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Flüchtlinge in München:Es gibt weiterhin einen hohen Bedarf an Bettplätzen

Die Unterkunft in der Klausenburger Straße liegt inmitten eines Gewerbegebiets und ist die einzige städtische Einrichtung, in der es Catering-Essen gibt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit einigen Wochen muss die Frau von Omar I. ruhen, das hat ihr der Arzt verschrieben, es gab Komplikationen in der Schwangerschaft. Doch so einfach ist das nicht mit dem Ruhen, wenn fremde Menschen sich Zimmer teilen und die dünnen Wände dazwischen alle Geräusche durchlassen. Sein Sohn könne bei dem Lärm oft nicht schlafen, sagt Omar I.. Küche und Bad seien häufig dreckig, die Herdplatten ständig kaputt, das Warmwasser funktioniere oft nicht. Doch am schlimmsten seien die täglichen Konflikte zwischen Bewohnern. Es sind Probleme, wie sie häufig in großen Unterkünften auftauchen, wenn zu viele Menschen zu lange auf zu engem Raum miteinander leben müssen.

Die Unterkunft in der Hofmannstraße hat die Stadt vor zwei Jahren errichtet. Anfangs waren die sanitären Anlagen draußen in Containern und es gab Cateringessen. Es hat sich inzwischen einiges verbessert, die Stadt hat Bäder und Küchen im Gebäude installiert, so dass die Bewohner selbst kochen können.

Trotzdem bleibt es für die Menschen eine große Belastung, über zwei Jahre in so einer großen Unterkunft zu leben, in der zudem niemand seine Tür abschließen kann. Insgesamt 18 Frauen wohnen dort alleine oder nur mit ihren Kindern, zudem noch viele Familien wie die von Omar I.. Das Gebäude sei 2015 eigentlich nur als Überbrückungsstandort eingerichtet worden, sagt Hedwig Thomalla, Sprecherin des Sozialreferats. Dass die Unterkunft noch in Betrieb sei, liege nur daran, dass es weiterhin so einen großen Bedarf an Bettplätzen gibt.

Noch schlechter sind die Wohnbedingungen offenbar in der städtischen Unterkunft in der Klausenburger Straße, inmitten eines Gewerbegebiets. Laut Sozialreferat leben die 175 Bewohner im Durchschnitt bereits seit fünfzehneinhalb Monaten in dem ehemaligen Bürogebäude, darunter 70 Kinder. Der Münchner Flüchtlingsrat übt scharfe Kritik an der Unterkunft. Auch dort kann man die Zimmer nicht abschließen. Die Duschen, die in der ehemaligen Tiefgarage eingebaut sind, seien kalt und es fehle ein Sichtschutz, sagt Elif Beiner vom Flüchtlingsrat. Es gebe keine Privatsphäre. Zudem fehlen für Kinder Außenflächen zum spielen. Ein großes Problem sei auch, dass die Bewohner seit zwei Jahren nicht selbst kochen können.

Das Essen des Caterers sei zwar gut, sagt Rosemarie Ghorbani, Leiterin des Alveni-Sozialdienstes der Caritas, der die Flüchtlinge in der Klausenburger Straße betreut. Es sei aber belastend und entmündigend, wenn Menschen so lange Zeit nicht selbst entscheiden können, was sie essen. Problematisch sei zudem, dass die Unterkunft an einer viel befahrenen Straße liegt, direkt an der Autobahnauffahrt. Besonders für Kinder und Jugendliche sei das gefährlich auf dem täglichen Weg zur Schule. Ghorbani sagt aber auch, dass die Stadt sich sehr anstrenge, und das Sozialreferat eigentlich sehr bemüht sei, die Situation in den Unterkünften zu verbessern.

Es sei die letzte städtische Einrichtung, in der es noch Catering-Essen gebe, sagt Thomalla. Das Gebäude werde zudem umgebaut. Die Bewohnerzimmer sollen mit Schließsystemen ausgestattet werden, sie seien bereits bestellt. Die Stadt würde außerdem versuchen, besonders schutzbedürftige Personen bei Bedarf zu verlegen, so Thomalla. Das Sozialreferat hat ein Haus für Frauen und Kinder gegründet, das vor kurzem in ein größeres Gebäude in die Nailastraße gezogen ist. Nur, so lange Fatana M. und ihre Schwester dort keinen Platz erhalten, werden sie weiter nachts mit Angst im Bett liegen. Und für Omar I. und seine Frau wird die Situation mit ihrem Neugeborenen in der Unterkunft wohl noch schwieriger.

© SZ vom 03.01.2018/axi
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