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Michael Oberhofer:"Alle hätten eine Atempause nötig"

Michael Oberhofer

Michael Oberhofer in seinem Büro an der Grund- und Mittelschule Isen. Er hätte Kollegen, Schülern und Eltern gerne fünf Ferientage gegönnt.

(Foto: Stephan Görlich)

An diesem Montag hätten normalerweise die Faschingsferien begonnen. Doch nichts ist normal in Corona-Zeiten. Der BLLV-Kreisvorsitzende bedauert die Absage der fünf freien Tage

Interview von Regina Bluhme, Erding

Faschingsferien gibt es in Bayern erst seit 2001, also noch gar nicht so lange. An diesem Rosenmontag hätten sie wieder starten sollen. Doch daraus wird bekanntlich nichts. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Ferien wegen Corona abgesagt: In der Zeit könne Unterricht nachgeholt werden. Michael Oberhofer bedauert den Ausfall sehr. Der 54-Jährige ist Schulleiter der Grund- und Mittelschule Isen, Kreisvorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) und CSU-Kreisrat und er sagt: "Eine Verschnaufpause hätte uns allen gut getan."

SZ: Herr Oberhofer, es gibt sehr viel Kritik an der Absage der Faschingsferien. Sie sind sicher auch dagegen, oder?

Da wäre ich ein schlechter Verbandsvertreter, wenn ich dafür wäre, den Lehrern und Lehrerinnen Ferientage zu streichen.

Was stört Sie am meisten?

Es hätte einen großen Unterschied gemacht, wenn wir bereits wieder alle Schüler und Schülerinnen im Präsenzunterricht gehabt hätten. Da hätte ich gesagt: Dann lassen wir sie zusammen. Dann nicht gleich eine Pause. Das wäre eine ganz andere Gesamtsituation gewesen. Aber in der jetzigen Situation hätten alle - ich betone hier: nicht nur die Lehrer - auch die Eltern und Schüler eine Atempause nötig. Es wäre einfach gut, wieder mal richtig durch zu schnaufen.

Man kann schon sagen, dass die Lehrer und Lehrerinnen durch Onlineunterricht, zuweilen im Wechsel mit Präsenzunterricht, jetzt sehr gefordert sind.

Wir üben eine sehr, sehr anspruchsvolle Tätigkeit aus. Aber ich sage Ihnen: Die Lehrer stellen sich der neuen Aufgabe gerne. Jeder bemüht sich und strengt sich an. Wir sind ein gestaltender Verband und kein jammernder Verband. Aber es ist anstrengend, keine Frage. Das große Ziel ist, gesund und möglichst unbeschadet durch diese schwierige Zeit zu kommen.

Sie leiten eine Grund- und Mittelschule. Wie klappt es inzwischen mit dem Online-Unterrichten?

Der Distanzunterricht hat sich bei uns eingespielt. Es gibt inzwischen doch eine Routine. Wir sehen natürlich aber auch, dass es Kinder gibt, die Gefahr laufen, abgehängt zu werden. Wir wollen, dass uns keiner verloren geht! Wir wissen ja, wie belastend die Situation auch für die Eltern ist: Sie sind in der Eltern-, Familien- und jetzt noch in der Lehrerrolle. Da liegen schon mal die Nerven blank. Im Großen und Ganzen aber kriegen wir das alle miteinander gut hin. Wichtig ist Toleranz, gegenseitiges Vertrauen und dass sich alle untereinander Fehler verzeihen.

Ich stelle mir die Situation im Lehrerzimmer nicht so einfach vor. Die Älteren müssen plötzlich online fit sein, die Jüngeren denken womöglich frustriert im Distanzunterricht, dass sie sich so ihren Beruf nicht vorgestellt haben.

Im Prinzip trifft es doch jeden von uns gleich. Wobei die Älteren sich total wacker schlagen und bereit sind für Neues. Und sie punkten mit ihrer Berufserfahrung. Und die Jüngeren sind unsere digitalen Fachleute und absolut motiviert. Aber einen wichtigen Satz möchte ich noch anfügen: Wir Lehrer arbeiten natürlich am liebsten mit Schülern in der Wirklichkeit. Deswegen haben wir ja den Beruf gewählt.

Es gibt auch Stimmen, die die Absage der Faschingsferien gut finden, weil sie Kindern aus schwierigen Familien eine Tagesstruktur im Lockdown gibt.

Das ist ein wichtiger Hinweis: Es hätte auf jeden Fall eine Notbetreuung in den Faschingsferien gegeben. An unserer Schule bieten wir eine Notbetreuung für die erste bis sechste Klasse an. Es kommen täglich um die 20 Kinder. Es wäre gut, wenn auch Siebt-, Acht-, und Neuntklässler an der Notbetreuung teilnehmen könnten. Aber ich verstehe schon, dass es wegen der Eindämmung der Pandemie Beschränkungen geben muss.

Was passiert eigentlich, wenn eine Lehrkraft bereits vor längerem zwei Tage Hotel für die Faschingsferien gebucht hat?

Das weiß ich leider nicht. Bei uns jedenfalls in Isen ist ein solcher Fall im Kollegium nicht aufgetreten. Wobei es auch nicht stimmt, dass die Lehrer in den Faschingsferien gar nichts tun würden.

Sondern?

Die Zeit der Faschingsferien wird auch genutzt, um die kommende Sequenz bis Ostern vorzubereiten.

Sowohl Lehrern als auch Schülern gehen jetzt fünf Ferientage verloren. Werden die noch irgendwo drangehängt, an die Sommerferien vielleicht?

Das weiß ich nicht. Ich halte mich mit allen Vorschlägen sehr zurück. Denn in dieser unwahrscheinlich dynamischen Lage, weiß man nicht, wie sich alles entwickelt. Man kann nicht zu weit nach vorne schauen.

© SZ vom 13.02.2021/van
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