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Überraschende Auszeichnung:Geschäft in Haag ist "Dorfladen des Jahres 2020"

Einfach mal so haben sich die Geschäftsführer des Haager Dorfladens um die Auszeichnung "Dorfladen des Jahres 2020" beworben. Ausgezeichnet wird das Projekt demnächst während der Grünen Woche in Berlin.

(Foto: Marco Einfeldt)

In der Gemeinde steht einer von deutschlandweit drei "Dorfläden des Jahres 2020". Das Geschäft von Udo Marin und Michaela Dehner gibt es seit sechs Jahren.

Der genossenschaftliche Haager Dorfladen, den es seit sechs Jahren gibt, wird jetzt vom deutschlandweiten Dorfladennetzwerk als eines von drei Projekten ausgezeichnet. Die Prämierung in Form einer dekorativen Acrylglasscheibe mit der Aufschrift "Dorfladen des Jahres 2020" bekommen zwei Mitarbeiter und die ehrenamtlichen Geschäftsführer in der kommenden Woche bei der Landschau-Bühne während der Grünen Woche in Berlin überreicht. Zehn Dorfläden hatten sich um diese Auszeichnung beworben, außer dem Haager Projekt werden ein Dorfladen aus dem Münsterland und aus dem Ostalbkreis gewürdigt.

"Wir prämieren Dorfläden, die auf wirtschaftlich soliden Füßen stehen, mindestens fünf Jahre alt sind, vielfältige Dienstleistungen und Sortimente anbieten und die von vielen Bürgern genutzt werden", sagt Günter Lühning, Vorsitzender des Dorfladen-Netzwerks. Wichtig sei auch, wie viele Bürger sich an einem Dorfladen finanziell beteiligen würden. Die Auszeichnung sei eine ideelle Anerkennung. Ohne ehrenamtliches Engagement und Unterstützung der Gemeinden gäbe es keine Dorfläden, so Lühning. Udo Marin und Michaela Dehner, die ehrenamtlichen Geschäftsführer des Haager Dorfladens, haben nicht mit dieser Auszeichnung gerechnet, freuen sich jetzt natürlich sehr darüber. Wir dachten, wir probieren es halt mal und füllten die Fragebögen aus", so Marin.

Anfangs konnte sich niemand vorstellen, aus dem Raum einen Laden zu machen

Die Idee, einen Dorfladen zu gründen, entstand vor sieben Jahren, als die Gemeinde das Gebäude "Alter Wirt" in der Ortsmitte ersteigert hatte, im Erdgeschoss eine Krippe baute und das Untergeschoss frei war. Eigentlich konnte sich damals niemand vorstellen, aus dem schlauchförmigen Raum, in dem sich der Schießstand der Schützen befand, einen Laden zu machen. Umso erstaunter und begeisterter waren dann alle, als der Dorfladen vor sechs Jahren eröffnet wurde und sogar über eine gemütliche Kaffeeecke verfügt. Vor allem Bürgermeister Anton Geier wirbt bis heute unermüdlich für den Laden und stellt dessen Vorteile heraus. Die Gemeinderäte waren sich von Anfang an einig, dass das genossenschaftliche Projekt keine Miete bezahlen müsse. Damit ein solches Vorhaben langfristig eine Chance habe, übernähmen manche Kommunen neben der Miete sogar die Betriebskosten, schildert Lühning aus seiner Erfahrung. Wie wertvoll der Dorfladen ist, zeigte sich auch nach der Schließung der traditionsreichen Metzgerei Hack in Haag, denn jetzt werden hier auch Wurst und Fleisch angeboten.

Das Geschäft verfügt über eine Verkaufsfläche von etwa 180 Quadratmetern und hat an sechs Tagen in der Woche insgesamt 60 Stunden geöffnet. Dass der Laden läuft, dafür zeichnen zehn Mitarbeiter verantwortlich, die meisten in Teilzeit, sowie mehrere Ehrenamtliche, allen voran Udo Marin und Michaela Dehner. Angeboten werden neben dem üblichen Grundsortiment ein großes Bio-Sortiment, regionale Lebensmittel und auch auf Fair-Trade-Produkte wird großer Wert gelegt. Der Dorfladen ist außerdem eine Postagentur und Lotto-Stelle. Zu den angebotenen Dienstleistungen gehören zudem ein Apotheken-Service, eine Büchertausch-Ecke und eine Reinigungsannahme. 16 Sitzplätze im Dorfladen-Café und im Sommer noch weitere auf der Terrasse laden zu einer Kaffeepause ein.

Etwa 230 Einwohner haben über 66 000 Euro Eigenkapital in die Haager Dorfladen-Gesellschaft eingebracht. Weitere Teilhaber seien willkommen, damit auch in Zukunft in die Einrichtung investiert werde, sagen die beiden ehrenamtlichen Geschäftsführer.

© SZ vom 16.01.2020/nta
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