Verkehr:Flugtaxis sollen uns vor dem Verkehrsinfarkt retten

Fliegende Autos und autonome Passagierdrohnen fliegen einfach über den Stau hinweg. Die ersten Exemplare der verwegenen Fluggeräte heben schon bald ab.

Von Felix Reek

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Volocopter

Volocopter VC200

Quelle: dpa

Wer in einer Großstadt lebt, kennt die Misere. Mit welchem Verkehrsmittel man auch unterwegs ist, stets ist alles überfüllt. In der U-Bahn pressen sich Menschen eng an eng in Waggons. Mit dem Auto steht man im Stau. Selbst den Fahrradfahrern sind Grenzen gesetzt, wenn zu viele von ihnen unterwegs sind, wie das Beispiel der Radlerhauptstadt Kopenhagen zeigt. Um dieses Dilemma zu lösen, kommen Menschen immer wieder auf kühne Ideen. Elon Musk zum Beispiel will seine Teslas unterirdisch fahren lassen.

Alexander Zosel aus Bruchsal hingegen zieht es in die Luft. Er will den Verkehr mit seinem Volocopter einfach überfliegen. Dabei handelt es sich um eine Drohne mit zwei Passagierplätzen, angetrieben von 18 Rotoren. Sie kann wie ein Hubschrauber senkrecht starten und landen und hat eine Reichweite von 100 Kilometern.

Ideen für Flugautos oder Taxidrohnen haben auch andere, doch Zosels fliegender Volocopter wird wohl das erste autonome Fluggerät sein, das tatsächlich regulär eingesetzt wird. Bereits Ende des Jahres sollen nach einer Projektphase Volocopter in Dubai fliegen.

Von Felix Reek

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Ehang 184

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Quelle: Ehang

Für den Testlauf in Dubai war ursprünglich ein anderes Modell vorgesehen: der Ehang 184. Die Passagierdrohne aus den USA fliegt 300 Meter hoch, besitzt eine Reichweite von 40 bis 50 Kilometern und kann maximal 30 Minuten in der Luft bleiben. Doch der Ehang 184 konnte die internationalen Sicherheitsstandards nicht erfüllen. Jetzt versucht das Unternehmen aufzuholen, um beim Pilotprojekt in Dubai zu einem späteren Zeitpunkt dabei zu sein.

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Lilium Jet

Lilium Jet

Quelle: Lilium

Auch ein Start-up aus der Nähe von München will im Kampf um die individuelle Personenbeförderung in der Luft mitmischen. Lilium Aviation hat mit seinem fünfsitzigen Jet bereits den ersten Testflug absolviert. In seinen Tragflächen befinden sich 36 Elektromotoren, die den Jet auf bis zu 300 km/h beschleunigen. Es ist das erste elektrische Fluggerät nach Flugzeug-Bauart, das senkrecht starten und landen kann. Das vereinfacht seinen Einsatz erheblich, denn Start- und Landebahnen sind dadurch überflüssig.

Die Idee ist ähnlich wie beim Volocopter oder dem Ehang 184: Per App soll der Jet zum Abholort gerufen werden und dann als Lufttaxi fungieren. Die Reichweite soll bei 300 Kilometern liegen. Bis es soweit ist, wird es aber noch einige Jahre dauern.

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Airbus Vahana

Das fliegende Auto Airbus Vahana

Quelle: AP

Dass es sich bei den fliegenden Autos und Drohnen nicht nur um eine Spinnerei kleinerer Start-ups handelt, zeigt das Projekt von Airbus. Der Flugzeugkonzern will ebenfalls eine Taxidrohne entwickeln: den Vahana. Auf der Pariser Luftfahrtmesse stellt Airbus derzeit ein fertiges Konzept vor.

Durch die schwenkbaren Rotoren kann es wie der Lilium Jet senkrecht starten und landen, in der Luft fliegt es wie ein normales Flugzeug. Per App soll der Kunde seine Koordinaten eingeben können. Die Drohne holt ihn dort ab und bringt ihn viermal schneller an sein Ziel als jedes Verkehrsmittel auf dem Boden, sagt zumindest Airbus. Ein serienreifes Exemplar des Vahana ist aber erst 2020 zu erwarten.

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Aeromobil 4.0

Aeromobil flying car is seen on display, before the opening of the 52nd Paris Air Show at Le Bourget airport near Paris

Quelle: REUTERS

Wesentlich weiter ist man beim slowakischen Aeromobil 4.0. Die Ziffern geben einen Hinweis, dass hier eine längere Entwicklungszeit vorausging. 28 Jahre, um genau zu sein. Das erste Konzept wurde bereits 1989 entworfen, doch immer wieder traten Probleme auf. Vor zwei Jahren meldeten slowakischen Medien den Absturz eines Flugautos. Der Ingenieur Stefan Klein musste Version 3.0 damals mit dem Fallschirm verlassen. Die technischen Schwierigkeiten sollen jetzt überwunden sein.

Im Gegensatz zur fliegenden Konkurrenz, die eigentlich eher autonome Hubschrauber sind als fliegende Autos, kann das Aeromobil auch auf der Straße fahren. Angetrieben von einem Elektromotor erreicht es bis zu 160 km/h. Innerhalb von einer Minute lassen sich die Flügel ausklappen und das Aeromobil kann abheben. In der Luft übernimmt ein Vierzylinder-Verbrennungsmotor mit 300 PS. Spitzengeschwindigkeit: 360 km/h. Der Nachteil des slowakischen Flugautos: Es braucht 600 Meter freie Bahn, um zu starten. Und es kostet 1,3 Millionen Dollar. Bestellungen nimmt Stefan Klein bereits an, ausgeliefert werden die Aeromobile voraussichtlich von 2020 an.

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Pal-V

Pal-V Taxidrohne

Quelle: Pal-V

Problematisch für den Einsatz all dieser Fluggeräte sind die behördlichen Regelungen. Der Helikopter des niederländische Unternehmens Pal-V hat nach zwei Testprogrammen 2009 und 2012 bereits die erforderlichen Genehmigungen. Erste Vorserienmodelle werden noch in diesem Jahr gebaut, Ende 2018 erhalten Kunden das fertige Produkt. So zumindest der Plan.

Das Dreirad soll lästige Staus überfliegen können. Dazu reicht eine 180 Meter lange Startbahn. In der Luft bewegt sich der Pal-V wie ein Hubschrauber fort, auf der Straße werden die Rotoren eingeklappt. Tanken kann das fliegende Dreirad sowohl normales Benzin als auch Flugzeugtreibstoff. Die Preise für den Pal-V beginnen bei 300 000 Euro, es wird allerdings zum Betrieb sowohl ein Pkw-Führerschein als auch ein Flugschein benötigt.

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Kitty Hawk Flyer

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Quelle: Kitty Hawk

Ganz ohne Fluglizenz darf der Flyer von Kitty Hawk gesteuert werden, eine Art bemannte Drohne auf Schwimmern, wie man sie von Wasserflugzeugen kennt. Das Fluggerät, das bereits Ende diesen Jahres zu kaufen ist, startet und landet senkrecht auf dem Wasser. Wie das aussieht, zeigt ein YouTube-Video des Unternehmens, hinter dem unter anderem Google-Gründer Larry Page steht. Der bis zu 40 km/h schnelle Flyer ist aber eher als Freizeitsportgerät zu verstehen.

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AirQuadOne

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Quelle: Neva Aerospace

Das AirQuadOne des britischen Unternehmens Neva Aerospace hingegen ist bisher nur ein Konzept. Was auch das direkt aus einem Science-Fiction-Film entsprungene Design und den Piloten im hautengen Superhelden-Jumpsuit erklärt. Doch das Unternehmen meint es durchaus ernst. Die vier elektrischen Turbinen hat es bereits in Drohnen getestet, die Neva Aerospace ebenfalls anbietet.

Die Reichweite ist aber eher bescheiden. Gerade einmal 40 Kilometer beziehungsweise 30 Minuten bei 80 km/h schafft das AirQuadOne, das vertikal starten soll und an der gleichen Ladesäule wie ein Elektroauto aufgeladen werden kann.

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Mycopter

PAV von MyCopter

Quelle: Gareth Padfield/MyCopter

Massenhaft den Lufraum erobern werden fliegende Autos und Taxidrohnen in den nächsten Jahren allerdings nicht. Zukunftsforscher Lars Thomsen hält Zwitterlösungen aus Auto und Flugzeug wie das Aeromobil und das AirQuadOne sogar jetzt schon für ein Auslaufmodell. "Bei dieser Mischform stößt man auf etliche Hürden", sagte er der Welt. Größe, Gewicht, Fahr- und Flugeigenschaften seien alles Nachteile gegenüber autonom fliegenden Drohnen. Deren Einsatz sei wesentlich wahrscheinlicher.

Dass er damit recht haben könnte, zeigte auch ein Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Schon 2014 forschte es unterstützt von der EU am Flugzeug für Jedermann: dem Mycopter. Der blieb aber ein Experiment. "Fliegende Autos können wir heute bauen", sagte der Leiter des Projekts Stefan Levedag damals dem Handelsblatt. Das Problem sei eher, den Flugverkehr von Tausenden von Hobbyfliegern zu organisieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

© Süddeutsche.de/harl/ghe
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