Mobilität der Zukunft:So realistisch sind Flugtaxis über München

Flugtaxis München

Nur eine Idee bislang, daher auch nur eine Fotomontage: Flugtaxis am Himmel über München.

(Foto: Florian Peljak, Hersteller; Montage: Dennis Schmidt)

Nur ein Hirngespinst? Entsprechende Prototypen werden bereits entwickelt. Doch wie der Betrieb geregelt würde, ist noch völlig unklar.

Von Andreas Schubert

Über die Digitalministerin Dorothee Bär (CSU) haben ja viele im Netz gespottet, als sie im März ernsthaft davon sprach, sich auch visionären Ideen zu widmen wie jener, Flugtaxis in die Luft zu bringen. Nun erntet auch ihr Parteifreund Manuel Pretzl, der Chef der CSU-Stadtratsfraktion, ähnliche Kommentare, nachdem er angeregt hat, bei der Planung des neuen Münchner Hauptbahnhofs schon jetzt an Startplätze für Flugtaxis zu denken. Der Tenor der Kritiker: Man solle erst einmal die aktuellen Verkehrsprobleme in den Griff bekommen, bevor man sich mit Zukunftsmusik beschäftige. Aber wie viel Zukunft steckt in der Flugtaxi-Idee, wie realistisch ist sie? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Gibt es bereits Flugtaxis und sind sie serienreif?

Derzeit arbeiten diverse Unternehmen an der Entwicklung neuartiger Kleinflugzeuge. In Süddeutschland gibt es zum Beispiel das Unternehmen E-Volo aus Bruchsal bei Karlsruhe, dessen zweisitziger Volocopter schon von kommendem Jahr an in Dubai getestet werden soll. Im Raum München, in Gilching, arbeitet die Firma Lilium Aviation an einem fünfsitzigen, elektrisch betriebenen Leichtflugzeug, das vom Jahr 2025 an marktreif sein soll. Ein kleinerer Prototyp ging in Oberpfaffenhofen bereits im vergangenen jahr in die Luft. Doch selbst wenn es in einigen Jahren flugfähige Lufttaxis geben sollte, ist völlig offen, ob und wie ein Betrieb stattfinden wird. Denn es gibt noch keine gesetzliche Grundlage dafür.

Wer müsste den Flugbetrieb in Zukunft regeln?

In rechtlicher Hinsicht seien noch viele Fragen zu klären, beispielsweise hinsichtlich der Nutzung des Luftraums und der Anforderungen an eine Start- und Landestelle, teilt das Luftamt Südbayern mit, das zur Regierung von Oberbayern gehört. Für entsprechende Rechtsänderungen wären dann die EU beziehungsweise der Bundesgesetzgeber zuständig, also der Bundestag und das Bundesverkehrsministerium, federführend für Änderungen der Luftverkehrsordnung. Regeln bräuchte es dann zum Beispiel auch für die Instandhaltung oder den Betrieb der Flieger. Branchenexperten sind sich einig, dass Flugtaxis zunächst in anderen Ländern zum Einsatz kommen werden, bevor in Deutschland die entsprechenden Regularien erarbeitet sind.

Kann ein Flugtaxi denn auch in der Innenstadt landen?

Verfechter dieser Idee träumen schon von Landeplätzen auf Bürohausdächern und eben auch auf dem Münchner Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn selbst schließt das nicht aus und will, wie sie als Antwort auf den CSU-Vorstoß wissen ließ, für den Neubau des Bahnhofsgebäudes eine mögliche Landefläche prüfen lassen. Für solche gilt generell: Sie müssen erst einmal durch die Behörden genehmigt werden, es braucht eine Baugenehmigung und eine Zulassung durch die Luftfahrtbehörde. Einer der wichtigsten Aspekte ist dabei der Lärmschutz. Dass ein Landeplatz für einen normalen motorbetriebenen Helikopter mitten im Stadtzentrum genehmigt wird, ist unwahrscheinlich. Und selbst die elektrisch betriebenen bemannten Drohnen sind keineswegs lautlos - allein durch das Geräusch der Rotoren. Somit könnte eine Genehmigung schwierig werden. Auf einer Straße oder auf freiem Feld dürfen heutige Hubschrauber übrigens nur im Notfall landen.

Werden die Taxis autonom fliegen?

Langfristig wollen die Entwickler selbstfliegende Taxis etablieren. Doch wie bei den autonom fahrenden Autos fehlen noch nationale und internationale Gesetze für den Betrieb. Würden die Fluggeräte rechtlich als unbemannte Drohnen (per Definition sind Drohnen immer unbemannt) angesehen, dürften sie nach den gegenwärtigen Vorschriften zum Beispiel nicht mal in die Nähe eines Flughafens sowie über dicht befahrene Straßen oder Menschenmengen fliegen.

Angenommen, die rechtlichen Hürden sind beseitigt, wird das Flugtaxi dann Alltag?

Heute bezweifeln noch viele, dass es bei den Bürgern eine Akzeptanz dafür geben wird. Keiner wolle den Himmel voller schwirrender Kleinflugzeuge, sagen die Skeptiker. Aber ob es ganz früher Autos waren oder vor nicht allzu langer Zeit die Handys und Smartphones: An neuen Erfindungen gibt es immer Zweifel.

© SZ vom 06.07.2018/huy
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