Für Touristen in Freising:Bushalt soll doch an die Johannisstraße

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Für Touristen in Freising: "Ein Ort des Willkommens" soll dereinst dieser Park an der Johannisstraße sein. Jetzt dient er als Abstellplatz für Container, in Zukunft sollen dort Touristenbusse parken.

"Ein Ort des Willkommens" soll dereinst dieser Park an der Johannisstraße sein. Jetzt dient er als Abstellplatz für Container, in Zukunft sollen dort Touristenbusse parken.

(Foto: Marco Einfeldt)

Nach Bürgerprotesten sind auch andere mögliche Standorte untersucht worden, das Planungsbüro hält diese jedoch für weniger geeignet. Der Parkcharakter soll nun weitgehend erhalten bleiben.

Von Kerstin Vogel, Freising

Die Stadt Freising hält an dem Vorhaben fest, an der Johannisstraße im Westen der Altstadt eine Haltestelle für Touristenbusse und damit einen "Ort des Willkommens" zu schaffen. Die Entscheidung, die Entwurfsplanung fortsetzen zu lassen, ist am Mittwoch im Planungsausschuss mit 8:6 Stimmen allerdings relativ knapp ausgefallen. Die Idee für die Bushaltestelle, die auch von den Stadtbussen genutzt werden könnte, resultiert bekanntlich aus der Innenstadtkonzeption. Schon im ersten Anlauf hatte sich jedoch erwiesen, dass sie gar nicht so einfach umzusetzen ist.

Kaum hatten die Landschaftsarchitekten des Freisinger Büros "Toponauten" im Dezember 2017 ihren ersten Entwurf für die Grünfläche präsentiert, die etwa gegenüber der Einfahrt zum Gesundheitsamt liegt, rührte sich Widerstand. In einer von 650 Bürgern unterschriebenen Petition forderten Anlieger im August 2018 von der Stadt, den "Johannispark" nicht nur zu erhalten, sondern sogar wieder besser zu pflegen und in seinen früheren, tatsächlich parkähnlichen Zustand mit einem Brunnen zu versetzen. Die Planung für die Bushaltestelle dagegen solle eingestellt werden.

Die Haltestelle soll etwas kleiner werden, vorgesehen ist auch ein Brunnen

Bei einer Informationsveranstaltung im Februar 2019, die nach den Worten von Stadtbaudirektorin Barbara Schelle einigermaßen "temperamentvoll" verlief, wurden diese Forderungen nicht nur erneuert, es wurden auch zahlreiche Alternativstandorte vorgeschlagen, darunter die Wippenhauser Straße und das Angerbaderareal. Mit deren Untersuchung wurden dann erneut die "Toponauten" beauftragt, die in der aktuellen Sitzung des Planungsausschusses nun ihr Ergebnis vorlegten - und wieder den Standort an der Johannisstraße als am besten geeignet empfahlen, wenn auch in einer etwas verkleinerten Planungsvariante, mit geringerer Versiegelung, die nun auch einen Brunnen und den weitgehenden Erhalt des Parkcharakters beinhaltet.

Die Grünen allerdings mochten dieser Empfehlung nicht folgen. Werner Habermeyer erkundigte sich, ob nicht auch das Ordinariat am Domberg eine neue Bushaltestelle plane, "nicht dass wir dann plötzlich zwei haben". Er kritisierte zudem, dass der Innenstadtbeirat und die Agenda 21 nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden seien. Sein Parteikollege Manfred Drobny wies unter anderem auf die Bedeutung der Grünfläche als schützenswerter Freibereich hin und erklärte, dass das Areal in der zentralen Grünachse der Innenstadt liege und somit für den passiven Klimaschutz von Bedeutung sei.

Grüne und Linke haben Einwände, OB Eschenbacher äußert dahingehend Unverständnis

Auch Nicolas-Pano Graßy (Linke) sagte, dass er von dem Standort an der Johannisstraße auch nach den neuerlichen Untersuchungen nicht überzeugt sei und äußerte generell Zweifel an der Notwendigkeit der Bushaltestelle. Selbst wenn sich die aktuelle Zahl der Touristenbusse verdoppeln würde, sei das gerade einmal einer am Tag, sagte er.

Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher erwiderte, dass er "die Massivität" der Einwände nicht verstehe, schließlich sei der geplante Eingriff in die Grünfläche mit den zwei "Bustaschen" gar nicht so besonders groß. Von einer eigenen Bushaltestelle des Ordinariats wisse er nichts - und im Übrigen sei die Untersuchung des Standorts der Stadtverwaltung ja eigentlich bereits in der einstimmig verabschiedeten Innenstadtkonzeption aufgegeben worden, sagte Eschenbacher leicht verschnupft. Wenn die Landesausstellung 2024 nach Freising komme, steige der Bedarf nach einem innenstadtnahen Halt für Touristenbusse mit Sicherheit auf drei bis vier am Tag, hielt er Graßys Argumentation entgegen - "und wir hoffen da schon auf nachhaltige Effekte".

Für den Standort an der Johannisstraße sprach sich unter anderem Anton Frankl (FSM) aus. "Ich möchte als Tourist auch nicht auf irgendeinem Hinterhof abgeladen werden." Dieser Auffassung schloss sich eine knappe Mehrheit im Ausschuss an - und votierte damit auch gegen die Agenda-Projektgruppe Bauen, Wohnen und Verkehr, die sich kurz vor der Sitzung in einer Stellungnahme ebenfalls für den Erhalt des Johannisparks ohne Bushaltestelle ausgesprochen hatte. Unter anderem warf die Gruppe die Frage auf, ob die Realisierung dieses Projekts "angesichts der massiven finanziellen Defizite im Haushalt der Stadt derzeit ein wirklich notwendiges und vermittelbares Projekt ist".

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