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Ehe für alle in München:Warten auf das Jawort

Zum Start der "Ehe für alle" hat die Stadt den Marienplatz bunt beflaggt.

(Foto: Robert Haas)

Andere Städte legten Sonderschichten ein, München nicht: Hier heiraten die ersten gleichgeschlechtlichen Paare ab Donnerstag.

25 Jahre lang teilen Thomas Niederbühl und Heinz Bänzinger schon ihr Leben. Im Jahr 2001 ließen der erste offen schwule Stadtrat Münchens und der Schweizer Goldschmied ihre Lebenspartnerschaft beim Notar eintragen - als eines der ersten homosexuellen Paare in München.

Jetzt, 16 Jahre später, ist es endlich soweit: Am Freitagnachmittag dürfen die beiden Männer heiraten; wieder sind sie eines der ersten Paare der Stadt, die ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen. Die Trauung im Standesamt an der Ruppertstraße übernimmt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) persönlich. Der Eingang ins Standesamt im Kreisverwaltungsreferat wird dann mit Regenbogenfahnen beflaggt sein, ebenso der Marienplatz. "Die Fahnen zeigen unübersehbar und eindrücklich, dass München für Gleichstellung und eine offene und tolerante Lebensweise steht", sagt Reiter.

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30 zusätzliche Eheschließungstermine pro Woche

Jahrzehnte haben Lesben und Schwule dafür gekämpft, von Sonntag an gilt sie: die Ehe für alle. Ein historisches Datum, und die Mehrheit in Deutschland findet: Es ist eine längst überfällige politische Entscheidung. Schwule und Lesben müssen sich von nun an nicht länger mit der 2001 eingeführten Verpartnerung genügen. Sie kriegen, wenn man so will, das Original, die echte Ehe. Mit allen ihren Rechten und Pflichten.

In Hamburg, Hannover und Berlin öffneten vereinzelt sogar am Sonntag Standesämter, Standesbeamte legten Sonderschichten ein, um dem Ansturm der ersten Heiratswilligen gerecht zu werden. In München blieben die Standesämter am 1. Oktober geschlossen, es gab keine eiligen Anfragen. Hier heiratet das erste homosexuelle Paar vier Tage später, am Donnerstag, 5. Oktober. Für den Tag wurden bereits zwei gleichgeschlechtliche Eheschließungen angemeldet. Wer seine bereits bestehende Lebenspartnerschaft nun lediglich in eine Ehe umwandeln lassen will, muss weniger lang warten: Das ist schon ab Montag möglich.

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Auch wenn die klassische Hochzeitssaison eigentlich vorbei ist, bietet das KVR wegen der "Ehe für alle" von Oktober bis Dezember Sondertermine an. "Es gibt in den drei Monaten etwa 30 zusätzliche Eheschließungstermine pro Woche", sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. In den Kalendern der Münchner Standesämter waren Stand Freitag schon mehr als 50 gleichgeschlechtliche Eheschließungen und 20 Umwandlungen eingetragen.

An Dienstagen und Donnerstagen gibt es außerdem zusätzliche Termine zur Umwandlung; dafür müssen Paare 25 Euro zahlen. Ansonsten sind die Kosten für alle in München gleich: Die Hochzeit am Freitag an der Ruppertstraße ist mit 70 Euro am günstigsten, samstags kostet es 20 Euro mehr. Wer sich im beliebten Trausaal in der Mandlstraße das Jawort geben will, muss noch mal 50 Euro drauflegen. Wenn er einen Termin bekommt - denn das Standesamt am Englischen Garten ist für Paare gleich welcher Orientierung auf Wochen ausgebucht.