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Jugendparteienstammtisch:Austausch über Parteigrenzen hinweg

Coronavirus - Fernunterricht am Laptop

Für Homeschooling brauchen nicht nur die Schüler, sonder auch die Lehrer Laptops und Tablets.

(Foto: dpa)

Junge Politikinteressierte bleiben miteinander im Gespräch, tauschen Ideen und Erfahrungen aus - diesmal zum ersten Mal im Online-Format statt in der Kneipe.

Von Nadja Tausche, Freising

Zum ersten Mal hat der Jugendparteienstammtisch am Mittwochabend als Online-Format stattgefunden. Das Motto der gemeinsamen Veranstaltung von Jusos, Jungen Linken, Grüner Jugend, Jungen Liberalen und Junger Union: "Der Streit um die beste Idee darf nicht dem Social Distancing zum Opfer fallen", so haben es die Jungparteien in ihrer Einladung formuliert. Normalerweise setzen sie sich regelmäßig etwa im Alten Gefängnis oder im Lokal "Et Cetera" zusammen - im Laufe des Abends hätten sich dabei immer Grüppchen gebildet und über verschiedenste Themen diskutiert, erzählte Michael Weindl, Kreisvorsitzender der Jusos, zur Begrüßung. Dieses Prinzip haben die jungen Politikinteressierten für den digitalen Stammtisch übernommen.

In einem Zoom-Meeting teilten sich die 22 Teilnehmer in Gruppen auf und diskutierten über verschiedene Bereiche. Zum Thema Bildung sagte Theresa Rudolph, Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen: "Corona zeigt, dass wir sehr zurückhängen." Dabei gehe es vom Thema digitales Lernen bis hin zu der Frage, welche Fächer überhaupt noch sinnvoll seien und welche man einführen sollte. Auch sei die Frage, wie man die Nachteile für schlechter gestellte Schüler nach der Pandemie wieder ausgleichen könne. Niklas (die Teilnehmer werden nach ihren Zoom-Namen benannt, deshalb zum Teil ohne Nachnamen) ist selbst noch Schüler und erzählte vom Lernalltag unter Corona-Bedingungen: "Den Schülern wird wahnsinnig viel Eigenverantwortung abverlangt", sagte er, gerade für jüngere Kinder sei das teilweise schwierig. David findet vor allem Fortbildungen für Lehrer wichtig: "Die haben 20 Jahre lang keine Technik benutzt und sollen jetzt auf einmal damit umgehen können." Ebenfalls aus der Praxis erzählten Rike und Tobi, jedoch aus der anderen Perspektive: Als Eltern einer achtjährigen Tochter befänden sie sich im Moment "mitten im Homeschooling-Wahnsinn", die Klasse lerne derzeit, in Schreibschrift zu schreiben. Die Lehrerin stelle Videos bereit, wie man etwa den Stift richtig halte, und auch sonst werde man gut unterstützt - "trotzdem habe ich große Probleme, das dem Kind zu zeigen", erzählte Rike.

Die Idee des Abends war weniger, konkrete Probleme zu lösen, vielmehr Meinungen und Erfahrungen auszutauschen. Zwischendurch ging es auch mal um die gemeinsame Volleyball-Mannschaft, so mancher Teilnehmer stieß spontan dazu. Die Parteizugehörigkeit spielte eher eine untergeordnete Rolle - manche der jungen Politikinteressierten sind überhaupt kein Mitglied einer Partei.

Reden über Parteigrenzen hinweg

Das sei es, warum sie am Jugendparteienstammtisch teilnehme, sagte Theresa Rudolph: weil man über Parteigrenzen hinweg miteinander rede. Sie sei zwar SPD-Mitglied, sagte Lena Zehetbauer vom Moosburger Ortsverband, habe aber durchaus Überschneidungen mit anderen Parteien. Tobi erzählte, in der größeren Familie zu diskutieren sei oft schwierig: "Da wird es dann emotional. Hier kann man besser auf einer sachlichen Ebene diskutieren."

Neben den Themen Landwirtschaft, Drogenpolitik sowie Rassismus und Polizeigewalt beschäftigte sich eine Gruppe auch mit der Freisinger Stadtpolitik. Die Frage sei, wie man junge Menschen für kommunalpolitische Themen begeistern könne, hieß es - beziehungsweise wie man sie überhaupt erreiche. Gerade die Studierenden lebten zum Teil in einer eigenen Welt, so der Eindruck der Runde: "Die meisten wissen nicht mal, wie der Oberbürgermeister heißt", sagte ÖDP-Stadträtin Emilia Kirner. Das Problem sei der Zugang, so Christofs Meinung: "Wer wissen will, was im Stadtrat los ist, muss eigentlich das Amtsblatt lesen." Mit diesem, aber auch mit der Webseite der Stadt und der Berichterstattung in den Medien erreiche man nicht genügend junge Menschen. Viele verstünden nicht, dass auch in der Kommunalpolitik wichtige Dinge entschieden würden, sagte Christopher. Emilia Kirner merkte an, oft werde einfach die Verknüpfung nicht gezogen: Die Leute beschwerten sich, dass es in Freising keine Feierszene gebe - "aber dass wir im Stadtrat entscheiden, an wen wir geeignete Räume vermieten, das ist vielen nicht bewusst."

© SZ/nta
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