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Elektroschrott im Landkreis Freising:"Es wird extrem viel weggeworfen"

Repair_Café_sitzend Manfred Ramin, Reparateur und Mitorganisator_im roten Pullover Sönke Lawrenz, zweiter Vorstand

Sönke Lawrenz (im roten Pullover) und seine Mitstreiter beim Freisinger Verein "Einfach selber machen" reparieren kaputte Geräte.

(Foto: Konrad Wilhelm/oh)

Im vergangenen Jahr ist die Zahl verschrotteter Elektrogeräte im Landkreis gestiegen. Vereine wie "Einfach selber machen" reparieren diese und wollen deren Besitzer für das Schonen von Ressourcen sensibilisieren.

Von Thilo Schröder, Freising

In nur fünf Jahren hat die weltweite Menge an Elektroschrott um 21 Prozent zugenommen. Das geht aus dem Elektroschrott-Monitor 2020 hervor. Im Landkreis Freising war die Zahl verschrotteter Geräte zwischen 2014 und 2018 zunächst rückläufig, wie das Landratsamt mitteilt. 2018 landeten demnach 1120 Elektrogeräte im Müll gegenüber 1343 in 2014. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl dann um rund 17 Prozent an auf 1314 Geräte. Weshalb der Schrottberg tendenziell wächst, obwohl nachhaltiger Konsum und Reparaturangebote zur Ressourcenschonung beitragen könnten.

Eine verkürzte Lebens- und Nutzungsdauer von Geräten, unrentable Reparaturen und kürzere Innovationszyklen sind laut Gert Lautenschlager Gründe für den generellen Anstieg an Elektroschrott. Des Weiteren inkompatible Geräte, Kaufanreize in immer kürzeren Abständen und sinkende Preise, so der Professor für Ingenieurmathematik und Abfallwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. "Man muss die Leute dazu bringen, ihre Geräte länger zu nutzen und kaputte Geräte zum Händler oder zum Wertstoffhof zu bringen", sagt Lautenschlager, "auch kleine Geräte wie Föhne."

"Man muss die Leute dazu bringen, ihre Geräte länger zu nutzen"

Häufig sind Geräte gar nicht unwiderruflich kaputt, Abhilfe bietet da der Freisinger Verein "Einfach selber machen". Seine Mitglieder wollen für den Ressourcenverbrauch sensibilisieren. "Wir sehen, dass extrem viel weggeworfen wird", kritisiert Zweiter Vorsitzender Sönke Lawrenz. "Das ist eine Entwicklung, die wir nicht toll finden." Lampen, Staubsauger und Musikanlagen wandern in den zweimonatlichen Repair Cafés häufiger über die Werkbank. "Patienten" nennt der 36-Jährige sie. Seltener kämen Kunden dagegen mit komplexeren Geräten wie Handys oder Tablets.

"Wir freuen uns immer, wenn ein Gerät gar nicht mehr geht", sagt der Elektroingenieur. "Dann ist im Zweifelsfall nur ein Schalter kaputt, ein Kabel abgefallen oder es gibt eine kalte Lötstelle." Das sei einfach zu identifizieren und zu beheben, passiere aber eher selten. Oft liege der Fehler im Detail. "Viel wird heutzutage miniaturisiert, Bauteile werden zusammengefasst, Ersatzteillisten sucht man da leider oft vergeblich." Im Schnitt ließe sich dennoch etwa die Hälfte der beschädigten Produkte reparieren.

Die Reparierbarkeit eines elektrischen Geräts sei für den Kunden beim Kauf oft schwer erkennbar, sagt Lautenschlager. Man könne aber zumindest darauf achten, ob verschleißbedingte Reparaturen leicht möglich sind: etwa, ob ein gebrochenes Handydisplay ersetzt werden könne oder ein alter Akku herausnehmbar sei. Viele, vor allem neuere Elektrogeräte seien so angelegt, dass man sie nicht reparieren könne, sagt Lawrenz. "Es kostet halt auch Aufwand, ein Gerät so zu konstruieren, dass es reparierbar ist", gibt er zu bedenken. Sein letztes Handy habe sich hingegen auseinandernehmen lassen, als die USB-Buchse nicht mehr richtig funktionierte. Die Platine habe man ausbauen und nachbestellen können. Der Aufwand: "Vier, fünf Euro und ein bisschen Zeit."

Wenn Lawrenz Elektrogeräten kein neues Leben mehr einhauchen kann, landen diese bei Händlern, die zur Rücknahme verpflichtet sind, oder beim Wertstoffhof. Im Landkreis Freising erfasse und verwerte die Stiftung Elektro-Altgeräte Register (ear) den Elektroschrott, teilt das Landratsamt Freising mit. Prinzipiell könne man dadurch einen Erlös erzielen. "Etwas Gewinn" würden jedoch nur Großgeräte wie Waschmaschinen abwerfen, bei den Kleingeräten überwögen dagegen die Kosten. 93 Prozent beträgt laut Landratsamt bei kleinen Geräten die Recyclingquote, 83 Prozent bei den großen. Nach derzeitiger Gesetzeslage müssen von den eingesammelten Elektrogeräten zwischen 75 und 85 Prozent verwertet beziehungsweise 55 bis 80 Prozent zur Wiederverwendung vorbereitet oder recycelt werden. Das geht aus einem Bericht des Umweltbundesamtes von Juli 2019 hervor.

Viele, vor allem neuere Elektrogeräte sind so angelegt, dass man sie nicht reparieren kann

Bei Elektrogeräten ist der Verwertungsprozess relativ komplex. "Das liegt zum einen an der großen Materialvielfalt und zum anderen daran, dass viele Bauteile aufgrund von Verschweißungen und Verklebungen kaum mehr demontierbar sind", erklärt Lautenschlager. Sortenreine Bestandteile seien aber eine Voraussetzung für eine hochwertige Verwertung. "Elektrogeräte müssten deshalb so geplant und konzipiert werden, dass nach der Nutzung eine leichte Demontage und Trennung einzelner Systemteile möglich ist", sagt er.

Das Landratsamt rät, alle nicht verwertbaren Bestandteile vor dem Gang zum Wertstoffhof zu entfernen. "Das ist zum Beispiel beim Staubsauger der Staubsaugerbeutel, bei der Kaffeemaschine die Kaffeekanne." Sehr ungünstig sei es, die Fritteuse samt Fett in den Container zu werfen. "Im Sommer löst sich das Fett aus der Fritteuse und verteilt sich auf die darunterliegenden Geräte." Besondere Vorsicht gelte bei Nachtspeicheröfen. Diese solle man nicht zerlegen, da Asbestfasern freigesetzt werden können. Nachtspeicheröfen würden kostenlos von zu Hause abgeholt.

© SZ vom 15.07.2020

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