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Coronavirus im Landkreis Freising:Zwei Corona-Todesfälle im Landkreis

Medizinische Assistenten haben am Donnerstagnachmittag an der neuen mobilen Teststelle auf dem Gelände des Landkreis-Bauhofs in Zolling Abstriche von Menschen genommen, die in Verdacht stehen, an Corona erkrankt zu sein.

(Foto: Marco Einfeldt)

Eine 80-jährige Frau und ein 87-jähriger Mann sterben im Freisinger Klinikum. 145 Menschen haben sich mittlerweile infiziert. Auf dem Bauhof in Zolling richtet das Gesundheitsamt eine Teststelle ein.

Zwei Patienten des Freisinger Krankenhauses sind an diesem Donnerstag an den Folgen ihrer Corona-Erkrankung gestorben. Das teilte Markus Neumaier, Ärztlicher Direktor des Klinikums, während eines Pressegesprächs aus Anlass der Eröffnung einer mobilen Teststelle auf dem Gelände des Landkreis-Bauhofs in Zolling mit. Es handelt sich dabei um eine 80-jährige Frau und einen 87-jährigen Mann. Christine Setzenpfandt, Leiterin des Freisinger Gesundheitsamts, teilte mit, dass bei der Behörde Stand Donnerstagnachmittag 145 bestätigte Labornachweise auf Corona-Erkrankungen eingegangen seien.

Die Teststelle hat das Gesundheitsamt bereits am Donnerstag in Betrieb genommen. Die Zufahrt befindet sich auf der Freisinger Straße zwischen dem Bauhof des Landkreises und dem Amperkanal. Um dort hinzugelangen, bedarf es einer Einladung mit Termin durch das Gesundheitsamt. Um diese zu bekommen, muss jemand mit einem mutmaßlich Infizierten Kontakt gehabt haben. Wer eine Einladung hat, ordnet sich rechts von einer Reihe mit Pylonen ein und landet dann beim Sicherheitsdienst. Der überprüft, ausgestattet mit Schutzanzug und Schutzmaske, ob eine Berechtigung vorliegt, das Bauhofgelände zu befahren. Sollte das nicht der Fall sein, muss der ungebetene Gast die Zufahrtsstraße verlassen, wenn es sein muss unter Anweisung der Polizei. Zweck der Teststelle ist es, das Gesundheitsamt zu entlasten.

Zum Testen muss ein Probant sein Auto nicht verlassen

Auf dem Gelände selbst stehen zwei Zelte. "Im ersten werden die Personalien aufgenommen", erläuterte Ulrike Krivec, Pressesprecherin der Aicher Ambulanz Union, welche die Teststelle betreut. Der Probant fährt dann weiter und erreicht das zweite Zelt in dem ein medizinischer Assistent einen Abstrich aus der Mundhöhle abnimmt. Der Probant muss dabei das Auto nicht verlassen. Die medizinischen Assistenten tragen natürlich ebenfalls Schutzanzüge und Masken. Nach jedem genommenen Abstrich wechseln sie ihre Schutzhandschuhe. Das ganze Prozedere dauert etwa fünf Minuten. Die ersten vom Gesundheitsamt bestellten Menschen reihten sich bereits am Donnerstagnachmittag an der Teststelle ein. Und mussten erst mal warten, weil offenbar keine Abstrichstäbchen vorhanden waren.

Landrat Josef Hauner (CSU) sagte, dass am Zollinger Bauhof täglich bis zu 70 Personen getestet werden könnten. Auch samstags und sonntags, wie Ulrike Krivec bekannt gab. Eine beunruhigende Vorstellung, was die Infizierungsrate betrifft: Pro Monat könnten dort über 1000 möglicherweise mit Corona infizierte Personen untersucht werden. Behandelt wird an der Teststelle nicht. Dazu muss der Betroffene sich an seinen Hausarzt wenden.

Es ist kaum mehr möglich, nachzuvollziehen, wer sich bei wem angesteckt hat

"Die Lage ist ernst, auch im Landkreis", betonte Hauner. Die Erläuterungen von Christine Setzenpfandt unterstrichen dies. "Die Fallzahlen gehen in die Höhe", sagte die Leiterin des Gesundheitsamts. Es sei auch kaum mehr möglich nachzuvollziehen, wer sich bei wem angesteckt hat. Die Fälle der aus dem Skiurlaub zurückgekehrten Personen vermischten sich mit denen, die auf den ersten gemeldeten Corona-Fall im Landkreis zurückgingen.

Im Krankenhaus steht das vierte Stockwerk den möglicherweise an Corona Erkrankten zur Verfügung. 32 Patienten mit Symptomen, die auf einen Infekt der Atemwege schließen lassen, befänden sich im Klinikum, sagte Neumaier. Darunter gibt es 14 bestätigte Fälle. Acht Menschen liegen auf der Intensivstation, davon werden sechs beatmet. Wenn jemand schwer erkrankt sei, dann schreite die Krankheit sehr schnell voran, sagte Neumaier. Ob die beiden Verstorbenen Vorerkrankungen hatten, wisse er nicht. Das Klinikum ist dabei, seine Intensivplätze aufzustocken.

Georg Miedl vom Ärztlichen Kreisverband sagte, es sei jetzt Schutzmaterial an alle verteilt worden, die nah am Patienten seien, Abstriche machten, ebenso an Radiologen. "Wir müssen die Praxen am Laufen halten", betonte er. Der "Worst Case" wäre, wenn eine schließen müsste.

© SZ vom 20.03.2020/lada
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