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Kommunalwahl im Landkreis Freising:Von Post bis Podcast

Die markante grellgrün umrandete Sonnenbrille ist das Erkennungsmerkmal des Neufahrner Bürgermeisterkandidaten Marc Bosch.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Parteien im Kreis Freising präsentieren sich zunehmend auch in den Sozialen Medien. Sie twittern, drehen Videos und setzen Grafiken auf Instagram in Szene.

Vielfältig, interaktiv, digital: So sieht wohl der Wahlkampf der Zukunft aus. Wer die Social-Media-Strategien der Parteien im Landkreis unter die Lupe nimmt, ahnt den Trend. Schon heute werden gedruckte Wahlplakate weniger, der Moosburger Stadtrat beispielsweise hat 2018 deren Zahl und Größe begrenzt. Auch Vertreter älterer Generationen nutzen angesichts der nahenden Kommunalwahlen zunehmend Youtube, Instagram und Co. für sich. Mit Podcasts, Grafiken und Livevideos werben Kandidaten und Ortsverbände um Stimmen, beantworten Fragen, stellen sich und ihre Programme vor. Ein Streifzug durch den virtuellen Wahlkampf.

Großväterlich wirkt Helmut Petz (Freie Wähler), wenn der 63-Jährige, auf einem braunen Ledersofa sitzend, in die Kamera lächelt. Unter "#petzantwortet" beantwortet der Landratskandidat in kurzen Youtube-Videos Fragen der Bürger. Sie lauten etwa "Wird die dritte Startbahn gebaut?" oder "Könnte man in Freising ein Bordell eröffnen?". Der Bundesverwaltungsrichter antwortet humorvoll. Etwa gefragt, ob er mehr Kopf- oder Gefühlsmensch sei: "Es wird behauptet, ich sei Kopfmensch, ich habe aber auch Gefühle ..."

FDP-Landratskandidat Weiskopf hat vor kurzem einen Podcast gestartet

Noch interaktiver gibt sich Philipp Fincke, FDP-Bürgermeisterkandidat in Moosburg. Unter "#fragdenFincke" präsentiert der 26-Jährige sich regelmäßig in Facebook-Livevideos und beantwortet Fragen; die Videos werden online gespeichert. Er dreht sie daheim, wie er in einem Beitrag erklärt, in dem er sich für eine Unterbrechung entschuldigt, weil das Wlan ausgefallen sei. In solchen Momenten wirkt der Wahlkampf menschlich, unperfekt. Fincke holt auch Parteifreunde wie FDP-Landratskandidat Tobias Weiskopf vor die Kamera.

Der 22-jährige Weiskopf selber ist generell sehr aktiv in den Sozialen Medien. Er hat vor einigen Wochen den Podcast "Weiskopf trifft ..." auf Spotify und Soundcloud gestartet. Darin interviewt er Persönlichkeiten aus dem Landkreis, lässt nebenbei seine eigene Haltung zu politischen Themen einfließen. Zudem postet er mehrmals täglich Bilder und Kurzvideos von sich auf der Plattform Instagram. Zuletzt startete er auf Facebook die wöchentliche Frage-Antwort-Rubrik "#fragdenLandkreis".

Neben aufwendigen Einzelformaten setzen andere auf größtmögliche Effizienz. Marc Bosch, parteiloser Bürgermeisterkandidat in Neufahrn, postet täglich nahezu identische Beiträge auf Facebook, Twitter und Instagram. Wiedererkennungsmerkmal des 37-Jährigen: seine markante grellgrün umrandete Sonnenbrille, die ein wenig wirkt, als sei sie dem Computerspiel Minecraft entnommen. Seine Bilder und Videos muten persönlich an, zeigen ihn beim Legospielen oder auf den Dächern Neufahrns sitzend, vor sich hin sinnierend.

Der CSU-OB-Kandidat Mieskes posiert in Fotomontagen mit Partei-Promis

Künstlerisch wird es bei den Moosburger Grünen. Sie setzen via Instagramposts auf bunte Grafiken, auf denen neben großen Buchstaben kommunalpolitische Themen wie "Mobilität", "Grüne Stadt" oder "Stadtentwicklung" visualisiert sind, jeweils gefolgt von einer Übersicht zentraler, in kurzen Aufzählungspunkten an das Format angepasster Forderungen. Die Freisinger OB-Kandidatin Susanne Günther (Grüne) setzt derweil auf bewährte Plattformen wie Facebook und Twitter, insbesondere letztere bespielt die 47-Jährige mehrfach täglich.

Auf den Instagram-Kanälen der Jugendorganisationen wie Grüne Jugend, Junge Liberale oder Junge Union stechen Beiträge mit Gruppenbildern hervor, häufig in gemütlicher Gasthofatmosphäre oder bei Sitzungen aufgenommen. Viele junge Parteimitglieder streben in Stadt- und Gemeinderäte und den Kreistag. Es finden sich auch Bilder, die den Nachwuchs Seite an Seite mit Politgrößen wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) oder Grünen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann zeigen. Mit bekannten Vertretern der eigenen Partei an ihrer Seite präsentieren sich auch bereits etablierte Lokalpolitiker in den Sozialen Medien. Der Freisinger CSU-Ortsverband postet auf Instagram beispielsweise Fotomontagen von seinem OB-Kandidaten Jürgen Mieskes, 38, der darauf neben Parteigrößen wie Altministerpräsident Edmund Stoiber, Generalsekretär Markus Blume oder dem Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor posiert.

Der AfD-Kreisverband Freising-Pfaffenhofen agiert verstärkt über Facebook, teilt dort mehrmals täglich Beiträge aus dem Netz, gelegentlich unterbrochen von Bildern aus dem Straßenwahlkampf. Auffallend: Inhaltlich geht es tendenziell eher um überregionale oder bundesweite, zum Teil auch internationale Themen.

© SZ vom 21.02.2020/FPOL
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