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Kommentar:Wegwerfreflex unterdrücken

In Repair Cafés können versierte Handwerker manchem Gerät neues Leben einhauchen.

Von Thilo Schröder

Es ist zunächst erfreulich, zu beobachten, dass Freising nicht direkt dem globalen als auch bundesweiten Trend folgt, immer mehr Elektroschrott anzuhäufen. Auch lässt die hohe Recyclingquote des Landkreises vermuten, dass hier gewissenhafte Verwertungsarbeit geleistet wird. Dass nach mehreren Jahren sinkender Gerätezahlen der Elektroschrott aber zuletzt wieder zugenommen hat, zeigt: Es ist noch Luft nach oben.

Der Umgang mit Altgeräten ist vielfältig. Wo an einer Stelle Geräte jahrzehntelang genutzt werden, bis sie auseinanderfallen, werden sie an anderer Stelle nach kurzer Nutzungsdauer weggeworfen. Das hat zum Teil technische Gründe, ausgehend von einer Industrie, die auf konstant hohen Konsum, auf möglichst häufiges Kaufen von neuen Produkten ausgelegt ist. Das hat allerdings zum Teil auch mit vorschnellen Wegwerfreflexen zu tun.

Angebote wie Repair Cafés erfreuen sich regen Zulaufs. Das zeigt sich gerade in der Corona-Krise, in der solche Bastelwerkstätten teils geschlossen bleiben müssen. Der Freisinger Reparateur Sönke Lawrenz berichtet von zuletzt vielen Anfragen der Art: "Wann kann ich endlich wieder kommen?" Es gibt aber nach wie vor Menschen, die von solchen Angeboten entweder nichts wissen oder sich dem Beitrag zur nachhaltigen Nutzung von Ressourcen nicht bewusst sind, den solche Initiativen leisten - die überdies den Konsumenten nichts kosten.

Natürlich sind die meisten Laien und keine Elektroingenieure, dafür gibt es ja solche Angebote. Natürlich ist selbst das beste Elektrogerät irgendwann unwiderruflich kaputt. Und natürlich sind es auch nicht die Verbraucher, die Rohstoffe und Bauteile verkleben und verschweißen, was in der Produktion zwar billiger ist, aber die Verwertung erschwert. Nichtsdestotrotz hat der Einzelne die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen: beim bewussten Kauf, beim Erwägen von Reparaturen, beim Tauschen und Weitergeben von Gebrauchtem und schließlich beim Rückführen in einen nachhaltigen Wertstoffkreislauf.

© SZ vom 15.07.2020

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