Bayerisches Brauchtum:Der Maibaum to go aus Vaterstetten

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Regio-Drive-In-Hofladen Vaterstetten

Anna Link.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Auf dem Reitsbergerhof in Vaterstetten will man trotz Pandemie nicht auf den Maibaum verzichten. Wirtin Anna Link hat sich für 2021 etwas Besonderes ausgedacht.

Interview von Jörg Lehne

Die Blasmusik spielt, das Fassbier fließt, das ganze Dorf kommt zusammen, um beim Aufstellen des Maibaums zu helfen - oder zumindest dabei zuzuschauen. Man sitzt auf Bierbänken eng zusammen und bis in den späten Abend hinein wird gefeiert - so oder so ähnlich sieht es an vielen Orten normalerweise aus am 1. Mai, nicht nur im Landkreis Ebersberg sondern in Städten und Gemeinden quer durch Bayern. Doch wegen der Coronapandemie wird es nun schon zum zweiten Mal ein öder, ruhiger Feiertag. Auf dem Reitsbergerhof in Vaterstetten will man allerdings nicht ganz auf den Maibaum verzichten, Wirtin Anna Link hat sich etwas Besonderes ausgedacht.

SZ: Feiern und Corona vertragen sich ja bekanntlich nicht besonders. Das betrifft auch das traditionelle Maibaumaufstellen. Sie haben sich etwas überlegt, um dem abzuhelfen.

Anna Link: Ja, wir haben uns überlegt, dass wir kleine Maibaumtaferl beim Schreiner machen lassen, die wir bei uns im Hofladen für neun Euro verkaufen. Daraus soll ein kleiner Malwettbewerb werden. Wer mitmachen will, kann die Taferl zuhause bemalen und bis Donnerstag nächster Woche wieder mitbringen. Von uns werden die Taferl lackiert, damit sie wetterfest sind. Anschließend werden alle am Tor unserer Veranstaltungshalle aufgehängt. Wir fotografieren und nummerieren jedes Taferl und stellen diese auf einer Abstimmungsplattform ins Netz. Der Link dazu folgt zeitnah auf unseren Social-Media-Kanälen und natürlich auf unserer Homepage. Natürlich kann auch direkt vor Ort ein Stimmzettel abgegeben werden. Die sechs Taferl mit den meisten Stimmen kommen an einen kleinen Maibaum, den wir am 1. Mai bei uns aufstellen. Alle anderen dürfen aber gerne bis 24. Mai 2021 weiter als Ausstellung bei uns hängen bleiben.

Taferl to go quasi.

So in der Art. Uns war es wichtig, vor allem Kindern eine Beschäftigung zu geben. Mitmachen können aber natürlich auch Erwachsene. Wir machen eine getrennte Wertung, damit das auch fair bleibt. Die Aktion hat am Mittwoch angefangen. 150 Taferl haben wir schreinern lassen. Es wäre schön, wenn viele mitmachen und wir alle 150 in unserer Halle aufhängen könnten.

Wurden schon welche bemalt?

Ja, tatsächlich. Wir haben schon ein Foto von einem Taferl mit bunten Bauernhoftieren darauf bekommen.

Und der Maibaum ist schon gefällt?

Ja, so halb. Ihn weiß-blau anzustreichen, werden wir wohl nicht mehr schaffen, dafür ist es zu knapp. Aber aufstellen werden wir ihn mit Tracht und Musik. Publikum kann leider nicht dabei sein, aber wir werden die Zeremonie am 1. Mai um 10 Uhr via Zoom übertragen. Der Link dazu wird auch baldmöglichst veröffentlicht.

Wenn der Baum nicht vorher gestohlen wird.

Nein, wir haben den Baum nicht gelagert wie sonst. Das ist ja schon recht bald.

Haben Sie schon ein eigenes Taferl bemalt?

Ich noch nicht, aber meine Kinder, Neffen und Nichten wollen unbedingt mitmachen.

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