Naturschutz Nach Baggerarbeiten der Stadt treibt ein toter Baby-Biber in der Ebrach

Damit das Wasser der Ebrach wieder ungehindert fließen kann, hat die Stadt Ebersberg einige Biberdämme entfernen lassen.

(Foto: Christian Endt)

In einem Landschaftsschutzgebiet bei Ebersberg gehen Baggerfahrer gegen Biberbehausungen vor. Darf man das?

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Nur die Pfoten ragen noch aus dem Wasser. Ein Fellknäuel mit zwei Schneidezähnen, die nie mehr einen Baum anknabbern werden. Der Baby-Biber liegt tot in der Ebrach, einem Bach, der an der Stadtgrenze von Ebersberg durch ein Landschaftsschutzgebiet fließt. Zwischen Schilf, Wiese und Pappeln erstreckt sich ein wahres Paradies für Insekten, Vögel und Kröten. Und vor allem für Biber. Einer von ihnen treibt nun reglos im Wasser.

Ein Tag im April, unterhalb der Haselbacher Kirche sind am Ufer der Ebrach Baggerspuren im Schilf zu erkennen, daneben drei Haufen voll mit Geäst, Rinde und Blättern. Unschwer zu erkennen, dass es sich hier um Überbleibsel von mehreren zerstörten Biberdämmen handelt. Ist der kleine Biber dadurch gestorben? War er vielleicht in seiner Behausung, als eine Baggerschaufel mit dem Abbruch begann? Wobei das Tier keine erkennbaren äußeren Verletzung hat. Was also ist am Ufer der Ebrach passiert?

Diese Frage stellten sich auch Anwohner aus Ebersberg, die in diesem Gebiet regelmäßig spazieren gehen, sie haben den toten Biber vor Kurzem entdeckt. Ihnen waren die Haufen aufgefallen, die von einen Tag auf den anderen am Ufer der Ebrach aufgeschüttet lagen. Ihr Schluss: Da hat der Mensch eingegriffen, mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Das sagt das Landratsamt

Wie dieser Tage beim Landratsamt Ebersberg zu erfahren ist, hatten die Anwohner mit ihrer Vermutung recht. Johann Taschner, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt erklärt, dass im besagten Bereich der Ebrach ein gezielter Eingriff vorgenommen wurde, und zwar von der Stadt Ebersberg. "Die Biberdämme verhindern den Abfluss des Wassers", erklärt Taschner, weswegen die Aktion auch aus Sicht seiner Behörde notwendig gewesen sei. Andernfalls drohe ein Rückstau und eine Überflutung der Rückhaltebecken an der Ebrach. Im ungünstigsten Fall könnten dann Keller von Häusern oder Betrieben am Ortsrand vollaufen. Taschner: "Dann entsteht da unten ein See."

Der Biber, für die einen vor allem Schädling, für die anderen ein wichtiger Umweltarchitekt. Unerbittlich verfolgt, war er in Europa lange fast verschwunden, ehe die Tiere in den 1960er-Jahren nach Bayern zurückkehrten. Um die 18 000 Biber leben derzeit im Freistaat, mehr als in jedem anderen Bundesland. Im Landkreis Ebersberg sind ihre Spuren in diesen Frühlingstagen gut zu sehen. Am Ufer der Ebrach liegen Dutzende angenagter Bäume auf dem Waldboden. Nur wo Landratsamt und Stadt Gitter am Stamm angebracht haben, sind die Bäume unverletzt.

Für das Ebersberger Landratsamt läuft unten an der Ebrach alles so, wie es im Zusammenleben von Biber und Mensch sein soll, so Taschner. Der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde sieht indessen keinen Zusammenhang zwischen den Beseitigungsarbeiten und dem toten Baby-Biber. Taschner nennt einen anderen Grund, der für ihn plausibler ist. "Die Jungtiere werden von ihren Müttern von daheim rausgebissen, wenn sie sich nicht irgendwann selbst ein Revier suchen", so Taschner - was manchmal zu schweren Verletzungen führt.

Taschner berichtet von einem Jungbiber, den seine Behörde kürzlich im Bereich des Grafinger Spiegelweihers entdeckt hat. "Wir sind dazu gekommen, da war er schon so schwer verletzt, dass ihm der Jäger nur noch den Gnadenschuss geben konnte", sagt Taschner. Sein Fazit: Er hält es für wahrscheinlicher, dass der Biber an der Ebrach nicht durch eine Baggerschaufel zu Tode kam - sondern durch einen Artgenossen.

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