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Bandenmitglied vor Gericht:Der "Brigade" ist das Lachen vergangen

Die "Internationale Nummer 1 Brigade" war auf den Diebstahl von Buntmetall wie etwa Kupfer spezialisiert. Mit ihren Beutezügen richtete sie einen Schaden von 2,3 Millionen Euro an.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bande "Internationale Nummer 1 Brigade" richtete mit ihren Buntmetall-Diebstählen in Süddeutschland einen Schaden von 2,3 Millionen Euro an. Zwei der Einbrüche fanden in Freising statt.

Das Bild, ein Schnappschuss aus Facebook, zeigt die "Internationale Nummer 1 Brigade" aus glücklicheren Tagen. "Offenbar nach einem gelungenen Auftritt", mutmaßte Vorsitzender Richter Ralph Reiter, der das Beweismittel am Mittwochmorgen am Landshuter Landgericht präsentierte. Es zeigt eine Gruppe von etwa 40 gut gelaunten Leuten, die sich selbst den Namen "Internationale Nummer 1 Brigade" gab. Spezialisiert war sie auf den bandenmäßigen Diebstahl von Buntmetall, das sie bei einem Schrotthändler im niederländischen Venlo vertickte. Den Mitgliedern ist mittlerweile das Grinsen vergangen. Sie sitzen in Gefängnissen und beschäftigen diverse Strafkammern im Landgericht. Im aktuellen Verfahren ist ein 27-jähriger Mann angeklagt, der unter anderem an zwei Einbrüchen in Freising beteiligt war.

Die Bande, bestehend aus 42 ausschließlich aus einer rumänischen Kleinstadt stammenden Mitgliedern, operierte vor gut zwei Jahren in ganz Europa. Zellen, von denen aus die Bande in verschiedenster Besetzung vorging, befanden sich unter anderem in Dortmund und in Niederbayern. Ein Angeklagter, offenbar der "Brigadeführer", brachte den Kern der Truppe in Unterkünften in Landau an der Isar und Arnstorf unter. Dieser Teil war für Beutezüge in Süddeutschland zuständig. Von den Tatorten aus fuhren die Metalldiebe das Kupfer direkt über die Grenze in die Niederlande.

Bei einer Freisinger Elektrofirma wurden Kupferkabel im Wert von 24 470 Euro gestohlen

Insgesamt richtete die Bande einen Schaden von 2,3 Millionen Euro an. Auf das Konto des Angeklagten soll ein Beuteschaden von etwa 116 000 Euro gehen. Im ersten Fall soll er im Oktober 2014 zusammen mit Komplizen auf das Gelände einer Elektrofirma an der Münchner Straße in Freising eingedrungen sein. Dort waren Kupferkabel im Wert von 24 470 Euro gestohlen worden. Zwei Monate später soll die Gruppe in den Guten Ängern in Lerchenfeld unterwegs gewesen sein und knapp 2,6 Tonnen Kupferteile im Wert von 10 000 Euro gestohlen haben.

Die Polizei kam der Bande im November 2014 auf die Spur, als es in Traunstein zu ersten Festnahmen kam. Möglich war dies durch mühevolle Detailarbeit. Die Ermittler verglichen DNA-Spuren und Schuhabdrücke, wichtiges Instrument waren auch Wegstreckenkontrollen über das Einloggen der Mobiltelefone der Beschuldigten in Funkzellen. Ein genetischer Fingerabdruck war es, die den Angeklagten als einen der Mittäter identifizierte. Bei einem Einbruch in ein Gehöft musste der 27-Jährige auf der Flucht seine Jacke zurücklassen. Die DNA-Spuren stimmten mit denen überein, welche die französische Polizei bereits von ihm genommen hatte.

Die niederländische Polizei weigerte sich, einen Lieferwagen zu untersuchen. Der Richter beklagt die mangelhafte Zusammenarbeit

Richter Ralph Reiter klagte in diesem Zusammenhang über die oft mangelhafte Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden in Europa. So habe sich die niederländische Polizei schlicht geweigert, einen Lieferwagen erkennungsdienstlich auf Spuren hin zu untersuchen. Die Buntmetalldiebe pflegten die Autos, mit denen sie ihre Beute über die Grenze fuhren, grundsätzlich vorher zu stehlen. Die Fahrzeuge ließen sie dann in Venlo irgendwo am Straßenrand zurück, wenn sie das Metall abgeliefert hatten. Ralph Reiter wundert sich, dass bis heute der Schrotthändler nicht ermittelt ist, zu dem die Bande ihre Hehlerware brachte. Offenbar bestehe da kein Interesse, mutmaßte er. Ihm wäre es lieber, wenn sich die EU statt um die Beschaffenheit von Gurken besser um die polizeiliche Zusammenarbeit über Grenzen hinweg kümmern würde, merkte er an.

Der Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen. Ob er sich eines Besseren besinnt, wird sich an diesem Freitag, dem zweiten Verhandlungstag, zeigen. Nach einem Rechtsgespräch, das sein Verteidiger anregte, stellt ihm die Staatsanwaltschaft bei einem Geständnis eine Maximalstrafe von drei Jahren und neun Monaten in Aussicht. Richter Reiter riet ihm, das Angebot anzunehmen. Neun Bandenmitglieder sind nämlich bereits verurteilt und haben Angaben zu den Einbrüchen gemacht. "Die Allianz bröckelt", hielt Ralph Reiter dem Angeklagten vor.