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Rettungsaktion:Bruck: Ein Gnadenhof kämpft ums Überleben

Regina Peter PFERDE Bruck

Regina Peters Herzensprojekt droht das Aus. Sämtliche Veranstaltungen rund ums Pferd waren ausgebucht. Wegen Corona wurde alles abgesagt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Regina Peter hat viel in die Tierauffangstation in Bruck investiert. Mit der Corona-Krise ist der Fortbestand gefährdet. Doch die Initiatorin gibt nicht auf.

Von Korbinian Eisenberger, Bruck

Der Tag, an dem Regina Peter ihr Herzensprojekt wiederaufnahm, ist genau ein Jahr und einen Monat her. Am 1. März 2019 feierte der Gnadenhof an der Alten Mühle in Bruck Wiedereröffnung. Es lief gut, sehr gut sogar, sagt Regina Peter, die Chefin und Macherin. "Wir waren schon für das komplette Jahr 2020 ausgebucht", sagt sie. Dann kam Corona, und von einem Tag auf den anderen musste auch sie schließen. Die Viruskrise ist eine Bedrohung für den Fortbestand des Gnadenhofs. Nach knapp drei Jahrzehnten droht dem Projekt das endgültige Aus. Noch ist es aber nicht soweit. Denn Regina hat noch einen letzten Trumpf.

Begonnen hat alles vor 28 Jahren. Anfang der Neunziger verwandelte Regina Peter das Gelände der Alten Brucker Mühle in eine Art Sanatorium für Pferde. Es dauerte nicht lange, bis sich das Gelände zur Anlaufstelle für Tiere entwickelte, deren Besitzer ihnen überdrüssig wurden. So fanden auch Hunde, Katzen oder Schweine ihren Weg nach Bruck. Und schließlich Schulen und Familien. Peter hat den Gnadenhof zum Zentrum für Reittherapie entwickelt. 29 Pferde sind dort im Jahr 2020 untergebracht, 150 Kinder kommen jede Woche hierher. Oder besser gesagt: kamen. Vor knapp zwei Wochen erreichte die Coronakrise auch den Gnadenhof in Bruck. Sämtliche Gruppen und Projekte sind derzeit ausgesetzt. Weil aber die Pferde, Schweine Hasen und Katzen weiter gefüttert werden müssen, hat die Alte Mühle Bruck nun ein Finanzierungsproblem.

Um den totalen Kollaps zu verhindern, haben Peters Mitarbeiter eine Rettungsaktion gestartet. Auf einer speziellen Webseite sammeln sie seit zehn Tagen Spenden. 50 000 Euro ist das gesetzte Ziel. So viel bräuchte es ihren Berechnungen nach, um die Tiere zu ernähren und um einen längerfristigen Betrieb planen zu können, sagt Peter. Sie selbst arbeitet seither ohnehin so gut wie ehrenamtlich, die drei festen Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit gesetzt. Die Freiberuflichen im Team, also die vier selbstständigen Reitpädagogen, müssen derzeit auf die sonst regelmäßigen Aufträge aus Bruck verzichten. Regina Peter sagt: "Es hat uns alle eiskalt erwischt."

Regina Peter ist Heilpraktikerin, Psychotherapeutin, Kunst- und Reittherapeutin und Pferde-Osteopathin. In den vergangen Jahren hat sich die 60-Jährige aber auch zu einer Art autodidaktischen Krisenmanagerin entwickelt. Im Frühjahr 2017 wurde ihr die Alte Mühle schon einmal zum Verhängnis. Nach gut zwei Jahrzehnten Betrieb kam heraus, dass die Gebäude nun nicht mehr den neuesten Brandschutzauflagen entsprachen. Peter hätte schleunigst Maßnahmen ergriffen, um dieses Problem mit einigen Umbauten zu lösen. Doch das ging nicht, weil die Mühle obendrein unter Denkmalschutz stand und steht. Auch hier gab es Auflagen zu erfüllen - und die deckten sich nicht mit den Vorstellungen des Brandschutzes. Die Konsequenz: Die Tiere durften bleiben, für Gäste aber war das Areal nun geschlossen.

Zwei umkämpfte Jahre und 200 000 investierte Euro später, erzwang Peter eine Lösung - und durfte wieder aufsperren. Seither dürfen sich wieder Kinder neben ein Schwein auf den Boden legen. "Es ist ein enormes Erlebnis, wenn man da daneben liegt und sieht, welche Ruhe so ein Tier ausstrahlen kann", sagt Peter. Zu ihr kommen Kinder aus Förderschulen, oder ganz privat aus Familien. Sie kommen aus dem Landkreis Ebersberg, die zweite große Gruppe kommt aus der Landeshauptstadt, sagt Peter. "Vom Münchner Osten bis nach Germering haben wir Kinder hier", sagt sie. Alles Gäste, die wegen Tieren anreisen, die anderswo keine Bleibe mehr hatten.

29 Pferde, die Hälfte davon Ponys. Ein Paradies für Kinder, so klingt es. Das Besondere an den Tieren im Brucker Gnadenhof: Sie sind nicht auserkoren, sondern werden aufgefangen, nachdem sie vorher von irgendjemandem aussortiert wurden. Etwa eine Andalusier-Stute, sechs Jahre alt und damit noch sehr jung, die aber von Geburt an nie richtig versorgt wurde. "Sie kam zu uns und hatte so starke Hufprobleme, dass sie praktisch nicht laufen konnte", sagt Peter. Also kam das Pferd in Behandlung, in Absprache mit Tierärzten wurde das Problem weniger. Heute läuft es, zwar unrund, aber immerhin. "Wer sich für Andalusier-Pferde interessiert, für den ist sie kein Thema", sagt Peter. Den Kindern der Alten Brucker Mühle aber ist der unrunde Gang der Stute egal.

Darum geht es, um Tiere wie die sechsjährige Stute mit dem Gehfehler. Stand Dienstagabend haben die Betreiber der Alten Mühle gut 28 000 Euro beisammen. "So schockiert wir waren, umso mehr sind wir begeister, wie sehr die Leute uns nun fördern", sagt Regina Peter. Die Fütterung der Tiere ist vorerst gesichert, sagt sie. Damit der Gnadenhof an der Alten Brucker Mühle weiterhin eine sichere Zukunft hat, fehlen noch einige Euros.

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© SZ vom 03.04.2020/koei
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