Pflegereform:Der Bund muss ran

Die mangelnde Kurzzeitpflege im Landkreis Ebersberg zeigt einmal mehr, dass es dringend einer umfassenden Reform aus Berlin bedarf.

Kommentar Von Johanna Feckl

Da sind sich alle einig: Das Angebot an Plätzen zur Kurzzeit- oder Verhinderungspflege ist zu gering. Viel zu gering. Ändern lässt sich daran so schnell nicht viel. Es ist eine Ausweglosigkeit, für die im Kreis Ebersberg niemand eine Schuld trifft: Nicht das Landratsamt, das weder Kosten noch Mühen bei der Unterstützung der Pflegehäuser scheut, und auch nicht die Einrichtungen, die lieber stationäre Plätze als solche zur Kurzzeit- oder Verhinderungspflege anbieten.

Dabei wäre Tempo geboten. Denn Plätze zur Kurzzeitpflege sind für pflegende Angehörige wichtig - ja, in manchen Fällen sogar überlebenswichtig. Das zeigt das Erlebnis der Ebersberger Kreisrätin und Krankenpflegerin Marina Matjanovski, bei der eine Patientin um die Aufschiebung ihrer wichtigen Herz-OP bat, weil sie keinen Pflegeplatz für ihre Tochter mit einer Behinderung finden konnte. Freilich muss man nicht immer vom schlimmsten aller Fälle ausgehen. Aber auch ein Pflegender, der seit Jahren kaum eine freie Minute hat, die übrige Familie, Freundschaften, Hobbys und Beruf vernachlässigen muss - kurz: jemand, bei dem sich der komplette Tagesablauf nach den Bedürfnissen des zu pflegenden Angehörigen ausrichtet, auch so jemand kann irgendwann einfach nicht mehr. Diese Menschen brauchen und verdienen Entlastung. Die Möglichkeit zur Kurzzeitpflege, auch von einer spontan angesetzten, stellt hier ein essenzielles und sinnvolles Instrument dar.

Aber: Solange eine Pflegeeinrichtung funktioniert wie ein wirtschaftliches Unternehmen - also am Ende des Jahres möglichst keine rote Zahl in den Büchern auftauchen sollte -, so lange werden und müssen sie auch wirtschaftlich handeln. Sprich: Es wird ein stationärer Pflegeplatz geschaffen, weil das rentabler ist als ein neuer zur Kurzzeitpflege. Vorwürfe an die Einrichtungen sind hier fehl am Platz. Sie können nicht anders, sonst müssten sie in letzter Konsequenz schließen - wie jedes Unternehmen, wenn die Zahlen zu rot werden. Auch der Landkreis hat keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Vielmehr zeigt die Problematik einmal mehr, dass der Bereich Pflege dringend einer umfassenden Reform bedarf. Und eine solche liegt allein in der dafür zuständigen Hand des Bundes.

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