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Freisinger im Krisenmodus:Der Zeitplan ist auf den Kopf gestellt

NEUFAHRN - Corona Lockdown / Hallenbad / Freibad Neufun

Wann man wieder richtig loslegen kann und Besucher ins "Neufun" dürfen, kann derzeit niemand sagen.

(Foto: Johannes Simon)

Normalerweise würde jetzt im Neufahrner Neufun Hochbetrieb herrschen. Stattdessen bleiben wegen der Ausgangsbeschränkungen die Badegäste aus. Die Mitarbeiter ziehen deshalb nötige Revisionsarbeiten vor.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie treffen die Menschen im Landkreis auf den unterschiedlichsten Ebenen. Für manche bedeuten sie nur Einschränkungen in ihrem Freizeitverhalten, die meisten haben aber konkrete Sorgen - ob es nun um Gefahren für die eigene Gesundheit, um die schwierige Betreuung der Kinder oder die Rettung des eigenen Geschäfts oder Unternehmens geht. Die Freisinger SZ gibt in einer Serie Einblicke in das Leben der Menschen im Krisenmodus.

Freisinger im Krisenmodus

Die Corona-Krise betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, im Öffentlichen wie im Privaten. In der Serie fragt die Freisinger SZ bei Menschen im Landkreis Freising nach, wie es ihnen in der Krise geht und wie das Coronavirus ihren Alltag verändert.

Teil 1: Kinobesitzerin, Sportlerin und Pfarrer - "Man hängt total in der Luft"

Teil 2: Apothekerin, Verkäuferin und Bürgermeisterkandidat - Erstaunlich ruhig

Teil 3: Taxifahrer und Shuttledienst - Die Nerven liegen blank

Teil 4: Schachspieler und Zahnarzt - Nicht ohne Schutz

Teil 5: Marktbeschicker, Kirchenmusikdirektor und Tanzlehrer - Im Zwangsurlaub

Teil 6: Fahrlehrer und Physiotherapeutin - Banger Blick in die Zukunft

Teil 7: Landschaftsgärtnerin und Kletterer - Abgespeckte Gartentage

Teil 8: Familienzentrum und Volkshochschule - Honorarkräfte ohne Einnahmen

Teil 9: Lebensmittellieferanten, Caritas und Leseratte - Zustrom bei Lieferdiensten

Teil 10: Tankstellen, Makler und Fitnessstudios - Besichtigung mit Mundschutz

Teil 11: Standesbeamtin und Reisebüro - Brautpaare auf Abstand

Teil 12: Musikschule - Musikunterricht auf vielen Kanälen

Teil 13: Klinikclowns und Musikverein - Videovisiten und Videounterricht

Teil 14: Schneiderin und Nordallianz - Nähen, um zu helfen

Teil 15: Schwimmer, Nagelpflegerin und Beraterin - Radeln statt schwimmen

Teil 16: Clown und Friseurin - Der Bart bleibt dran

Teil 17: Tierheim, sozialpsychiatrischer Dienst und Entsorgungsunternehmen - Schmusen nach Feierabend

Teil 18: Eisverkäufer und Spediteur - "Gegessen wird immer"

Teil 19: Buchautorin - Ohne Publikum

Teil 20: Tierärztin - Immer schön Abstand halten

Teil 21: Bühnenbildner und Billardspieler - Physik statt Billard

Teil 22: Lungenfacharzt und Werbetechnik-Firma: "Die Krankheit zieht sich oft lange hin"

Teil 23: Kinobetreiberin und Radsportlerin: Kino mit Abstand

Teil 24: Kaminkehrer, Schneiderin und das Kaufhaus Rentabel: Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Teil 25: Neufahrner Freizeitbad - Der Zeitplan ist auf den Kopf gestellt

Der Zeitplan ist auch im Freizeitbad "Neufun" wegen Corona auf den Kopf gestellt: Normalerweise wäre in den Osterferien Hochbetrieb gewesen, am Montag hätte dann der Schwimmverein trainiert, und die ganze Woche würden jetzt neben den sonstigen Bad- und Saunabesuchern noch Schulklassen zum Schwimmunterricht kommen. Bis Ende Juli wäre das so gegangen - bis zu der turnusmäßigen vierwöchigen Revision. So läuft das seit vielen Jahren, aber heuer ist alles anders: "Alles, was wir in der Schließphase gemacht hätten, haben wir jetzt vorgezogen", berichtet der geschäftsleitende "Freizeitpark"-Vorstand Franz Rauch.

Das Wasser wurde aus den Becken abgelassen. Alles wurde gründlich gesäubert und auf Beschädigungen überprüft. Kaputte Fliesen wurden ausgetauscht, Fugen ausgebessert, die Lüftung kontrolliert und die Wasseraufbereitung gewartet. In der Sauna wurden kleinere Reparaturen erledigt. Die Instandsetzungsarbeiten werden normalerweise bewusst in die großen Ferien gelegt, weil es da erfahrungsgemäß viele sowieso eher an die Weiher zieht und die Schulen das Bad nicht brauchen. Aber "die Zeiten sind nun mal so, wie sie sind", sagt Rauch. Darauf hat man sich notgedrungen im Freizeitpark und im Team um Betriebsleiter Toni Campos eingestellt. Für die fast 20 Mitarbeiter bedeutet das inzwischen auch Kurzarbeit. Die Stimmung sei momentan "natürlich nicht so toll", weiß Rauch: "Alle würden lieber arbeiten."

Wann sie wieder richtig loslegen können und Besucher ins "Neufun" lassen dürfen, kann derzeit niemand sagen. Es werde wohl noch "eine Weile" dauern, fürchtet Rauch. Womöglich werde es "nach Pfingsten" gehen - "mit Einschränkungen". Irgendetwas müsse man den Menschen in Zeiten vieler Beschränkungen doch bieten, findet der geschäftsführende Vorstand. Urlaub daheim mit Schwimmbad könnte so ein Angebot sein.

Im "Neufun" könnte man sich etwa vorstellen, ein spezielles Zeitfenster für ältere Leute und ein anderes für Familien einzurichten. Vorerst seien es aber nur Gedankenspiele und Ideen, betont Rauch. Man müsse abwarten, welche Vorgaben aus der Politik kommen. "Mit Maskenschutz schwimmen wäre natürlich nicht der Hit."

Die Corona-Zeit bedeutet für Franz Rauch nicht nur im Freizeitpark eine berufliche Herausforderung. Denn für das "Neufun", die Käthe-Winkelmann-Halle, das Stadion und die Kneippanlage ist er nur stundenweise und nebenbei als Vorstand tätig. Eigentlich ist er Geschäftsleiter beim Wasserzweckverband Freising-Süd. Dort wurden Arbeitsgruppen gebildet und Dienstpläne umgestellt, um Kontakte untereinander weitgehend zu reduzieren und die gewohnten Abläufe trotzdem aufrecht zu erhalten. Das Wasser muss schließlich im ganzen Verbandsgebiet weiter laufen, auch wenn die Becken im Neufahrner Schwimmbad erst einmal leer bleiben.

© SZ vom 29.04.2020/lada

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