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Neues Gutachten:Zorneding: Kränkelnde Bäume, wütende Nachbarn

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel: So in etwa könnte man den verfügbaren Lebensraum vieler öffentlicher Bäume entlang der Zornedinger Lärchenstraße beschreiben. Experten zufolge bräuchten die Pflanzen eine deutlich größere Fläche, um anständig wachsen zu können.

(Foto: Christian Endt)

Zorneding hat seine Grünbestände erfassen lassen. Das Ergebnis: Die vor 20 Jahren gepflanzten Gewächse sind nicht mehr im besten Zustand.

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Oft haben Straßennamen mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort wenig zu tun. Das lässt sich über die Grünlandstraße in Zorneding allerdings eher nicht sagen, denn in diesem Gemeindegebiet grünt es tatsächlich sehr - zu sehr, für den Geschmack so manchen Anwohners. Beim Rathaus gehen deshalb immer wieder Beschwerden ein, man möge doch den ein oder anderen Baum zurechtstutzen oder am besten gleich ganz umschneiden. Um einen Überblick über die öffentlichen Grünanlagen zu bekommen, hat die Gemeinde vor einiger Zeit ein Baumkataster erstellen lassen. Dessen Ergebnisse liegen nun vor - und geben weder für Gemeinde noch Anwohner sonderlich viel Anlass zur Freude.

In den Monaten Februar und März hatte die Firma Treeconsult sämtliche öffentliche Grünanlagen erfasst und deren Zustand in eine Datenbank eingepflegt. Deren Geschäftsführer Erk Brudi stellte nun die Resultate daraus in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses vor und ging dabei vor allem auf das Gebiet um die Grünlandstraße und den Ingelsberger Weg ein, von wo in der Vergangenheit besonders viele Beschwerden über unliebsames Grün gekommen sind. Nicht ganz zu unrecht, wie der Experte nun sagte, denn die Bäume - vor allem Kirschen, Eichen und Ahorn - seien dort teilweise in nicht allzu gutem Zustand. Das liege vor allem daran, dass die Bepflanzung vor rund 20 Jahren schlecht geplant worden sei. "Die Bäume haben nur sehr kleine Flächen zur Verfügung. Wenn sie wachsen wollen, müssen sie in Privatgrundstücke ausweichen", so Brudi. Die Folge ist, dass die Bäume also ihre Wurzeln in Nachbars Garten ausdehnen, oder aber auf die Straße und dadurch den Belag beschädigen.

Manche Anwohner hatten sich auch beschwert, dass die Pflanzen das für ihre heimischen Photovoltaikanlagen nötige Sonnenlicht abschirmen würden. "Unsere Gutachter sind bei der Erfassung immer wieder darauf angesprochen worden, ob man die Bäume nicht wegschneiden könnte", sagte Brudi nun im Ausschuss. Einen Anspruch auf Sonnenlicht gebe es dem Experten zufolge aber nicht. Mit Blick auf künftige Pflanzungen plädierte der Experte deshalb für ein "besseres Baummanagement". Man solle sich vorher mit den Bürgern abstimmen, um vernünftige Lösungen zu finden.

Das käme auch der Gemeinde zugute, denn die nachträgliche Korrektur von falsch gepflanzten Bäumen sei sehr kostspielig. Die Bäume würden auf den Zeichnungen der Architekten zwar immer recht schön aussehen, nach 20 Jahren seien diese aber häufig nicht mehr zu gebrauchen. "Die Kosten gehen in die Aber-Millionen, wenn man das im Nachhinein korrigieren will", so Brudi. Damit war auch der Vorschlag von Helmut Obermaier (Grüne) schnell vom Tisch, die Parkbuchten in der Lärchenstraße so umzugestalten, dass sich die Bäume vernünftig entwickeln können. "Das hätte man schon früher machen müssen", entgegnete Brudi.

So wie bisher kann die Gemeinde dem Experten zufolge mit ihrer Bepflanzungsstrategie jedenfalls nicht weitermachen, es brauche eine fachgerechtere Planung. Ob man denn mit Blick auf ihre Widerstandsfähigkeit künftig besser auf Robinien setzen solle, wollte Bianka Poschenrieder (SPD) wissen. Linden zum Beispiel würden ja ohnehin so viel Dreck machen. Diesen aber müssten Anwohner schlichtweg akzeptieren, so Brudi, "dagegen gibt es nichts zu meckern".

Und was die Robinien angehe, stimme es zwar, dass diese recht robust sind, sie wurzeln aber auch sehr weit aus und drohen dadurch Straßenbeläge aufzureißen. Am Status quo der Zornedinger Grünanlagen wird die neue Erkenntnis durch das Baumkataster zwar nicht viel ändern können, immerhin hat man im Rathaus nun aber die Anregung bekommen, bei künftigen Vorhaben besser frühzeitig einen Experten zu konsultieren. Dann wird sich die Verwaltung nach 20 Jahren auch nicht erneut mit kränkelnden Bäumen und wütenden Nachbarn befassen müssen.

© SZ vom 29.07.2020/koei
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