Missbrauch:"Ich trat aus meinem Körper heraus"

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Missbrauch: "Der Schatten, der nicht weichen wollte": So heißt das Buch, in dem Annette Hendl den Missbrauch in ihrer Familie verarbeitet.

"Der Schatten, der nicht weichen wollte": So heißt das Buch, in dem Annette Hendl den Missbrauch in ihrer Familie verarbeitet.

(Foto: Ute Grabowsky/imago)

Mit 14 Jahren wird Annette Hendl zum ersten Mal vergewaltigt. Von da an erlebt sie immer wieder schweren sexuellen Missbrauch, von verschiedenen Tätern. Wie ist es ihr gelungen, sich zu befreien?

Von Michaela Pelz, Ebersberg

Steht man vor dem schmucken Häuschen in der sanft geschwungenen Kurve einer ruhigen Straße im kleinen Ort Soyen, will fast so etwas wie Neid aufkommen. Idyllisch ist die Holzkonstruktion in die oberbayerische Landschaft gebettet, der See liegt in Sichtweite. Fällt an der Haustür dann aber der Blick auf die Rollstuhlrampe und einen Desinfektionsmittelspender, kommt eine Ahnung auf, dass unter diesem Dach wohl nicht nur uneingeschränktes Glück wohnt. Und spätestens nach der Begrüßung durch die Hausherrin Annette Hendl weiß man, dass diese Frau so einiges zu tragen hat. In jeder Hinsicht, ist doch ihr ständiger Begleiter ein Rucksack mit Sauerstoff, aus dem ein kleiner Plastikschlauch zur Nase führt. Der tragbare Behälter ermöglicht der Endfünfzigerin bis zu fünf Stunden Mobilität, bevor er wieder nachgefüllt werden muss - aufgrund eines Asthma-COPD-Overlap-Syndroms (ACOS) ist sie auf Sauerstoff angewiesen. Doch diese Krankheit, die seit knapp einem Jahrzehnt das Leben der gebürtigen Dresdnerin bestimmt, ist nicht ihr schwerstes Paket - von "Päckchen" zu sprechen, wäre mehr als untertrieben. Denn Annette Hendl hat in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens schweren sexuellen Missbrauch erlebt: Sie selbst, ihre beiden Töchter und ihr Sohn wurden Opfer von Übergriffen und Vergewaltigungen durch unterschiedliche Personen. Darüber hat die Wahl-Oberbayerin nun einen autobiographischen Roman geschrieben: "Der Schatten, der nicht weichen wollte".

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