Flughafen München:Flieger geparkt und niemand fühlt sich zuständig

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Flughafen München: Während und noch kurz nach dem G-7-Gipfel wurden vier, noch mit Eurowings gekennzeichnete A330 am Ostende des Flughafens München bei der Nordlandebahn geparkt.

Während und noch kurz nach dem G-7-Gipfel wurden vier, noch mit Eurowings gekennzeichnete A330 am Ostende des Flughafens München bei der Nordlandebahn geparkt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auf dem Münchner Flughafengelände stehen schon seit längerer Zeit vier Flugzeuge mit der Aufschrift Eurowings einfach nur herum. Die Triebwerke sind verhüllt oder fehlen ganz. Was es damit auf sich hat? Eine Spurensuche.

Von Gerhard Wilhelm

Wer in den Tagen des G-7-Gipfels auf Schloss Elmau und auch noch danach von Osten mit dem Auto oder Bus zum Flughafen München oder daran vorbei gefahren ist, wird sich vielleicht bei der Fahrt entlang der nördlichen Start- und Landebahn gedacht haben: "Ganz schön viel los wieder am Flughafen, dass die Maschinen schon wieder im Stau vor der Startfreigabe warten müssen". So mancher mag sich gedacht haben, dass bei Eurowings das Urlaubsgeschäft wohl auch wieder anläuft, da auf allen vier Flugzeugen das Firmenlogo zu sehen ist. Doch ein paar Stunden später stehen die Maschinen, Typ Airbus A330, immer noch da. Beim näheren Hinsehen fällt Folgendes auf: Es fehlen Triebwerke oder sie sind verhüllt. Also die fliegen bestimmt nicht. Aber warum stehen sie dann bei den Enteisungsanlagen?

Ein Anruf bei der Pressestelle der Flughafen München GmbH (FMG) bringt zumindest ein bisschen Klarheit: "Die standen schon ewig im Westen vor einem Hangar des Flughafens", sagt Pressesprecher Florian Steuer. Die habe Eurowings dort abgestellt und wegen der Staatsempfänge beim G7-Gipfel mussten sie umgeparkt werden. Und in der Entlastungsschleife der Nordbahn bei der Enteisung sei eben Platz gewesen. Von dort kämen sie aber wieder weg. Wie lange sie noch in München seien und was Eurowings mit den Maschinen vor habe, da müsse man die Fluggesellschaft fragen.

"Da sind Sie bei uns nicht richtig"

Der nächste Anruf geht deshalb an die Pressestelle von Eurowings, eine deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in Düsseldorf und Tochtergesellschaft der Lufthansa. Dort erfährt man: "Das sind Langstreckenflugzeuge von Eurowings Discover. Das ist ein anderer Flugbetrieb, ein separate Airline, da sind Sie bei uns nicht richtig", sagt Pressesprecherin Jannah Baldus. Man könne aber die E-Mail-Adresse der Pressestelle von Eurowings Discover mitteilen. Im Internet findet man letztlich auf der "normalen" Eurowings-Presseseite einen Namen: Leonie Bueb, Leiterin Unternehmenskommunikation & Pressesprecherin Eurowings Discover. Von dort kommt am Nachmittag der Rückruf. Kurz und knapp: Nein, die Maschinen gehören inzwischen der Lufthansa. Sie seien nur noch nicht umlackiert. Wobei man wissen muss, dass die Eurowings Discover GmbH ein Teil der Lufthansa Group, eine 100-prozentige Tochter, ist. Mit ihr sollen touristische Flüge auf der Kurz-, Mittel- und Langstrecke von den Drehkreuzen Frankfurt am Main und München angeboten werden. Auch mit Flugzeugen des Typs A330.

Nächste Station: Pressestelle Lufthansa in Frankfurt/Main. Dort erklärt man kurz und bündig, man möge sich doch bitte an die zuständige Mitarbeiterin Bettina Rittberger wenden, die Leiterin Media Relations Süddeutschland sei und ihren Arbeitsplatz am Flughafen München habe. Doch die ist telefonisch nicht erreichbar, so dass um 14.45 Uhr eine E-Mail an sie raus geht, was es denn mit den vier Maschinen auf sich hat. 16.32 Uhr kommt die Antwort: "Ich recherchiere das gerne und melde mich wieder bei Ihnen." Doch auch auf eine weitere E-Mail und Anruf am Freitagvormittag gegen 11.30 Uhr kommt keine Reaktion bis zum späten Nachmittag.

Keine Antwort von offizieller Seite

Während von offizieller Seite keine Antworten kommen, hatte Alexander Fink, Content Editor des Online-Reiseportals Reisetopia, schon im April 2021 geschrieben, was es mit den Maschinen auf dem Münchner Flughafen auf sich hat. Das wurde auch Bettina Rittberger mitgeteilt. Eurowings habe ihre Langstrecken mit insgesamt zehn Flugzeugen des Typs Airbus A330-200 und -300 bedient. In der Flottenplanung von Eurowings Discover würden aber nur noch zwei dieser Flugzeuge eine Rolle spielen, schreibt der Content-Manager. Bei den Maschinen in München handle es sich um die Flugzeuge mit den Registrierungen D-AXGA, D-AXGC, D-AXFD und D-AXGG. Und tatsächlich ist D-AXGA deutlich auf einer der Maschinen zu sehen. Sie hat den Namen "Cuba" und ist wohl früher dorthin im Einsatz gewesen.

Laut Reisetopia sollten diese Flugzeuge an die Lufthansa Cityline übergeben werden. Bei einer der Maschinen sieht es so aus, als würde ein Triebwerk inzwischen fehlen. Wie die Zukunft der A330 aussieht, ob sie noch Verwendung im Konzern finden oder aufgrund des Alters bald in den Ruhestand gehen dürfen - offenbar weiß man das bei Lufthansa nicht so recht.

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