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Erfolgreiches Sextett:Bayern-Cup für Holledauer Distanzreiter

Distanzreiter

13 Teams haben sich um den "Team Cup Bayern" beworben, das Rennen hat schließlich das sechsköpfige "Team Holledau" gemacht. Dabei hat sich die Gruppe erst Anfang des Jahres gegründet. Vier Mitglieder der Gruppe zeigen hier, wie viel Spaß das Reiten auf lauffreudigen Pferden machen kann.

(Foto: Andreas Gebert)

Das erst Anfang des Jahres gegründete, sechsköpfige "Team Holledau" ist bei diversen Wettkämpfen so erfolgreich, dass es zum Sieg im Gesamtklassement reicht. In der Einzelwertung kommen Platz zwei und drei dazu.

Sie haben sich erst Anfang des Jahres in einer Stammtischlaune gegründet und sind dann bei verschiedenen Distanzritten in ganz Bayern gestartet. Jetzt wurden die Ergebnisse ausgewertet und es war klar: Die Sechs vom "Team Holledau" waren so erfolgreich, dass sie den diesjährigen "Team Cup Bayern" gewonnen haben, um den sich 13 Teams beworben hatten. In der Einzelwertung der Bayerischen Langstreckenreiter wurde dann auch noch Jutta Ostermeier, die Initiatorin des Teams, Zweite und Iris Wilckens, ebenfalls eine Holledauer Distanzreiterin, Dritte.

"Wenn man da oben sitzt und die Welt zwischen zwei gespitzten Ohren sieht, dann ist das Glück perfekt," schwärmt Ariane Schemkes, die auch zum Team gehört. Mit ihrer Anglo-Araberstute ist die junge Frau regelmäßig bis zu 120 Kilometer weit in der Natur, durch Felder und Wälder unterwegs. Manchmal joggt sie neben ihrer Stute, lange Strecken legen die beiden im Dauertrab oder Galopp zurück. Beinahe jedes lauffreudige Pferd könne Distanzritte gehen, es sei ein reiner Ausdauersport für Pferd und Reiter, schildern die Teammitglieder ihre Erfahrungen. "Unsere Pferde geben alles und haben genau wie wir große Freude an den langen Strecken in flachem, aber auch in hügeligem Gelände", berichtet Ostermeier, die Ausbilderin für Distanzreiter ist und mit zehn Pferden auf einer kleinen Farm in Sillersthausen lebt.

Eine tiefe Verbundenheit zwischen Pferd und Reiter als Voraussetzung

Voraussetzung für diese besondere Leistung eines Pferdes sei jedoch Freundschaft, eine tiefe Verbundenheit zwischen Pferd und Reiter, ist Ostermeier überzeugt. "Distanzreiten sei definitiv der schönste Sport der Welt". Man wachse mit seinem Pferd zusammen, wobei nicht der Wettkampf das Entscheidende sei, sondern das Training, stundenlang gemeinsam bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit in der Natur unterwegs zu sein und natürlich gesund am Ziel anzukommen. "Wenn ich reite, höre ich permanent in mein Pferd hinein, wenn es nicht mehr kann oder ich selbst nur noch wie ein Mehlsack im Sattel sitze, dann höre ich auf", schildert Ostermeier.

Die Pferde der sechs erfolgreichen Distanzreiterinnen sind nicht etwa nur rassige Vollblüter, sondern eine bunte Mischung aus Arabern, einem Andalusier, Bayerischem Warmblut und sogar ein Reitpony ist mit dabei. Für das Laufvermögen eines Pferdes sei gutes Training, viel bergauf und bergab gehen, wichtig, schildert auch Ariane Schemkes. Sie habe ihre Stute zudem an Traktoren und Mähdrescher gewöhnt, an landende Segelflugzeuge oder Herden junger, rennender Rinder, damit das Pferd während des Wettkampfes nicht aus der Ruhe gebracht werde, sondern jede Situation gelassen meistere.

Zwischendurch werden Puls und Gang der Pferde kontrolliert

Langstrecken reiten könne man unabhängig von Geldbeutel oder Alter. Das Team der Holledauer ist beispielsweise zwischen 30 und 77 Jahren alt. Aber man sei beim Training meist alleine im Gelände unterwegs, Distanzreiter seien einsame Reiter, die im eigenen Tempo die Landschaft durchstreifen, so Ostermeier. Natürlich reite man die Wettkampfstrecken, die, wie der Kabardiner-Distanzritt im Bayerischen Wald, bis zu 160 Kilometer lang sein können und bei dem insgesamt 7500 Höhenmeter bergauf und bergab zu bewältigen sind, nicht non-stop. Für diesen Ritt sei sie von morgens bis abends unterwegs gewesen. Alle 20 Kilometer gebe es ein sogenanntes "Gate", dort haben Pferd und Reiter 40 Minuten Pause und ein Tierarzt kontrolliere den Puls, den Gang sowie den Allgemeinzustand des Tieres sehr genau. Nur wenn das Pferd absolut fit sei, dürfe es weiter laufen, schildern die Reiter. Die Strecken der Distanzritte seien gut markiert, jeder Teilnehmer erhalte eine Landkarte, aber manchmal verreite man sich doch, schmunzelt Martin Schreml. Der Münchner aus Unterföhring hat wenig Trainingsmöglichkeiten vor der Haustür und kommt deshalb oft mit dem Pferd im Hänger in die Hallertau, um hier alleine oder mit Teamkollegen, die inzwischen alle auch Freunde sind, zu trainieren.

Der Vorteil eines Teams sei besonders für Einsteiger, dass sie erfahrene Reiter zur Unterstützung haben, die ihnen den Weg in den Distanzsport ebnen, sagt Ostermeier. Der soziale Aspekt sei bei dieser Sportart besonders ausgeprägt, man motiviere sich und kümmere sich umeinander, gehe fürsorglich miteinander um, obwohl man ja eigentlich Konkurrenten sei, schildert Ariane Schemkes. Außerdem benötige der Distanzreiter noch seinen "Tross", das sind Unterstützer, die zu den Wettkämpfen mitreisen und Pferd und Reiter mit Wasser, Getränken und, wenn nötig, bei Wind und Regen mit Decken versorgen. Wer Distanzritte gehe, dessen Partner brauche natürlich viel Verständnis für diese Leidenschaft, denn für das Training und die Fahrten zu den Ritten überall in Bayern benötige man viel Zeit, sind sich die Reiter einig. Am besten funktioniere dies, wenn man mit einem Distanzreiter zusammen sei oder der Partner als "Trosser" fungiere.

Im kommenden Juli sind die Distanzreiter wieder in der Hallertau beim dritten Hopfenmeiler zu erleben, wie sie durch die Wälder und Felder galoppieren. Die Landwirte hier seien unglaublich nett und kooperativ, schwärmt Jutta Ostermeier, die den Ritt organisiert und natürlich mit jedem Grundstückseigentümer vorher die Strecke durch sein Land abspricht.

© SZ vom 28.10.2019/nta

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