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Erdinger Volksfest:Loskauf wird Minderjährigen verwehrt

Raimund Klaus vom BRK Erding ist bereits seit 25 Jahren mit dem Glückshafen auf dem Erdinger Herbstfest dabei. Viele der Preise sind insbesondere für Kinder gedacht.

(Foto: Renate Schmidt)

Ein Besuch am Glückshafen des Roten Kreuzes beim Herbstfest gehört für viele zur Tradition. Kinder und Jugendliche sind heuer jedoch auf Erwachsene angewiesen, da die Regierung von Oberbayern die Abgabe an sie verboten hat.

Beim Glückshafen auf dem Herbstfest werden in diesem Jahr keine Lose an Minderjährige verkauft. Sie dürfen zwar in den Lostopf greifen, aber nicht mehr selbst bezahlen. Das verbietet die Regierung Oberbayern dem Bayerischen Roten Kreuz. Grund dafür sei eine drohende Suchtgefahr, vor der die Kinder und Jugendlichen geschützt werden sollen. Eine Maßnahme, die Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) für überzogen hält.

Der Besuch des Glückshafens beim Herbstfest, das in diesem Jahr vom 30. August bis 8. September stattfindet, ist Tradition. Und der Griff ins Glück gehört selbst für die kleinen Besucher inzwischen dazu. Schließlich gab es gerade am Kindertag für die, die das Pech hatten, zehn grüne Nieten gezogen zu haben, einen Trostpreis. Damit könnte nun allerdings Schluss sein. Erstmals dürfen Kinder und Jugendliche keine Lose mehr erwerben.

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Max Gotz, Oberbürgermeister und zugleich früherer Vorsitzender des BRK-Kreisverbands, sieht das Vorgehen der Regierung Oberbayern als sehr kritisch und hält die Tatsache, dass Minderjährige keine Lose mehr kaufen dürfen für ein großes Problem. "Für viele Menschen ist es eine wunderbare Tradition am Glückshafen ihr Losglück zu suchen und dabei zu wissen, etwas für den guten Zweck zu tun", sagt er. "Außerdem ist das ein schwerer Schlag für das BRK", da dem Hilfswerk die Einnahmen der Lotterie zur Eigenmittelbeschaffung dienen.

Doch der Regierung Oberbayern geht es um etwas anderes: "Der Staatsvertrag zum Glücksspielwesen in Deutschland hat das Ziel, den Jugendschutz zu gewährleisten", erklärt die Pressesprecherin der Regierung Oberbayern, Verena Gros. "Die Teilnahme von Minderjährigen an Glücksspielen ist grundsätzlich unzulässig. Die Veranstalter und die Vermittler haben sicherzustellen, dass Minderjährige von der Teilnahme ausgeschlossen sind." Rechtlich gesehen ist das keine Neuerung. "Die entsprechenden Jugendschutzbestimmungen im Glücksspielstaatsvertrag gelten bereits seit 2008 in ganz Deutschland gleichermaßen", sagt Gros. So hätte das Kaufverbot eigentlich schon seit Jahren gelten müssen. Nur hat offenbar niemand so genau hingeschaut.

"Mit solchen Regelungen gibt sich die öffentliche Hand immer mehr der Lächerlichkeit preis"

Der Erdinger Glückhafen besteht schon seit mehreren Jahrzehnten. Die ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter des BRK kümmern sich aber nicht nur um den Losverkauf und die Ausschüttung der Gewinne. Ebenso sind sie dafür zuständig, um die größeren und kleineren Verletzungen zu versorgen, die sich Besucher auf dem Herbstfest zuziehen.

Oberbürgermeister Gotz kritisiert zudem eine weitere Vorgehensweise, die beim Verkauf der Lose gelten wird: So ist es den Kindern und Jugendlichen zwar erlaubt, in den Lostopf zu greifen, nicht aber für die Lose zu bezahlen. Das Geld muss von einem volljährigen Begleiter übergeben werden. Bereits Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) sagte zu dieser Festlegung: "Mit solchen Regelungen gibt sich die öffentliche Hand immer mehr der Lächerlichkeit preis." Und auch Erdings Oberbürgermeister sieht das Kindeswohl in der Lotterie nicht gefährdet ebenso wenig, wie die Möglichkeit, dass Minderjährige durch den Glückshafen spielsüchtig werden. Ganz im Gegenteil würde ein Bub doch am Losstand eher lernen mit Geld umzugehen, wenn er für seine Münzen ein Los erhält.

Doch "Ausnahmen vom strengen Jugendschutz sind nur bei kleinen Lotterien von gemeinnützigen und zuverlässigen Veranstaltern zulässig, bei denen die Verkaufssumme der Lose 40 000 Euro nicht übersteigt", erklärt Verena Gros die neuen Maßnahmen. Dies sei beim Erdinger Herbstfest nicht der Fall.

So oder so: Erdings Oberbürgermeister Gotz ist sich jedenfalls sicher: "Mit solchen Regelungen schießen wir übers Ziel hinaus."

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