit dem Geld, das unsere Leser dem Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung gespendet haben, konnte auch in diesem Jahr wieder vielen Menschen geholfen werden, die unverschuldet in Not geraten sind und die sich häufig die einfachsten Dinge nicht selbst leisten können. Die Schwerpunkte lagen auf Menschen, die durch Krankheit, Behinderung oder Krieg und Flucht in die Armut getrieben wurden. Zudem wirkten Wohnungsnot, Energiekrise und Inflation als soziale Abstiegsspirale. Allein in diesem Jahr konnten Menschen in der Region München mit 10,8 Millionen Euro unterstützt werden. 26 329 Leserinnen und Leser der SZ haben die große Summe mit ihrem Einsatz möglich gemacht.

Unterstützung erhielten dabei unter anderem die Klienten der Germeringer Insel. Die zentrale Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger der Großen Kreisstadt, die Rat und Hilfe suchen, verfügt über einen Geldtopf, mit dessen Hilfe akute Notlagen gelindert werden können. Diesen Topf hat der Adventskalender aufgefüllt.

"Wenn Klienten zu uns kommen, die beispielsweise kein Geld für eine Winterjacke haben, sagen wir ihnen, wo sie günstig eine bekommen können und geben einen Zuschuss", erklärt Melanie Schillert von der Insel. "Die Menschen gehen oft freudestrahlend raus, manche mit Tränen in den Augen." Viele könnten nicht monatlich einen bestimmten Betrag abknapsen, um davon auf Anschaffungen zu sparen, schon gar nicht vor dem Hintergrund der Inflation.

Auch Windelgutscheine gebe die Insel aus, berichtet Schillert weiter, etwa für eine Familie mit einem behinderten Kind, das die Schule nicht besuchen kann, weil ein Schulbegleiter fehlt. Deshalb kann die Mutter nicht arbeiten gehen. "Wir machen Leute glücklich, die chronisch knapp sind."

"Ich hab' jetzt wieder den Durchblick", sagt eine Frau, die sich eine neue Brille leisten konnte

"Ich hab' jetzt wieder den Durchblick", sagt Monika Fuchs (Name geändert), 50, die sich endlich eine Brille kaufen konnte. Die alleinerziehende Mutter, die einen Sohn und eine schwerbehinderte Tochter hat, kann wegen der Behinderung der Tochter nur unregelmäßig arbeiten. Sie ist beim Café Zenja der Insel tätig. "Ich hab' mich wahnsinnig gefreut, es ist meine erste Brille", sagt sie. Nun könne sie wieder lesen. Das sei zuvor zu anstrengend gewesen, sie habe leicht Kopfschmerzen bekommen, und deshalb "viele Bücher weggelassen".

Jahrelang hat Claudia Zimmer (Name geändert) auf einer Couch geschlafen. "Ich wusste gar nicht mehr, wie das ist, in einem Bett zu schlafen", sagt die 66-Jährige, die unter Osteoporose leidet. "Jetzt schlafe ich wie ein Engel." Sie selbst hätte sich Bett, Lattenrost, Matratze und Bettwäsche nicht leisten können. "Ich bin dermaßen dankbar und freue mich jeden Tag, dass es Menschen gibt, die helfen wollen." Das Geld vom Adventskalender sei eine große Hilfe gewesen. Was ihr immer noch fehlt: eine bezahlbare, kleinere Wohnung. Derzeit lebt sie unter dem Dach in einem Haus ohne Aufzug. Obwohl sie kein Geld hat, das sie spenden könnte, ist es ihr ein Anliegen, selbst zu helfen. Das tut sie, indem sie Zeit mit einer 85-Jährigen verbringt, mit ihr spazieren geht oder Ausflüge macht - das 49-Euro-Ticket macht es möglich.

Besser sehen können auch Mina Nowruzi (Name geändert) und eins ihrer drei Kinder - sie konnten sich von den Spenden der SZ-Leser ebenfalls die dringend benötigten Brillen kaufen. "Die Spende von letztem Jahr hat uns sehr geholfen", sagt die Mutter. "Damit wurde meinen Kindern und mir wirklich viel geholfen, wofür ich sehr dankbar bin." Die Familie musste vor den Taliban aus Afghanistan fliehen, der Vater ist verschollen, er wurde von den Fundamentalisten verschleppt. Die Mutter und die erwachsenen Kinder sind durch die Flucht traumatisiert - und auch davon, dass sie in Deutschland immer wieder rassistisch beleidigt wurden. Dennoch kämpfen sie sich durch, haben Arbeit gefunden, das jüngste Kind arbeitet aufs Abitur hin. Mithilfe des Adventskalenders gelingt es ihnen besser, das Leben zu meistern.

Erheblich verbessert hat sich in diesem Jahr auch die Situation der Familie Sarwari. Die Eltern und Kinder aus Afghanistan sind als politische Flüchtlinge anerkannt worden. Damit dürfen sie in Deutschland bleiben. Die Familie ist aus Angst vor den Taliban geflüchtet, Mohammad Naim Sarwari hat als Ortskraft ungarische Soldaten unterstützt. Als Amerikaner und Europäer ihr Engagement in Afghanistan aufgaben, flohen auch die Sarwaris. Sicher gefühlt hatten sie sich nicht mehr, er sei nur noch selten aus dem Haus gegangen und habe Plätze gemieden, an denen sich Taliban aufhielten, erzählte Mohammad Sarwari vor einem Jahr.

Allerdings hat die Familie noch keine dauernde Bleibe gefunden. Anstatt in einer Wohnung lebt das Paar mit den vier Kindern in einem Raum in der Asylunterkunft in der Industriestraße in Germering. Demnächst wird es in dem Zimmer noch enger, denn Yasamin Sarwari, die Mutter der vier Kinder, ist schwanger.

Aus den Spenden für den Adventskalender hat Yasamin Sarwari eine Nähmaschine bekommen. Sie möchte mit dem Nähen etwas Geld verdienen, einen Kurs zur Bedienung der Maschine hat sie bereits gemacht. Mohammad Sarwari hat das Deutschlernen intensiviert. Seit der Anerkennung bekommt er Unterstützung beim Erlernen der Sprache, denn das gehört zur Integration. Zuvor, als nicht anerkannter Migrant, lernte er nur an einem Tag in der Woche Deutsch, weil er freiwillig einen Kurs beim Brucker Forum besuchte. Besser in Deutsch als die Eltern sind die Kinder. Sie gehen zur Schule und finden sich nach Aussage von Betreuer Peter Busch gut zurecht.

Auch in diesem Jahr bittet die Süddeutsche Zeitung die Leserinnen und Leser wieder um Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis und der Region. Unterstützt werden sollen dieses Mal Menschen, die durch Krankheit, Schicksalsschläge oder Inflation und hohe Energiepreise in Existenznöte geraten sind.

So können Sie spenden

Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich: "Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V.", Stadtsparkasse München, IBAN: DE86 7015 0000 0000 6007 00, BIC: SSKMDEMM

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