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Corona:Medican-Teststationen auch im Kreis Ebersberg nicht mehr erreichbar

Die umstrittene Firma hatte im Landkreis zwei Corona-Teststationen betrieben.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Amtsarzt zweifelt an Arbeit vieler neuer Corona-Teststellen

Überall im Landkreis sind neue Schnelltest-Stationen entstanden, zwei von ihnen werden von Medican betrieben.

(Foto: dpa)

Der Klick zum Test führt auf eine weiße Seite, eine Terminvereinbarung ist nicht möglich. Auch telefonisch, per E-Mail oder per Fax ist die umstrittene Firma Medican nicht mehr zu erreichen, wie die Mitarbeiter des Ebersberger Gesundheitsamts festgestellt haben. Seit einigen Wochen hatten die Mitarbeiter des Unternehmens in roten Bussen vor dem Ebersberger Einkaufszentrum und an zwei Standorten in Poing Corona-Schnelltests angeboten.

Seit aber Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR gezeigt haben, dass die Firma deutlich überhöhte Testzahlen gemeldet und abgerechnet haben soll und danach auch die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hat, sind auch die bisherigen Ansprechpartner des Ebersberger Gesundheitsamts bei der Firma nicht mehr erreichbar. Das erzählt Brigitte Keller, Chefin des Corona-Krisenstabs im Landratsamt, am Dienstag.

Das Landratsamt hatte von sich aus versucht, mit der Firma Kontakt aufzunehmen, mit der es an sich bisher nicht viel zu tun hatte, wie Keller erläutert. Zwar hat das Unternehmen eine sogenannte Beauftragung des Gesundheitsamts für den Betrieb eines Testzentrums erhalten, allerdings bestätige der Betreiber damit mehr oder weniger nur mit seiner Unterschrift, dass er alle Vorgaben erfülle, "eine Überprüfung war nie vorgesehen", so Keller. Auch zu einer Nutzung des No-Q-Buchungsverfahrens, das einen Überblick über die durchgeführten Tests ermöglicht hätte, habe man die Unternehmen nicht verpflichten können.

Medican scheint allerdings nicht die einzige Testfirma zu sein, die jetzt im Fokus der Behörden steht - hier hat der Landkreis bisher noch nicht einmal eine offizielle Aufforderung erhalten, tätig zu werden. Im Gegensatz zu einem anderen Fall: Wie Keller berichtet, wurde der Landkreis von der Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde aufgefordert, das Testzentrum, das eine andere Firma im Landkreis betreibt, zu überprüfen. Wie diese Überprüfung und das weitere Vorgehen aussehen sollen, das war am Dienstagnachmittag noch nicht klar. "Wir müssen jetzt erst sehen,was zu tun ist", sagt Brigitte Keller. Finanzieller Schaden immerhin ist dem Landkreis nicht entstanden, er ist nicht für die Finanzierung der Schnelltests zuständig.

Bisher gibt es im Landkreis 40 Teststellen, viele von ihnen werden von den Kommunen oder von Apotheken betrieben. Der Bedarf wird aber voraussichtlich sinken: Weder fürs Einkaufen noch für Biergartenbesuche müssen bei den momentanen Infektionszahlen noch negative Coronatests vorgelegt werden. Und wie sich die aktuellen Zahlen aus dem Landratsamt darstellen, wird sich das auch erst einmal nicht wieder ändern - im Gegenteil, weitere Lockerungen sind in Aussicht.

Am Dienstag lag der Wert für die Sieben-Tage-Inzidenz laut dem Dashboard des Robert-Koch-Instituts bei 30,6. Er liegt jetzt zum fünften Mal in Folge unter der Marke von 35, so dass voraussichtlich von Donnerstag an weniger strenge Kontaktbeschränkungen gelten. Insgesamt zehn Personen aus drei Haushalten können sich dann treffen.

Nicht gezählt werden dabei Kinder bis 14 Jahre, Personen, die seit mindestens 14 Tagen mit einem in der EU zugelassenen Impfstoff vollständig geimpft sind, Personen, die seit mindestens 28 Tagen und maximal sechs Monaten, eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, sowie Corona-Genesene, bei denen die Infektion mit länger als sechs Monate zurückliegt und die eine singuläre Impfdosis erhalten haben. Das Landratsamt weist aber darauf hin, dass Geimpfte und Genesene darauf achten sollten, dass die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht weiterhin auch für sie gelten.

Insgesamt gelten im Landkreis Ebersberg inzwischen 17,11 Prozent der Menschen - also 24 625 Bürgerinnen und Bürger - als vollständig geimpft. 43,08 Prozent - 61 985 Menschen - haben immerhin eine erste Dosis erhalten. Gut ein Drittel der Erstimpfungen wurden von den niedergelassenen Ärzten verabreicht.

Neuinfektionen werden dem Landratsamt nur noch wenige gemeldet, am Dienstag waren es noch drei. Am Vergleichstag in der Vorwoche waren es sechs neue Infektionsfälle. Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie 6286 Menschen aus dem Landkreis mit dem Coronavirus angesteckt.

© SZ vom 02.06.2021/koei
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