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Neustart in Wolnzach:Dellnhauser Volksmusikfest verlässt Au

Volksmusik an allen Ecken: Auch kleine Musikanten konnten sich beim Festival in Au ausprobieren.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weil in der Marktgemeinde die attraktivsten Plätze für das Festival nicht mehr zur Verfügung stehen, verliert der Landkreis eines seiner kulturellen Highlights.

Von Petra Schnirch, Au

Der Landkreis Freising verliert eines seiner kulturellen Highlights. Das zehnte Dellnhauser Volksmusikfest wird 2021 nicht in Au, sondern in Wolnzach stattfinden. Organisator Michael Eberwein begründet dies mit der Schließung des Schlossbräukellers und dem geplanten Umbau in der Schlossbrauerei. Das Fest verliere damit seine attraktivsten Plätze. "Ohne die geht es nicht." Die Entscheidung sei in der vergangenen Woche mit der Zustimmung im Wolnzacher Marktrat gefallen. Entsprechende Überlegungen gebe es aber bereits seit Ende Oktober, als die Traditionswirtschaft geschlossen wurde. "Wir haben sofort die Fühler ausgestreckt." In Au macht sich unterdessen Enttäuschung breit. "Das ist ein herber Verlust", sagt Bürgermeister Karl Ecker (FW). Er hofft, dass das Fest nach Au zurückkehren wird, wenn die Ortssanierung und der Brauerei-Umbau abgeschlossen sind. Doch auch die Wolnzacher wünschen sich laut Eberwein, dass die Veranstaltung keine einmalige Angelegenheit bleibt. "Sie freuen sich schon drauf."

Das Volksmusikfest hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Am ersten Juli-Wochenende 2019 kamen zwischen 15 000 und 20 000 Besucher nach Au. Etwa 70 Gruppen musizierten auf einer der fünf Freiluft-Bühnen oder auf den Straßen. Begonnen hatte alles 2004 im Weiler Grubanger. 2005 fand das Fest schon einmal in Wolnzach statt, allerdings in kleinem Maßstab mit acht Gruppen in der Hopfensiegelhalle. Bei seiner dritten Auflage 2007 in Au setzten die Organisatoren erstmals auf ein neues Konzept mit mehreren Bühnen im Freien, aber auch zwei Konzerten oder Kabarett-Auftritten bekannter Künstler in der Halle, für die Eintritt verlangt wird.

Das Grundkonzept soll bleiben

Nun wird es also wieder Wolnzach. Das Fest sollte auf jeden Fall in der Holledau bleiben, schildert Eberwein. Die Marktgemeinde, die fast 12 000 Einwohner zählt, passe von der Größe her, zudem seien die Wolnzacher sehr aufgeschlossen. Er sehe den Umzug mit einem "lachenden und einem weinenden Auge". In Au "war alles eingespielt". Am neuen Standort sei die Organisation erst einmal mit sehr viel mehr Aufwand verbunden. Ein Ortswechsel sei aber auch eine Chance, die Veranstaltung auf neue Füße zu stellen. Das Grundkonzept aber soll bleiben. Am Freitag, 2. Juli 2021, lautet das Motto wieder "Einegspuit", verschiedene Gruppen werden dann wohl wieder in verschiedenen Wirtschaften auftreten. Am Samstag und Sonntag, 3./4. Juli 2021, ist das freie Festival geplant. Nach der Veranstaltung wird Bilanz gezogen. Wenn es gut läuft, werde Wolnzach weiterhin Vorrang haben, betont Eberwein. Dass die Besucher aus dem Landkreis Freising nicht mehr kommen werden, glaubt der Leiter der Dellnhauser Musikanten nicht. "Wer gerne hingegangen ist, geht auch dort hin." Die zehn Kilometer Distanz "sind kein Argument". Eberwein geht davon aus, dass eher neue Leute dazu stoßen werden. Nun sollen die Gespräche anlaufen, auf welchen Plätzen und in welchen Lokalen das Festival stattfinden wird.

Der Auer Bürgermeister Ecker bedauert, dass er in die Entscheidung nicht eingebunden worden sei. Wenn die Ortsanierung in voraussichtlich drei Jahren abgeschlossen sei, werde Au als Veranstaltungsort "unschlagbar" sein. Mitte dieses Jahres soll es losgehen, die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt sei "mehr als überfällig". Gastronomie und Geschäfte würden profitieren, auch die Wohnqualität werde steigen. Ecker hofft, dass es "wenig Störfeuer" geben werde. Er rechnet auch damit, dass der Schlossbräukeller wieder öffnen wird, wenn die Investitionen abgeschlossen sind. Der verwilderte Schlosspark solle ebenfalls hergerichtet werden, mehr wollte er zu den Umbauplänen nicht sagen. Für die Rückkehr des Festivals hat er ein weiteres gutes Argument: Bisher sei er für das Wetter verantwortlich gewesen, er habe regelmäßig Wallfahrten gemacht. Mit Erfolg. Nun übernehme er keine Gewähr mehr.

© SZ vom 05.02.2020/nta
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