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Bundesverkehrswegeplan:Gemeinsam für den Ostkorridor

Die Ebersberger Bundestagsabgeordneten befürchten, dass mit dem Bau des Brenner-Basistunnels die Belastung der Schienenstrecke im Landkreis zu hoch wird. Für zwei Umfahrungen sehen sie schlechte Chancen.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Es wird spannend: In der Woche vor Ostern soll der Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans vorgelegt werden. In ihm sind alle Vorhaben des Bundes zusammengefasst, die in den nächsten Jahrzehnten realisiert werden sollen. Auch zwei Straßenprojekte aus dem Landkreis sind grundsätzlich angemeldet - allzu hoch sollten aber Kirchseeon und Steinhöring ihre Hoffnungen auf Umgehungsstraßen nicht hängen, so die vorsichtige Einschätzung der beiden Ebersberger Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer (SPD) und Andreas Lenz (CSU).

Besonders wichtig ist ihnen, dass ein anderes Projekt Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan findet: der sogenannte Ostkorridor, der nach der Eröffnung des Brenner-Basistunnels verhindern könnte, dass der ganze Güterzugverkehr von und nach Italien durch den Landkreis rattert.

Aus diesem Grund haben die beiden Ebersberger Abgeordneten auch einen gemeinsamen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) geschrieben. Darin weisen sie auf die bereits jetzt hohe Belastung auf der Bahnstrecke Richtung Rosenheim hin - und die enormen Steigerungsraten, die nach der Eröffnung des Brenner-Basistunnels zu erwarten sind. Statt 250 wären es dann bis zu 360 Züge täglich.

"Aus unserer Sicht ist neben deutlichen Verbesserungen beim Lärmschutz auch eine Entlastung der bestehenden Bahnstrecke dringend erforderlich. Es können nicht alle Güter- und Personenverkehre über den Knotenpunkt München und die Strecke München-Rosenheim abgewickelt werden", so die beiden Abgeordneten in einem gemeinsamen Brief . Der Ostkorridor wäre eine Nord-Süd-Verbindung, die abseits der Landeshauptstadt über Regensburg, Landshut und Mühldorf nach Rosenheim führen würde. Der Ausbau dieser Strecke sei "mittel- und langfristig unverzichtbar".

Recht einig sind sich die beiden Ebersberger Bundespolitiker auch in ihrer Einschätzung zu den beiden Straßenbauprojekten im Landkreis, die ebenfalls vom Freistaat für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet wurden. Zwar leiden beide Orte unter dem Verkehr, gerade morgens und abends sind die Autos in den Ortsdurchfahrten Stoßstange an Stoßstange unterwegs.

Doch in Kirchseeon ist das Problem, dass eine Südumfahrung - die ebenso vorgeschlagen ist wie die extrem teure Tunnellösung - auf große Widerstände in Teilen der Bevölkerung trifft. Wenn es um eine Umgehungsvariante so viele Diskussionen gebe, schmälere das die Chancen, in den vordringlichen Bedarf aufgenommen zu werden, erläutert Schurer. "Wenn man sich vor Ort nicht einig ist, ist das für die Priorisierung nicht gut", sagt auch Lenz.

Allzu große Aussichten für eine baldige Realisierung des Projekts sieht er daher nicht. Die Aufnahme einer Steinhöringer Umfahrung in den vordringlichen Bedarf - nur diese Projekte haben die Aussicht, halbwegs zeitnah realisiert zu werden - sehen beide Abgeordnete ebenfalls wenig realistisch. Hier fehle eine konkrete Trassenführung, so Lenz. Er könnte sich zwar vorstellen, dass Steinhöring in der Zukunft eine ortsnahe Umgehung bekomme, sagt Schurer, doch gehe er nicht davon aus, dass ein derartiges Vorhaben sich bereits jetzt im Wettbewerb zu den vielen anderen Projekten in Bayern durchsetzen könne.

Der neue Bundesverkehrswegeplan, der bis 2030 gelten wird, sollte ursprünglich bereits nach der Sommerpause 2015 veröffentlicht werden. Der Termin hat sich inzwischen mehrmals verschoben, zunächst sollte die Präsentation Mitte Februar stattfinden, nun wurde Mitte März als Termin angekündigt.

© SZ vom 12.01.2016

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