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Kommunalwahl in Zorneding:Erfahrung und frischer Wind

In Piet Mayr (CSU), Bianka Poschenrieder (SPD) und Peter Pernsteiner (FDP) treten bei der Kommunalwahl in Zorneding drei langjährige Lokalpolitiker an. Ramona Baumgartner (Linke) dagegen ist das komplette Gegenteil. Sie will den Etablierten Druck machen

In diesem Gebäude steht der Chefsessel der Begierde: Vier Kandidaten bewerben sich in Zorneding um das Amt des Bürgermeisters. Welcher von ihnen sein Büro künftig im Rathaus einrichten darf, entscheiden die Wähler am 15. März.

(Foto: Christian Endt)

Lange Zeit hatte es in der Gemeinde so ausgesehen, als würde die Bürgermeisterwahl in Zorneding eine recht spannungsbefreite Veranstaltung werden. Amtsinhaber Piet Mayr (CSU) kündigte bereits im März vergangenen Jahres an, seinen Chefsessel im Rathaus verteidigen zu wollen. Alle anderen Fraktionen hielten sich zunächst zurück und wagten sich erst recht spät aus der Deckung. Inzwischen ist nun aber mit Bianka Poschenrieder (SPD), Peter Pernsteiner (FDP) und Ramona Baumgartner (Linke) ein spannendes Bewerberfeld zusammengekommen, das aus drei erfahrenen Lokalpolitikern und einer echten Newcomerin besteht.

Piet Mayr (CSU)

Amtsinhaber Piet Mayr will's noch einmal wissen.

(Foto: Christian Endt)

Wer häufiger mal in sozialen Netzwerken unterwegs ist, der weiß um die Wichtigkeit von Hashtags. Piet Mayr hat sich für seinen Wahlkampf ebenfalls einen solchen zugelegt: #DerBürgerMayr. Das ist zwar einerseits witzig, soll andererseits aber auch eine Botschaft transportieren: "Das für mich immer noch wichtigste CSU-Motto ,Näher am Menschen' sehe ich nicht nur als Auftrag und ständige Verpflichtung, sondern auch als eine gelebte Grundeinstellung von mir", sagt der 63-Jährige. Mayr, der ursprünglich aus Denklingen im Landkreis Landsberg am Lech stammt, in Karlsruhe und Ingolstadt aufgewachsen ist und inzwischen in Parsdorf wohnt, könnte im März bereits in seine dritte und dann definitiv letzte Amtszeit als Gemeindeoberhaupt gehen. Spätestens in sechs Jahren hat der verheiratete Vater eines Sohnes dann also ausgiebig Zeit für seine Hobbys: Lesen, Kochen, Rad- und Skifahren.

Bianka Poschenrieder (SPD)

Bianka Poschenrieder

Bianka Poschenrieder will von der Stellvertreterin zur Chefin werden.

(Foto: Privat)

Zornedinger Ortspolitik ohne Bianka Poschenrieder? Unvorstellbar! Die 65-Jährige hat sich über Jahre als die starke Frau in der Gemeinde etabliert und wagt nun nach 2014 den zweiten Anlauf, als Chefin ins Rathaus einzuziehen. Das Amt wäre für Poschenrieder aber keinesfalls Neuland, schließlich hat sie Mayr seit sechs Jahren als Zweite Bürgermeisterin immer wieder vertreten. Über ihre Vorstellung von Politik sagt Poschenrieder: "Bei mir stehen immer die Menschen im Mittelpunkt." Diese Haltung spiegelt sich auch in ihrem Amt als Zornedinger Seniorensprecherin und den Mitgliedschaften unter anderem beim Helferkreis Asyl und im VdK wieder. Poschenrieder ist in Nordrhein-Westfalen geboren und in München aufgewachsen, inzwischen lebt sie seit 40 Jahren in Zorneding. Die Diplom-Ingenieurin ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Peter Pernsteiner (FDP)

FDP Zorneding

Für die FDP kämpft Peter Pernsteiner um das Bürgermeisteramt.

(Foto: Privat)

Wie man eine Gemeinderatssitzung leitet, müsste Peter Pernsteiner eigentlich bestens wissen. Nicht nur weil der 60-Jährige seit 2007 in eben jenem Gremium sitzt, sondern auch weil er als ehemaliger Radiomoderator bei Charivari durchaus eine gewisse Sprachgewandtheit und Nervenstärke mitbringt. Wie in der Tonkabine, ist Pernsteiner auch im Sitzungssaal als einziger FDP-Vertreter meist auf sich allein gestellt. Bei anderen anzuecken ist für ihn deshalb nicht weiter ungewöhnlich, er selbst sagt, dass er "wohl kein bequemer Bürgermeister mit Schmusekurs" sein würde. Der verheiratete Familienvater begründet das auch mit seinem beruflichen Hintergrund: Seit 25 Jahren arbeitet er als freier Journalist - ein Job, der analytisches Denken und immerwährendes kritisches Hinterfragen erfordere. Pernsteiner hat den Großteil seines Lebens in München verbracht, seit 1998 wohnt er nun in Zorneding und genießt laut eigener Aussage die etwas ländlichere Struktur.

Ramona Baumgartner (Linke)

Ramona Baumgartner geht für Die Linke ins Rennen.

(Foto: Privat)

Mehr Premiere geht kaum: Die Linke stellt nicht nur erstmals in Zorneding eine Bürgermeisterkandidatin auf, die Partei tritt überhaupt zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl in der Gemeinde an. Auch die Bewerberin um das höchste Amt am Ort dürfte vielen Bürgern nicht ganz so bekannt sein wie ihre drei Konkurrenten - und das, obwohl die parteilose Ramona Baumgartner von allen Bewerbern am wenigsten weit von Zorneding aufgewachsen ist. Die 37-Jährige stammt ursprünglich aus Kirchseeon und lebt nun seit etwa zehn Jahren in der Gemeinde. Dort hat die Archäologin auch ihr eigenes Unternehmen aufgebaut, bei dem sie inzwischen 15 Mitarbeiter beschäftigt. Anders als ihre Konkurrenten hat Baumgartner in der Kommunalpolitik noch keine Erfahrung gesammelt - das könnte sich am 15. März ändern. "Bürgernähe, Mitspracherecht und die Unterstützung von Bürgerinitiativen liegen mir besonders am Herzen", sagt sie.

Die Wahlprogramme

CSU

Unter dem Motto "Wir für d'Gmoa" legen die Christsozialen ein Wahlprogramm vor, mit dem sie Zorneding "weiter in eine gute, handlungsfähige Zukunft führen" wollen. Das soll etwa durch Baulandentwicklung nach dem Prinzip "maximaler Nutzen, minimale Belastung" umgesetzt werden. Eine vorausschauende Finanzpolitik soll dazu beitragen, dass die Gemeinde weiterhin schuldenfrei bleibt. Um eine gute Lebensqualität der Bürger zu gewährleisten, verspricht die CSU den Ausbau der Kinderbetreuung und gleichzeitig eine altersgerechte Infrastruktur für die ältere Generation. Der Klimaschutz am Ort soll "mit Vernunft und Augenmaß" umgesetzt werden.

SPD

Die Sozialdemokraten legen einen großen Schwerpunkt ihrer Kampagne auf das Thema Energiewende. Neben Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Liegenschaften soll auch die Nutzung von natürlichen Energieträgen wie Sonne, Biomasse, Erdwärme und Wind forciert werden - letzteres etwa durch den Aufbau von Windkraftanlagen unter Mitwirkung der Bürger. Diesen will die SPD auch mehr soziales Miteinander ermöglichen, etwa durch ein Bürgerhaus oder einen Bürgersaal. In Sachen Ortsentwicklung strebt man weiteren bezahlbaren Wohnraum an.

Grüne

Lebensraum für die Bürger ist auch ein großes Thema bei den Grünen: "Zorneding braucht Wohnflächen anstatt neuer Gewerbegebiete", heißt es etwa in deren Programm. So soll es eine "maßvolle Innenraumverdichtung" geben, immer unter dem Aspekt des nachhaltigen, klimaneutralen Bauens. Beim Klimaschutz sprechen sich die Grünen klar für Windräder aus, auch Photovoltaik und Wärmenetze sollen ausgebaut werden. Für ein bessere Zusammenleben soll es mehr Freizeitangebote für Jung und Alt geben. Außerdem wollen die Grünen die Gemeinde fußgänger- und fahrradfreundlicher machen.

Freie Wähler

Bei den Freien Wählern will man den Bürgern durch aktive Beteiligung und Mitspracherecht bei kommunalen Entscheidungsprozessen Gehör verschaffen. Auch ein "lebendiges und nachbarschaftliches Gemeindeleben aller Ortsteile" liegt der Fraktion am Herzen. Verschiedene Generationen sollen in Zorneding in einem "sozialen und wertschätzenden Miteinander" leben. Auch die Klima- und Verkehrspolitik am Ort ist Thema im Wahlprogramm, beides wollen die Freien Wähler weiter vorantreiben.

FDP

Verkehr ist ebenfalls für die FDP ein wichtiges Thema. Die Liberalen wollen vor allem die Ortsteile Zorneding und Pöringer besser miteinander verbinden und ein gesamtheitliches Verkehrskonzept für die Gemeinde entwickeln. Um die Energiewende umzusetzen, fordert die FDP einen "technologieoffenen Klimaschutz statt Verbotspolitik". Neben der Neuansiedlung von Gastronomie und Kleingewerbe will man auch die Facharztsituation vor Ort verbessern.

Die Linke

Mit dem Slogan "Vom Ich zum Wir" hat die Linke ihr Wahlprogramm betitelt. Darin geht es vor allem um soziale Themen, etwa die Solidarität mit ärmeren Gemeindebürgern, die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum und um menschenwürdige Asylpolitik. Die Linken können sich außerdem ein eigenes Frauenhaus für die Gemeinde vorstellen und fordern eine "niveauvolle Obdachlosenunterkunft". Was das Wachstum am Ort angeht, wollen es die Linken eher langsam angehen. Hier lautet das Motto "Entschleunigung statt Boomregion". aju

© SZ vom 27.02.2020
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