Massiver Mitarbeitermangel Personalnot im Rathaus

Das Freisinger Rathaus, auf diesem Archivbild ragt es hinter dem Wochenmarkt auf, sucht dringend Mitarbeiter.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Stadt Freising hat immer mehr Probleme, frei werdende Stellen neu zu besetzen, manche müssen gleich mehrmals ausgeschrieben werden. Verbessern könnte die Situation die Zahlung einer Arbeitsmarktzulage.

Von Kerstin Vogel, Freising

Als es bei den Haushaltsberatungen im Freisinger Stadtrat Ende vergangenen Jahres um den Stellenplan ging, da klang bereits durch, dass man sich bei der Stadtverwaltung vor einer schwierigen Personalsituation sieht. Speziell die Kämmerei müsse wieder in einen arbeitsfähigen Modus kommen, hieß es unter anderem, und Bürgermeister Hans Hölzl betonte in seiner Rede bei der Weihnachtsfeier des Stadtrats, dass "die Bürgerschaft das Recht auf eine gute Verwaltung mit ausreichend Personal" habe.

Tatsächlich setzt sich die Personalnot, die man in der Stadt Freising etwa im Bereich der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen schon seit Jahren kennt, mittlerweile auch in anderen Bereichen fort. In den technischen Berufen, etwa bei den Tief- und Hochbauingenieuren, zeichne sich ein Mangel an passenden Bewerbern ebenfalls schon länger ab, erklärt Hauptamtsleiter Rupert Widmann. Mittlerweile aber sei das Problem aber auch in den allgemeinen Verwaltungsbereichen "eklatant zutage getreten": Die Stadt Freising hat massive Probleme, frei werdende Stellen adäquat zu besetzen.

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Schuld ist der demografische Wandel

Schuld an der Misere in der Verwaltung ist Widmann zufolge zum einen der demografische Wandel. Aktuell erreichten die geburtenstarken Jahrgänge aus der ersten Hälfte der 1950er-Jahre das Rentenalter, schildert er die Situation. "Da scheidet eine höhere Zahl von langjährigen Kollegen mit einem enormen Fachwissen aus, das schwer zu ersetzen ist", bedauert Widmann: "Wir haben verschiedene Stellen 2018 sogar mehrmals ausschreiben müssen". Auch das sei letztendlich immer mit Kosten verbunden.

Im Freisinger Standesamt habe man wegen der Personalnot aktuell bereits die Öffnungszeiten eingeschränkt, ganz erhebliche Schwierigkeiten aber habe man vor allem gehabt, geeignetes Fachpersonal für die Kämmerei zu finden. Denn hier sei schon wegen der notwendigen kameralistischen Haushaltsführung ein entsprechendes Fachwissen gefragt. Die Bewerber bräuchten ein Verständnis für diese Art der Buchführung, die sehr anders sei als die übliche kaufmännische Variante, sagt Widmann. Mittlerweile habe man zwar einige Stellen besetzen können, die Kandidaten müssten aber in durchaus aufwendigen Lehrgängen noch die entsprechende Zusatzausbildung absolvieren.

Die Stadt bildet laut Hauptamtsleiter Rupert Widmann inzwischen selbst mehr junge Leute aus.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das zweite Problem, mit dem die Stadtverwaltung zu kämpfen hat, ist die Arbeitsmarktsituation in einer Region mit Vollbeschäftigung, wie es Widmann formuliert. Gerade in den Bereichen Hoch- und Tiefbau sei es in Zeiten einer boomenden Privatwirtschaft sehr schwierig für Kommunen, passendes Personal zu finden. "Andere zahlen möglicherweise besser, die Arbeitsverträge können frei verhandelt werden. Die Stadt ist an den Tarif gebunden."

Die Stellenanzeigen attraktiver gestalten

Derzeit sind bei der Stadtverwaltung noch zehn Stellen zu besetzen, unter anderem bei der Bauaufsicht, in der Verkehrsüberwachung, bei der Stadtjugendpflege oder als Laborkraft für die Kläranlage. Mit den neuen Mitarbeitern für das Fresch soll sich die Zahl der städtischen Angestellten sukzessive auf 800 erhöhen.

Wie sich die Personalnot langfristig beheben lässt, ist laut Widmann schwer zu sagen. Man versuche, die Stellenanzeigen attraktiver zu gestalten, sei auf Messen vertreten, beteilige sich an den Werbeveranstaltungen "Boys- and Girls-Days" und biete Praktika für Schüler an, zählt der Hauptamtsleiter auf. Außerdem habe man die eigene Ausbildung massiv verstärkt. Im Herbst 2019 würden erstmals gleich sechs Azubis ihre Lehrzeit bei der Stadtverwaltung beginnen, bislang seien es zwei gewesen, schildert Widmann - und wirbt gleich noch ein bisschen: "Die Übernahmeaussichten und Entwicklungsmöglichkeiten sind großartig." Außerdem habe man von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher den Auftrag erhalten, die Zahlung einer Arbeitsmarktzulage für die Zukunft zu prüfen. Das Ergebnis aber stehe noch aus.