Einkaufen in München Foodblogger sollen jungen Leuten den Viktualienmarkt schmackhaft machen

Alteingesessene Münchner und Touristen kommen immer auf den Markt, doch nun sollen auch gezielt jüngere Kunden angesprochen werden.

(Foto: Robert Haas)
  • Kommunalreferent Axel Markwardt will gezielt jüngere Münchner ansprechen, den Viktualienmarkt für sich zu entdecken.
  • Dafür wurden mit dem Projekt "Zukunft Viktualienmarkt" Münchner Foodblogger engagiert, die auf Kosten des Kommunalreferates regelmäßig dort einkaufen und kochen dürfen.
  • An diesen Events dürfen auch Gäste teilnehmen, gekocht wird in einem Info-Stand direkt auf dem Markt.
Von Thomas Anlauf

Wenn etwas den Titel "Kulturerbe" trägt, dann hat das schon was Altehrwürdiges. Stimmt ja auch, der Viktualienmarkt rühmt sich, seit 210 Jahren kulinarischer Mittelpunkt Münchens zu sein. Die "gelebte Markttradition" wurde vor gut einem Monat von Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle ganz offiziell in Form einer Tafel gewürdigt, seither ist der Markt offiziell immaterielles Kulturerbe Bayerns.

Jüngere Menschen haben aber tendenziell nicht so viel Sinn für Traditionen. Und tatsächlich bemerken einige der rund hundert Händler, dass vor allem ältere Münchner auf dem Viktualienmarkt einkaufen. Das mag zum einen an den saftigen Preisen liegen, die einige Marktleute für ihre sicherlich frischen Produkte verlangen, aber wohl auch an veränderten Einkaufsgewohnheiten. Kommunalreferent Axel Markwardt will deshalb nun gezielt die jüngeren Münchner ansprechen, den Viktualienmarkt für sich zu entdecken.

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Das soll mit Hilfe von bekannten Foodbloggern funktionieren. München gilt als heimliche Hauptstadt für Menschen, die in digitalen Magazinen über Essen und Trinken informieren. Markwardt und sein Team von "Zukunft Viktualienmarkt" haben mit einigen Bloggern Kontakt aufgenommen, die künftig an bestimmten Tagen etwa 20 Menschen einladen können und auf Kosten des Kommunalreferats am Viktualienmarkt einkaufen und die Zutaten gleich an Ort und Stelle für die Gäste kochen. Das Rezept gibt es dann samt Einkaufsliste zum Mitnehmen und Nachkochen, natürlich findet man beides auch im Internet, im jeweiligen Foodblog oder unter www.zukunft-viktualienmarkt.de.

"Wir müssen den Viktualienmarkt zukunftsfähig machen", sagt Axel Markwardt. Das Kommunalreferat und die Markthallen München wollen mit der Aktion auch zeigen, "dass das Einkaufen auf dem Markt ja nur das Präludium ist für das Hinterher: das Essen". Und nebenbei sollen die Foodblog-Essen belegen, dass der Viktualienmarkt "nicht abgehoben und teuer" sein muss, wie Markwardt betont.

Zunächst sind insgesamt sechs Termine vorgesehen, an denen Blogger zu bestimmten Themen einladen, einkaufen und kochen. So wird ein Foodblog-Abend in der Adventszeit liegen, ein weiterer im Fasching und auch an Ostern. Das Kommunalreferat stellt ein gewisses Budget, das voraussichtlich zwischen sieben und zehn Euro pro Person und Gericht liegen soll - beim Spargelessen dürfte es allerdings etwas mehr sein. Getränke müssen die Gäste selbst mitbringen - oder auf eigene Kosten am Viktualienmarkt kaufen.

Gekocht wird dann im Infostandl, einem derzeit leer stehenden Marktstand, in dem es mittlerweile auch einen Herd mit Ofen gibt. Je nach Wetter können die Gäste dann auf Bierbänken am kleinen Platz hinter dem Infostand oder auch in der Hütte selbst speisen. Am vergangenen Freitag gab es bereits ein Testessen mit Petra Hammerstein vom Blog "Der Mut Anderer" und Gerhard Bauer vom "Isarblog".

Die Verjüngungskur für den Viktualienmarkt beschränkt sich nicht nur auf die Kundschaft. Anfang Oktober werden die ersten Pläne vorgestellt, wie der Markt saniert werden könnte, danach wird in einem Bürgergutachten über die Zukunft des alten Markts diskutiert.

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