bedeckt München 19°
vgwortpixel

Eisbärbabys im Tierpark:Die Vorzeige-Bärchen

Endlich draußen: Die Eisbärbabys im Freigehege.

(Foto: Catherina Hess)

Erstmals sind die beiden Eisbären-Zwillinge im Freien zu sehen. Die Bilanz des Auftritts: Ihre Mutter Giovanna hat sie offenbar gut erzogen. Von den Eisbären können sich die Familien jenseits des Geheges noch so einiges abschauen.

Das also ist die Welt: Das Grüne unter den Beinen, das muss dieses Gras sein, oben das Blaue der Himmel, und das große Weiße, das ist Mama, die kennen wir schon. Rundherum stehen komische Wesen auf zwei Beinen, halten schwarze Kästen vors Gesicht und machen Klickklickklick. Gut, dass so etwas Durchsichtiges, Hartes zwischen denen und uns ist, sonst würden sie womöglich noch näher rücken, und wer weiß, vielleicht sind sie ja gefährlich.

Der große Moment, auf den mindestens ganz München seit Wochen gewartet hat: Ein Schieber öffnet sich und herausspaziert Giovanna, gefolgt von zwei weißen Schneebällen auf vier Beinen. Na ja, weiß: Jede Mutter weiß, dass kaum etwas schwerer sauber zu halten ist als Kinder, und deshalb sind auch Giovannas durchaus etwas schmutzig, das kleinere ein bisschen mehr, aber das ist ja auch der Junge. Die beiden Eisbären-Babys schlurfen ins Freie und schauen sich erst mal um.

089 Zwillinge erstmals für Besucher zu sehen Video
Eisbären-Nachwuchs im Münchner Zoo

Zwillinge erstmals für Besucher zu sehen

14 Wochen sind die Eisbären-Zwillinge vom Münchner Tierpark Hellabrunn nun alt - an diesem Mittwoch haben Tierpark-Besucher nun erstmals die Möglichkeit, ihre Teddyhaftigkeit zu begutachten.

Am 9. Dezember hat Giovanna die beiden Bärchen zur Welt gebracht, seitdem blieben die drei im so genannten Mutter-Kind-Haus, eine leicht euphemistische Bezeichnung für eine Beton-Höhle, die durch ein paar Schaufeln Hackschnitzel etwas Wohnlichkeit bekam. Die Jungen, bei der Geburt von der Größe eines Meerschweinchens, taten während dieser Zeit nicht sehr viel mehr als zu trinken, zu schlafen - und zu wachsen.

Tierpark Hellabrunn

Geburtstagsparty bei den Eisbär-Zwillingen

Giovanna ließ sie keinen Augenblick allein, denn in freier Wildbahn würde das Lebensgefahr für die Kleinen bedeuten. Für die Mutter hieß das aber auch, dass sie seit 14 Wochen praktisch nichts gefressen hat - eine Tortur ohne Frage, aber welche Frau hätte nicht gerne nach der Geburt schnell wieder ihr Idealgewicht?

60 Kilogramm hat Giovanna abgenommen, perfekt für den "ersten Pressetermin", wie es in der Zoo-Mitteilung heißt, als würden Verlautbarungen verlesen werden. Um Ausschreitungen zu verhindern, ist am Boden vor der gläsernen Trennwand vermerkt, wer seine Kamera wo aufstellen darf. Zu größerem Gerangel kommt es aber nicht, die Eisbären wurden offenbar gut gebrieft und halten sich genau dort auf, wo alle Kameraleute freie Sicht haben.

Zwei Bärchen sind besser als eins

Die beiden Kleinen haben sichtlich Spaß, sie tollen herum, klettern auf einen umgefallenen Baumstamm, balgen sich und kuscheln zwischendurch doch ganz gerne wieder in Mutters Fell. Andreas Knieriem, der Zoodirektor, sagt, für Giovanna seien zwei Kinder besser als eines, denn die könnten auch mal miteinander spielen und würden nicht immer an der Mutter hängen, eine Erfahrung, die menschliche Eltern durchaus bestätigen dürften.

089 Zwillinge erstmals für Besucher zu sehen Video
Eisbären-Nachwuchs im Münchner Zoo

Zwillinge erstmals für Besucher zu sehen

14 Wochen sind die Eisbären-Zwillinge vom Münchner Tierpark Hellabrunn nun alt - an diesem Mittwoch haben Tierpark-Besucher nun erstmals die Möglichkeit, ihre Teddyhaftigkeit zu begutachten.

Nicht so typisch menschlich ist, dass sich der Vater aus dem Staub gemacht hat: Yoghi wurde nach Stuttgart deportiert, weil dort erstens ein Eisbären-Mann fehlte und weil er in München wohl gelitten hätte - und eine Gefahr darstellte. "Yoghi ist wahnsinnig verliebt in Giovanna", sagt Andreas Knieriem. Er hätte aber von ihr und den Babys getrennt werden müssen, weil Eisbären-Väter gelegentlich die unangenehme Angewohnheit haben, ihre Jungen aufzufressen. So vergnügt sich Yoghi jetzt in Stuttgart mit einer gewissen Corinna und hat, Liebe hin, Liebe her, Giovanna alleinerziehend zurückgelassen.

Was das bedeutet, hat die Bärin gleich am Montag erfahren, als sich die Gebärhöhle zum ersten Mal öffnete, noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Giovanna kam heraus und entdeckte in dem kleinen Tümpel am Rande des Freigeländes einen! neuen! Ball! Sie stürzte sich darauf wie ein Fußballspieler nach ausgeheiltem Muskelfaserriss.

Ihre Kinder, natürlich, folgten ihr - und standen plötzlich einigermaßen ratlos und erstaunt dem ihnen bis dahin unbekannten Konzept "Wasser" gegenüber. Beziehungsweise drin, im Nassen. Da musste Giovanna erkennen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen sie tun und lassen und spielen konnte, was und wann sie wollte. Eltern-Schock also auch bei Eisbären.