Ude wird Ehrenbürger von München Wieder ziemlich beste Freunde

OB Dieter Reiter (links) verleiht seinem Vorgänger Christian Ude die Ehrenbürgerwürde der Stadt München.

(Foto: Florian Peljak)

Die Verwundungen des Wahlkampfes sind noch nicht lange her. Doch bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den Ex-OB Ude ist von den Animositäten zwischen ihm und seinem Nachfolger Reiter nichts zu spüren. Ein paar Nadelstiche kann sich Ude dennoch nicht verkneifen.

Von Peter Fahrenholz

Nicht nur auf Geburtstagsfeiern oder bei Beerdigungen ist es üblich, die Verdienste des Jubilars oder des Verstorbenen nach Kräften zu rühmen und seine Schwächen diskret zu verschweigen oder zumindest in ein mildes Licht zu tauchen. Auch bei Preisverleihungen aller Art herrscht stets tiefer politischer Friede, so frostig die Atmosphäre ansonsten auch sein mag. Das gilt natürlich erst recht, wenn zwei Parteifreunde aufeinander treffen und der eine die Ehrung aus der Hand des anderen empfängt. Selbst Edmund Stoiber und Theo Waigel würden da für einen Moment nur das Beste übereinander sagen.

Abschied mit Ironie und Kritik

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Als Oberbürgermeister Dieter Reiter seinem Vorgänger Christian Ude am Montagabend im Alten Rathaussaal die Ehrenbürgerwürde verleiht, ist deshalb auch nicht der leiseste Hauch einer Animosität zu spüren. "Da wird es von beiden Seiten gute schauspielerische Leistungen geben", lästert ein langjähriger Insider des Rathausbetriebs.

Lob in den höchsten Tönen

Tatsächlich sind die Verwundungen des Wahlkampfes ja noch gar nicht so lange her. Dass Reiter Udes Wunschnachfolger ist, konnte man da kaum merken. Ganz genau hat Ude darauf geachtet, ob Reiters Kampagne den Glanz seiner Amtszeit schmälert. Ude fand, dass Reiter die Verdienste der vergangenen Jahre viel zu wenig herausgestrichen hat. Reiter wiederum fand, dass Ude ruhig etwas kräftiger die Werbetrommel für ihn hätte rühren können. Doch an diesem Abend fällt natürlich kein böses Wort. Reiter rühmt Udes Verdienste um die Stadt in den höchsten Tönen. Ude sei als OB "ein Glücksfall für unsere Stadt" gewesen, sagte Reiter und fügt hinzu, die Ära Ude, "das waren ausgesprochen gute Jahre".

Anzapfmeister und Ferkelfreund

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Ude wiederum zeigt in seiner Erwiderung, warum sich so viele davor fürchteten, mit ihm das Rednerpult zu teilen. Artig bedankt er sich bei Reiter für dessen "freundschaftliche Laudatio", um dann einen weiten Bogen zu spannen und die Licht- und Schattenseiten seiner Stadt aufzulisten. Und weil Ude nun einmal ein Meister des feinen Nadelstichs ist, verkneift er sich auch ein paar aktuelle Seitenhiebe nicht. Zum Beispiel auf den Verkauf der GBW-Wohnungen durch die Staatsregierung. Und mit einem Bonmot, das Joachim Fuchsberger gern verwendet hat, macht Ude deutlich, dass er sich auch als Ehrenbürger politisch zu Wort melden wird. Alte Männer seien gefährlich, zitiert Ude, denn sie hätten keine Angst vor der Zukunft.