Bahnausbau:Ein Signal an Berlin - und ein Rückschlag

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Bahnausbau: Gelbe Kreuze markieren im südlichen Landkreis den möglichen Verlauf der Trasse Limone des Brenner-Zulaufs.

Gelbe Kreuze markieren im südlichen Landkreis den möglichen Verlauf der Trasse Limone des Brenner-Zulaufs.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der bayerische Landtag spricht sich für einen bestandsnahen Ausbau des Brenner-Nordzulaufs aus. CSU-Landtagsabgeordneter Thomas Huber sieht das als wichtigen Erfolg - auch wenn die Bahn nach einer Überprüfung an der Trasse "Limone" festhält.

Von Barbara Mooser, Ebersberg/München

Die bayerische Staatsregierung soll sich in Berlin für einen "bestandsnahen und umweltschonenden Ausbau beim Brenner-Nordzulauf" einsetzen. Diesen Auftrag hat ihr der Landtag mit großer Mehrheit am Mittwochabend erteilt. Initiiert hatte den Dringlichkeitsantrag der Ebersberger CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber, der in der Entscheidung des Landtags ein wichtiges Signal Richtung Berlin sieht. Das Parlament habe die Entscheidung ohne Gegenstimme, wenn auch mit einigen Enthaltungen gefällt, so Huber; zudem habe auch die FDP, die der Berliner Ampelregierung angehört, Teilen des Antrags zugestimmt - jenen, die den bestandsnahen Ausbau im Landkreis Ebersberg betreffen. "Es ist schon ein Signal, dass die Partei des Bundesverkehrsministers den Antrag befürwortet hat", sagt Huber.

Dankbar sei er auch, dass die CSU-Fraktion seine Bemühungen unterstützt habe, schließlich könne jede Fraktion zur Plenardebatte nur einen Dringlichkeitsantrag einreichen, und es hätten noch drei weitere wichtige Themen auf die Agenda gedrängt. In der Debatte unterstrich Huber: "Wir wollen die für die Menschen und die Umwelt bestmögliche Lösung, nicht die aus Sicht der Bahn-Planer einfachste Lösung mit einer Trasse quer durch die Prärie, die Dörfer einkesselt und Grundstücke unserer Landwirte durchschneidet."

Bahnausbau: Thomas Huber hofft, dass durch die Entscheidung des Landtags Druck auf die Bundesregierung ausgeübt werden kann.

Thomas Huber hofft, dass durch die Entscheidung des Landtags Druck auf die Bundesregierung ausgeübt werden kann.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ziel der Entscheidung des Landtags sei es, Druck auf die Bundesregierung auszuüben, andere Mitwirkungsmöglichkeiten habe Bayern nicht, sagt Huber, schließlich handle es sich um ein Projekt des Bundes, das von der Bahn geplant und ausgeführt werde. Ob das neue Gleispaar durch den Landkreis also entlang der ungeliebten Trasse Limone oder der bestandsnahen sogenannten Bürgertrasse verlaufen wird, wird letztlich in Berlin entschieden.

Seit Monaten wird gegen die Trasse demonstriert

Wie die Trasse nach Ansicht der Bahn verlaufen sollte, ist bereits seit Juli bekannt. Aus fünf Trassenvorschlägen war eben jene Grobtrasse Limone ausgewählt worden. Diese verläuft von Ostermünchen im Landkreis Rosenheim kommend direkt an den kleinen Orten Niclasreuth und Dorfen in der Gemeinde Aßling vorbei, ehe die neuen Gleise bei Lorenzenberg in einem etwa 1,5 Kilometer langen Tunnel verschwinden. Dieser endet bei Hamberg, von wo aus die Trasse über Schammach und Taglaching bei Kirchseeon wieder mit der Bestandsstrecke zusammengeführt wird. Sie sei die "ausgewogenste Trasse" und nach "objektiven Kriterien am verträglichsten", so die Einschätzung der Bahn damals.

Eine Einschätzung, die aber von vielen Anwohnern ebenso wie einem Großteil der örtlichen Politiker nicht geteilt wird, diese hätten eben eine Trasse bevorzugt, in der die Gleise sich an der bestehenden Trasse orientieren, statt in weitem Bogen durch Bauernland hindurch zu führen. Der Protest gegen Limone reißt seitdem nicht ab, ein Aßlinger Ingenieur hatte zudem betont, dass der Bahn bei der Auswahl der Trasse Limone Fehler unterlaufen seien.

Die Bahn hatte angesichts der Kritik zugesichert, die Auswahl nochmals zu überprüfen. Das Ergebnis liegt seit Donnerstagabend nun vor und bestätigt nach Angaben der Bahn die Vorteile der Trasse Limone. Aus Sicht der Sachverständigen und Gutachter seien alle Kritikpunkte widerlegt, heißt es in einer Pressemitteilung der Bahn. Limone bleibe die Variante mit den meisten Nutzenpunkten und dem besten Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis. Sie entlaste zudem die Menschen an der Bestandsstrecke von lautem Güterverkehr.

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