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Inhabergeführte Geschäfte:"Ohne meinen Laden könnte ich nicht sein"

Sie haben so manchen Wandel erlebt: Seit 54 Jahren betreiben Elfriede und Raynald Klaus ihr Schreibwarengeschäft an der Unteren Hauptstraße in Freising.

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit 54 Jahren betreibt Raynald Klaus mit seiner Frau Elfriede ein kleines Schreibwarengeschäft an der Unteren Hauptstraße in Freising. Neben Schulbedarf haben sie sich auf hochwertige Schreibgeräte und Papier spezialisiert - die Kunden fahren bis zu 50 Kilometer weit

"1965 haben wir angefangen". Wir, das sind Raynald Klaus und seine Frau Elfriede. Und angefangen haben sie damals an der Unteren Hauptstraße 54 mit ihrem Geschäft "Schreibwaren Klaus". Im Vorbeifahren habe er gesehen, dass da ein Laden leer steht, sagt Klaus, und da habe er sich entschlossen seinen Beruf als Schaufensterdekorateur an den Nagel zu hängen und die Familientradition fortzusetzen.

Schon sein Großvater August habe nämlich um 1900 in Neustift eine Buchbinderei und Buchdruckerei samt Schreibwarengeschäft betrieben. Ein kleines Foto von damals hängt heute noch im Laden. Später habe sein Vater in Erding eine Buchbinderei samt Schreibwarengeschäft gehabt, nach dessen Tod sei dort der Bruder eingestiegen. Die Liebe zum Papier wurde Raynald Klaus also in die Wiege gelegt.

Seit 54 Jahren steht das Ehepaar Klaus nun schon Tag für Tag in dem nur knapp 40 Quadratmeter großen Laden, der so manchen Wandel überstanden hat. 78 Jahre ist Raynald Klaus mittlerweile alt, aber an Ruhestand denkt er noch nicht. "Ohne meinen Laden könnte ich nicht sein", sagt er, "da würde ich nur krank werden." Seine Frau sieht das genauso, "wann wir aufhören, das bestimmt der da oben". Das Einzige, was er sich als Konzession an sein Alter selbst eingeräumt hat, sind die Öffnungszeiten. Morgens sperrt er jetzt nicht mehr um 7.30 Uhr, sondern erst um 9.30 Uhr auf.

Wichtig ist dem Ehepar ihre "Visitenkarte", das Schaufenster - schließlich hat Klaus gelernt, wie man es professionell gestaltet.

(Foto: Marco Einfeldt)

Über die Jahre haben sich Sortiment und Kundschaft verändert

Das Firmenmotto lautete von Anfang an "Büro, Schule, Schreiben". Früher, als technisches Zeichnen noch in den Lehrplänen stand, habe er ganz viele Studenten als Kunden gehabt, erzählt Klaus, "da war ich der Spezialist". Schüler seien natürlich auch immer viele gekommen, das habe schon die Lage seines Ladens zwischen der St.-Georgs- und der St.-Korbinian-Schule mit sich gebracht. Aber der Schulbedarf werde überschätzt, sagt Klaus, "das ist ein Pfenniggeschäft". Gleichwohl stellt seine Frau gerade die Bestellung einer Mutter für den Schulanfang zusammen. "Das sei eine Ausnahme", sagt er. Den meisten falle erst einen Tag vor Schulbeginn ein, dass sie da so einen Zettel von der Lehrerin bekommen haben.

Taschenrechner habe er früher auch viele verkauft, erinnert sich Klaus. Damals, als Rechenschieber aus der Mode gekommen seien. Heute gebe es keine Nachfrage mehr nach Taschenrechnern, die seien jetzt ja in jedem PC. 35 Jahre lang habe er auch Zeitungen und Zeitschriften geführt, aber das habe dann nicht mehr so recht zum Image seines Ladens gepasst, denn inzwischen habe er sich auf hochwertige Schreibartikel spezialisiert. Gleichwohl gibt es bei Schreibwaren Klaus natürlich alles, was für Büro und Schule so benötigt wird. Kleber, Blöcke, Karteikarten, Schreibstifte, Zirkel und vieles mehr. Eigentlich gibt es nichts, was es nicht gibt in einem gut sortierten Schreibwarengeschäft.

Klaus Spezialität sind hochwertige Schreibgeräte und Notizbücher

Trotzdem, seine Liebe gehört den hochwertigen Dingen. "Ich verkaufe keinen Schrott", sagt Klaus. Und deshalb hat er nicht nur teure Schreibgeräte im Programm, sondern auch hochwertiges Briefpapier, Original Crown Mill aus Belgien mit Wasserzeichen. Oder Notizbücher mit Ledereinband, Atoma-Bücher, bei denen man Seiten herausreißen und später wieder problemlos einfügen kann. Auch Tinten in 14 Farben gehören zum Angebot. Oder Accessoires aus Naturleder einer italienischen Manufaktur, die helfen einen Schreibtisch zu ordnen. Ausgefallene Glückwunschkarten führt Klaus ebenfalls, Kunstkarten nennt er sie, die von vielen Kunden geschätzt würden.

Etwa alle zwei Monate dekoriert Klaus sein Schaufenster um, "die Visitenkarte eines Geschäfts". Oftmals habe er schon Kunst-Schaufenster mit Bildern Freisinger Künstler gestaltet und auch Preise dafür bekommen. Schaufensterdekorateur ist ja auch sein eigentlich erlernter Beruf. Mit besonderem Stolz präsentiert Raynald Klaus seine Schreibgeräte, vom Lamy-Füller für 50 Euro, bis zum Füllfederhalter von Caran D'Ache, platiniert, mit Ebenholz-Griff und einer Goldfeder. "Alles handgearbeitet", sagt er, 700 Euro müsse man dafür ausgeben, allein die Feder koste 250 Euro. Aber auch der klassische Pelikan, "der einzige Kolbenfüller, den es noch gibt", koste über 500 Euro.

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Das edelste Stück: Ein Pelikan Toledo mit Goldfeder

Wegen dieser hochwertigen Schreibgeräte kämen Kunden aus einem Umkreis von 50 Kilometern zu ihm nach Freising, sagt er. Die wünschten sich vor allem gute Beratung. "Ich sehe gleich, wie so ein Füllfederhalter in der Hand eines Kunden liegt und kann ihm zu- oder abraten", das mache die Erfahrung. Oftmals würden solche Geräte verschenkt, aber auch für den persönlichen Bedarf seien sie durchaus gefragt. "Es werden eben noch immer Briefe geschrieben", sagt Elfriede Klaus, und ein Brief auf hochwertigem Papier mit so einem Stift geschrieben, der mache eben mehr her als ein Gekritzel mit Kugelschreiber.

Und dann greift Raynald Klaus noch nach unten in eine Schublade und zieht ein kleines Kästchen heraus, kaum größer als ein Smartphone. "Ganz was Hochwertiges", sagt er, und während er die Schachtel öffnet, leuchten seine Augen. Ein Pelikan Toledo mit 18-karätiger Goldfeder, aus massivem 925er-Sterlingsilber, handziseliert. Ein Kunstwerk im spanischen Stil, der Kunst des Damaszierens. Dabei wird eine verzierte Goldfolie in die Oberfläche eingeprägt. "Jedes Toledo-Schreibgerät ist ein Unikat", sagt Klaus. Pelikan stelle sie in dieser Form seit 1931 her und produziere nur 200 Stück im Monat. 1535 Euro muss man dafür ausgeben. Kein Wunder, meint Klaus, "das ist Juwelierskunst".

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