Flüchtlinge in München:Wie die Bayernkaserne zum Vorbild werden könnte

Radlwerkstatt für Flüchtlinge, Bayernkaserne

Radlwerkstatt für Flüchtlinge in der Bayernkaserne

(Foto: Florian Peljak)

Lange galt sie als Symbol für Versagen in der Asylpolitik. Doch in der Bayernkaserne hat sich viel verbessert.

Von Bernd Kastner

Hin und wieder liegt da ein Mensch im Dunkeln auf einer Parkbank. Es ist ein Flüchtling, der die Nacht im Freien verbringt. Einige solcher Fälle seien ihr in den vergangenen Monaten von Bewohnern Freimanns berichtet worden, erzählt Nina Diemer vom Heidetreff. Es handle sich dabei um Asylbewerber, die früher in der nahen Bayernkaserne untergebracht waren.

Von dort aus wurden sie weiter in eine Gemeinschafts- oder Notunterkunft geschickt, irgendwo in Bayern, mitunter sehr abgelegen. Weil sie sich an der Heidemannstraße wohler gefühlt hätten, seien sie zurückgekehrt. Eingelassen worden sind sie nicht, denn die Kaserne ist die Zentrale der Erstaufnahme in Oberbayern, hier verbringen Flüchtlinge nur die ersten Wochen.

Die campierenden Asylbewerber erzählen die Geschichte eines bemerkenswerten Wandels: Die Bayernkaserne war im vergangenen Herbst so überfüllt, dass sie bundesweit zum Synonym für das Asyl-Versagen Bayerns wurde - heute hat sie bei vielen Flüchtlingen offenbar einen guten Ruf. Dort leben sie nicht in Turnhallen wie in vielen Notunterkünften, sondern in Zimmern.

"Kontakt" ist das Zauberwort, um Konflikte zu vermeiden

Vor allem aber ist die Helfer-Infrastruktur in Freimann so gut wie sonst kaum wo. Die Gruppen, Organisationen und Behörden hinter diesen Angeboten arbeiten inzwischen vernetzt zusammen. Das dürfte ein Grund sein, warum sich unerwartete Begegnungen von Bewohnern mit Unbekannten in Grünanlagen nicht ausgewachsen haben zu einer Abwehrhaltung gegen die Schutzsuchenden. "Die Stimmung ist deutlich besser als vergangenes Jahr", sagt Diemer. Damals war die Aufregung groß, weil viele Flüchtlinge auf der Wiese vor der Kasernenmauer saßen.

Flüchtlinge sitzen am 15 10 2014 vor der Bayernkaserne in München Die steigenden Flüchtlingszahlen

Als vor einem Jahr viele Flüchtlinge vor der Kasernenmauer saßen, war die Aufregung groß.

(Foto: imago)

Seit einem Jahr moderiert Regsam, das Regionale Netzwerk für Soziale Arbeit, die Zusammenarbeit der Helfer. Seither treffen sich Vertreter von gut 40 Einrichtungen und Ämtern regelmäßig, um Wissen und Erfahrung zu teilen. Weil das in Freimann so gut funktioniere, wolle man das Modell in andere Stadtviertel "exportieren", wo weitere große Flüchtlingsunterkünfte existieren oder geplant sind, sagt Johannes Michel von Regsam.

Kontakt. Das dürfte das Zauberwort sein, um Konflikte zwischen Flüchtlingen und Nachbarschaft zu vermeiden. Ist erst einmal der Kontakt hergestellt, sagt Diemer, "dann sind mit einem Schlag die Vorurteile weg". Der Gesprächsfaden zwischen Freimannern und Asylsuchenden ist derzeit wohl so stark wie nie. Die vielen Helfergruppen fungieren als Mittler zwischen drinnen und draußen, zwischen Kasernen- und Stadtteilbewohnern.

Julia Schmitt-Thiel, Leiterin der Mohr-Villa, beobachtet eine gewisse "Neugier" auf beiden Seiten auf den jeweils anderen. Entsprechend bringt sich auch das Freimanner Kulturzentrum in die Kontaktpflege mit ein. Es gehört zusammen mit dem Heidetreff zu den Dreh- und Angelpunkten des Miteinanders im Münchner Norden.

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