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Zugewanderte Pflanzenarten:In der neuen Heimat fest verwurzelt

Sieht hübsch aus, ist aber unbeliebt: ein Neophyten-Ensemble aus Springkraut und Goldrute am Waldweg nahe der Plantage in Freising.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch im Landkreis sind Neophyten verbreitet - und zum Teil ein Ärgernis. Eingeführte Pflanzen, wie das von Imkern geschätzte Indische Springkraut oder die Goldrute, verdrängen heimische Arten. Riesenbärenklau oder Ambrosia können für den Menschen sogar gefährlich werden.

Von Gudrun Regelein, Freising

Neophyten, die "neuen Pflanzen", sind auch im Landkreis Freising weit verbreitet. "Die sind ein massives Problem", sagt Wolfgang Willner, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN). Nicht nur, da sie heimische Pflanzen verdrängen - manche können sogar für Menschen gefährlich werden. Wie der Riesenbärenklau oder die Beifußblättrige Ambrosie (siehe Kasten). Mit am weitesten verbreitet im Landkreis aber ist das Indische Springkraut, das mittlerweile von den heimischen Insekten, so auch von der Honigbiene, angenommen und geschätzt wird.

Das Springkraut kam im 19. Jahrhundert aus Mittelasien über England nach Europa. Danach hatten es viele Imker gezielt angepflanzt, da es eine gute Nektarquelle für Honigbienen bietet. "Aus Sicht des Imkers ist das Springkraut vielleicht positiv - aus Sicht des Naturschutzes aber ganz sicher nicht", sagt Willner. Andreas Stuber, Vorsitzender des Imkervereins Freising, sieht das ambivalenter. Dass ein Imker noch heute das Springkraut extra anbaue, habe er noch nie gehört, sagt er. Tatsächlich bedeute diese Pflanze für Imker zugleich "Fluch und Segen". Der Segen sei, dass ein Imker in feuchten Gebieten mit viel Springkraut wie den Isar- und Amperauen wisse, dass er für die Wintermonate kein Zuckerwasser zufüttern muss. Der Fluch aber sei, dass es in einem Bienenstock nur gewisse Kapazitäten - zehn oder 20 Waben - gebe. "Wenn die Bienen viel Springkrauthonig einbringen, dann kann die Königin nur noch zu wenige Eier legen", erklärt Stuber. Mit der Konsequenz, dass es zu wenig Winterbienen, die aus der letzten Brut im Herbst stammen, gibt. Besonders schwierig sei es in Gebieten wie in Thonhausen, wo Stuber lebt. "Wir haben mal mehr und mal weniger Springkraut", berichtet er. Mitte bis Ende September sollte die Winterfütterung eigentlich abgeschlossen sein - aber er wisse nie wirklich, ob es nun reiche oder nicht.

Auch Tomaten und Kartoffeln sind Neophyten

Als Neophyten werden generell solche Pflanzen bezeichnet, die vom Menschen nach 1492 - dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus - in Gebiete kamen, in denen sie natürlicherweise nicht lebten, wie Anja Aigner, Kreis-Gartenfachberaterin in der Unteren Naturschutzbehörde, berichtet. Dabei sei es unerheblich, ob die Pflanzen bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt eingeführt wurden. "Neulinge aber sind in unserer Pflanzenwelt eigentlich nichts Ungewöhnliches", sagt sie. Die Vegetation Mitteleuropas sei geprägt von ursprünglich nicht einheimischen Arten, die nach der Eiszeit eingewandert sind, "allerdings werden diese heute zu den einheimischen Arten und natürlich nicht mehr zu den Neophyten gezählt." Dagegen seien inzwischen etablierte Pflanzen wie Tomate, Kartoffel oder Mais sehr wohl Neophyten, da sie erst nach der Entdeckung Amerikas nach Mitteleuropa eingeführt wurden, erklärt Aigner.

Letztendlich verursacht aber nur ein kleiner Anteil der Neophyten Probleme oder steht auf der EU-Liste der invasiven Arten: Solche nämlich, die andere Arten verdrängen, schützenswerte Lebensräume gefährden, bei Menschen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden führen können oder als Unkräuter wirtschaftliche Schäden verursachen.

Problematisch wird es, wenn die Pflanzen überhand nehmen

In Hallbergmoos beispielsweise hat die Gemeindeverwaltung erst kürzlich in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass dort die Ambrosia-Pflanze in größeren Mengen gesichtet worden sei. Großflächig treibe diese Pflanze derzeit im Neubaugebiet "Jägerfeld-West" aus. Die Pollen der Ambrosia, wie auch einzelne Pflanzenbestandteile, gelten als hochallergen. Sie können vor allem Heuschnupfen und Asthma aber auch allergische Hautreaktionen auslösen. Die Gemeindeverwaltung hat deshalb alle Anlieger und Bauherren gebeten, die dort üppig wachsenden Pflanzen möglichst schnell und fachgerecht zu entfernen.

Für den Naturschützer Wolfgang Willner ist die Kanadische Goldrute, die sich in den Isar- und Amperauen sehr stark ausgebreitet hat, ein großes Ärgernis. Dort nämlich findet man sie bereits im Naturbereich auf dem Trockenrasen. "Das macht uns die Biotope kaputt, die Goldrute hat die Übermacht über heimische Pflanzen gewonnen", berichtet er. Um den Eindringling zu bekämpfen, würden mehrere Mahden vor der Blüte vorgenommen, aber die seien sehr aufwendig und letztendlich doch nicht erfolgreich. "Das ist sehr langwierig, die kommt immer wieder, das hört nie auf." Der Staudenknöterich sei ein anderes Beispiel, "den kann man niedertrampeln und zwei Wochen später steht er wieder da", schildert Wolfgang Willner. "Das ist extrem schwierig." Die Neophyten seien nicht zu verharmlosen, warnt er. "Das ist ein Problem, das in den kommenden Jahren aber noch größer werden wird." Denn durch den Klimawandel und die Globalisierung werde es zunehmend mehr neue Pflanzen geben, sagt Willner. "Das geht erst richtig los."

© SZ vom 31.08.2020/nta

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