Stadtentwicklung Ebersberg:Nullrunde am Marienplatz

Stadtentwicklung Ebersberg: Der Entwurf der Gräfelfinger Architekten Claudia Weber-Molenaar und Klaus Molenaar aus dem Jahr 2014 ist noch immer Beschlusslage für den Umbau des Ebersberger Marienplatzes.

Der Entwurf der Gräfelfinger Architekten Claudia Weber-Molenaar und Klaus Molenaar aus dem Jahr 2014 ist noch immer Beschlusslage für den Umbau des Ebersberger Marienplatzes.

(Foto: Stadt Ebersberg)

Der lange geplante Umbau der Ebersberger Innenstadt verschiebt sich weiter. Frühestens 2025 soll es dort mit der Neugestaltung losgehen.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Mehr als ein Jahrzehnt nachdem die Politik einen Plan für den Umbau des Marienplatzes auf den Weg brachte, könnte es mit der Umgestaltung der Ebersberger Innenstadt tatsächlich losgehen. Zumindest nach dem kürzlich von Technischem Ausschuss und Stadtrat beschlossenen Antrag an die Städtebauförderung. Demnach könnten von 2025 erste Maßnahmen beginnen - frühestens.

Denn zunächst ist "eine Nullrunde" am Marienplatz vorgesehen, so Bauamtsleiter Christian Stöhr bei der Vorstellung des Antrages. Sowohl für den Marienplatz wie für den angrenzenden Stadtgarten sollen 2024 keine Mittel eingeplant und somit auch keine beantragt werden - für die Folgejahre allerdings schon: Je 200 000 Euro sollen 2025 und 2026 für die Umgestaltung des Stadtgartens ausgegeben werden, der Marienplatzumbau soll laut Plan 2025 sogar mit 250 000 Euro, im Jahr darauf mit 700 000 und 2027 sogar mit 1,25 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Etwa 60 Prozent der Kosten für den Umbau könnten von der Städtebauförderung kommen

Wie viel Geld die Stadt dafür als Fördermittel aus dem Programm "Lebendige Zentren" erhalten wird, ist offen. Bei der Stadt geht man von 60 Prozent aus, dies hängt aber auch davon ab, wie groß der Fördertopf insgesamt wird. In den vergangenen Jahren standen für das Programm jeweils 300 Millionen Euro zur Verfügung. Dass die Stadt sich um Fördermittel quasi nicht bewirbt - konkret geht es im kommenden Jahr lediglich um verschiedene Konzepte und Planungen mit Kosten von 70 000 Euro, die mit bis zu 42 000 Euro gefördert werden könnten - sondern für ein nicht unerhebliches Bauprogramm eine Bewerbung bloß in Aussicht stellt, ist in Ebersberg gewissermaßen bereits Tradition.

Denn seit Jahren meldet die Kreisstadt den Marienplatz beziehungsweise dessen Umgestaltung bei der Städtebauförderung an - nur eben immer für später. Was daran liegt, dass die Ebersberger Finanzen einen auch geförderten Umbau von Marienplatz und Stadtgarten nicht hergeben. Andererseits möchte man sich aber auch nicht die Optionen auf Fördergeld verbauen, weshalb man eben die Maßnahmen anmeldet - aber jedes Jahr um ein weiteres nach hinten verschiebt. Dies empfiehlt auch die Städtebauförderung selbst, man solle "das Projekt weiter in der Bedarfsmeldung zu halten, da weiterhin Chancen für eine Umsetzung gesehen werden".

Allerdings ist nicht nur der Zeitplan umstritten, auch die Maßnahmen selbst sind es. So wurde 2014 beim Architektenwettbewerb zwar ein Siegerentwurf gekürt, dieser traf in der Stadt indes nicht unbedingt auf uneingeschränkte Zustimmung. Kritik kam vor allem daran auf, dass die Planer, die Gräfelfinger Architekten Claudia Weber-Molenaar und Klaus Molenaar, die Mariensäule versetzen und dafür die derzeit dort stehenden vier Linden fällen lassen wollten. Sogar eine Petition mit mehr als 1000 Unterschriften für den Erhalt der Bäume wurde im Rathaus eingereicht.

Stadtentwicklung Ebersberg: Wie eine grüne Insel im Straßengrau wirkt der Ebersberger Marienplatz im Sommer. Das soll auch so bleiben, finden viele in der Stadt.

Wie eine grüne Insel im Straßengrau wirkt der Ebersberger Marienplatz im Sommer. Das soll auch so bleiben, finden viele in der Stadt.

(Foto: privat)

Ärger über die Planung äußerten auch Geschäftsleute, denn bei der Umgestaltung sollen auch einige Parkplätze entfallen - und damit auch einige Kundenbesuche, warnte man seitens des Einzelhandels. Zumindest für dieses Problem steht eine zeitnahe Lösung an - auch dafür wurden bei der Städtebauförderung Mittel beantragt. Konkret geht es um 400 000 Euro im Jahr 2025 und weitere 200 000 im Folgejahr zum Bau von Parkplätzen zur Entlastung des Marienplatzes.

Diese werden auf jeden Fall entstehen, nämlich in der Tiefgarage unter dem Neubau der Kita St. Sebastian zwischen Pfarrer-Bauer- und Ulrichstraße. Bereits beschlossen hat der Stadtrat, dass man mehr Parkplätze errichten soll, als für den Kita-Betrieb nötig, laut Stöhr könnte man für jeden dieser zusätzlichen Plätze zwischen 13 000 und 14 300 Euro von der Städtebauförderung bekommen.

Ein neues Mobilitätskonzept macht Hoffnung auf eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt

Für Stadtgarten und Marienplatz sollen zudem im kommenden Jahr Beratungen stattfinden, wie und wann es mit dem Umbau weitergehen kann. Dies wohl zum einen vor dem Hintergrund der klammen Stadtfinanzen - zum anderen aber auch, weil es möglicherweise die Chance auf eine Verkehrsentlastung für den Marienplatz ergeben könnte.

Das im November auf der Bürgerversammlung vorgestellte Mobilitätskonzept sieht eine Art Bypass für das historische Zentrum der Kreisstadt vor. Demnach könnte man die derzeit als Einbahnstraße westlich am Landratsamt vorbeiführende Eichthalstraße in beide Richtungen öffnen, Bahnhofstraße und Marienplatz könnten dann für den Schwerverkehr gesperrt werden. Eine Entscheidung des verantwortlichen Staatlichen Bauamtes in Rosenheim steht aber noch aus.

Weitere Maßnahmen mit Förderanspruch könnten sich aus der geplanten Erarbeitung eines Klimaanpassungsprogramms ergeben. Hierfür sind erst einmal 20 000 Euro für 2024 eingeplant, konkret soll es unter anderem um Dach- und Fassadenbegrünung, Baumpflanzungen und Schaffung von insektenfreundlichen Blühflächen, sowie die Entsiegelung von Höfen und Freiflächen gehen.

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