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Fasangarten/Neubiberg:Eine Bresche für die Brise

Im Fasangarten lehnt man die Neubaupläne der Nachbarn aus Neubiberg weiter ab, weil sie die Frischluftschneise des Hachinger Tals gefährden könnten

Mit dem Bau der Infineon-Zentrale ("Campeon") sind die Gemeinde Neubiberg und der südliche Münchner Stadtrand schon vor anderthalb Jahrzehnten näher zusammengerückt, als es dem Stadtklima guttut - davon bleiben viele Bewohner des südlichen 17. Stadtbezirks und ihre Vertreter im Bezirksausschuss (BA) überzeugt. Der BA Obergiesing-Fasangarten wendet sich daher in seiner Stellungnahme zu einem "interkommunalen Strukturkonzept Hachinger Tal" klar gegen neuen Gewerbe- und Wohngebiete zwischen Stadtgrenze und Campeon.

Das von Neubiberg in Auftrag gegebene Konzept sieht nördlich des Campeon, auf dem sogenannten Kapellenfeld, Gewerbeparzellen mit einer Grundfläche zwischen 6,8 und 11, 9 Hektar vor, bei Geschossflächen von 8,2 bis 14,2 Hektar. In West-Ost-Richtung weiter verengt würde der Frischluft- und Grünzug außerdem durch neue Wohnbauzeilen, entlang einer östlichen Verlängerung der Grenzstraße. Das Wohngebiet um die Kapellenfeld- und Auerspitzstraße würde so jenseits der Stadtgrenze arrondiert.

Das von Neubiberg avisierte Neubaugebiet misst kaum 250 auf 100 Meter. Es dürfte den Anwohnern aber auch abseits ökologischen Bedenken missfallen, da die heutigen Sackgassen zu Erschließungsstraßen für die neuen Häuser verbunden würden. Als Kritiker der vorerst noch rechtlich unverbindlichen Konzepte trat im BA erneut Thomas Kiesmüller auf, der als Vizevorsitzender der Eigenheimervereinigung Fasangarten-Ricklihain viele seiner Nachbarn hinter sich weiß und in fünf Tagen 340 Unterschriften gesammelt hat. Kiesmüller beruft sich unter anderem auf die ein Jahr alte Fassung des Landesentwicklungsprogramms (LEP) Bayern, das die Freihaltung von Frischluftschneisen fordert.

Insgesamt sieht das Strukturkonzept im Bereich zwischen Perlach, Fasangarten und Neubiberg bis zu 16,7 Hektar Gewerbe- und 5,6 Hektar Wohnbaufläche vor. Der BA beschränkte sich in seiner Stellungnahme allerdings auf die westlich der A 8 gelegenen Pläne fürs Kapellenfeld, da sich die östlich zuständigen Kollegen im BA 16 Ramersdorf-Perlach bereits kritisch geäußert haben.

Zudem befürchten die Kritiker für den östlichen Bereich längs des Hachinger Bachs keine allzu schnelle Umsetzung, da hier, zusätzlich zur Frage der Frischluftversorgung, auch noch der Hochwasserschutz geprüft werden muss. Der BA fordert die Stadt einstimmig auf, noch vor Aufstellung verbindlicher Bebauungspläne eine öffentliche Bürgerinformation und -Beteiligung anzusetzen. Auf Unterbiberger Seite hat Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler) dies Kiesmüller bereits per Brief zugesichert. Unterstützung aus dem Stadtrat stellte Sabine Bär (CSU) in Aussicht. Unter dem Eindruck vergangener und drohender Hitzewellen sieht Bär in Sachen Frischluftschneisen "auch politisch Einigkeit" im Rathaus. Der Bezirksausschuss kann da zwar vergleichsweise wenig frischen Wind erzeugen, er solle sich aber auch nicht zu klein machen, findet CSU-Fraktionssprecher Stefan Reinwald: Vor allem bei der Bauhöhe habe man ja seinerzeit auch das Campeon-Projekt etwas stutzen können, so Reinwald.