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SZ-Serie: Auf Touren:Durch das stille Glonntal

Rapsfeld mit Kirche im Bairer Winkel, 2020

Der Zwiebelturm der Weiterskirchener Kirche erhebt sich über die Felder.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der zweistündige Spaziergang bietet auf 6,5 Kilometern schöne Ausblicke, kostbare Kirchenkunst und am Ende eine idyllische Einkehr

Südöstlich von Glonn liegt Piusheim, bekannt durch die Freie Schule Glonntal, die Glonntaler Backkultur und das Dorf Piusheim. Ein wunderbarer Ausgangspunkt, um diesen Teil des Landkreises zu Fuß zu erschließen. Geprägt wird die Landschaft durch die vom Inngletscher aufgeschobenen Moränenhügel. Nicht versäumen sollten wir in der bei Piusheim gelegenen Wald- und Wiesenzone den Abstecher zur Wallfahrtskirche Frauenbründl und zu der Haslacher Kirche St. Koloman mit einer Kreuzigungsgruppe vom Meister von Rabenden. Der Weg entlang der Glonn zwischen Mattenhofen und Obermühle führt durch ein naturbelassenes Erholungsgebiet und bietet uns bei klarer Sicht einen beeindruckenden Blick auf das Mangfallgebirge. Startpunkt ist in Piusheim am Parkplatz der Glonntaler Backkultur mit Bio-Café und Restaurant.

Wir schlängeln uns in nordöstlicher Richtung auf dem Raphaelweg durch das Gelände, das Blasius Gerg und Bernhard Obermaier 2006 erworben haben. Sie wollen es im Sinne der Nachhaltigkeit zu einem "lebendigen Dorf" entwickeln. Durch den Einsatz regenerativer Energien sollen die ersten Schritte eingeleitet werden. Getragen wird die Vision, durch Handwerks- und Landwirtschaftsbetriebe, auf Dauer eine Selbstversorgung herzustellen. Parallel dazu soll durch das Zusammenleben unterschiedlicher Altersgruppen das Generationenwohnen umgesetzt werden.

Der Weg führt häufig an der Glonn entlang.

(Foto: Bayerische Vermessungsverwaltung)

Über die Frauenbründlstraße erreichen wir die Hauptstraße nach Frauenbründl/Weiterskirchen. Auf der linken Seite zeigt sich der Weiler Bretzen mit seinem restaurierten Bauernhof und dem angrenzenden Pferdegestüt von seiner besten Seite. Die nächsten 500 Meter verlaufen auf der wenig befahrenen Hauptstraße direkt in nördliche Richtung. Ein kleiner Abstecher führt geradeaus weiter zur Wallfahrtskapelle Frauenbründl. Wir aber nehmen die erste Abzweigung nach links. Auf einem breit angelegten Feldweg geht es mit Blick auf die weiten Wiesen bis zum Waldrand. Dort halten wir uns nur wenige Meter nach links. Für Familien mit Kindern lohnt sich ein 200 Meter weiter kleiner Abstecher, der allerdings an der Kreuzung direkt bis zum Herrmannsdorfer Waldkindergarten weiterführt. Ein tolles Gelände zum Spielen. Wir aber wandern gleich rechts aufwärts durch den Wald in nördlicher Richtung. Gleich hinter dem Waldrand geht es nur wenige Meter über einen ausgefahrenen Wiesenweg, der nach der kleinen Anhöhe auf einen breiten Feldweg übergeht. Es erschließt sich in nördlicher Richtung hinter den saftig grünen Wiesen der Ortsteil Weiterskirchen mit der Filialkirche St. Maria mit ihrem typischen Zwiebelhaubenturm. Im Osten fügt sich die Wallfahrtskirche Frauenbründl auf wundervolle Art und Weise in die Wald- und Wiesenlandschaft ein. In Richtung Nordwesten richtet sich das Augenmerk auf eine weitere kleine Kirche, die etwas später noch aus der Nähe betrachtet werden kann. Wir schlendern leicht abwärts und halten uns an der Gabelung links auf dem Feldweg und der Frauenbründlstraße bis nach Haslach.

Der Weg verläuft vorbei an einem Feldkreuz neben einer alten Linde, umgeben von Obstbäumen. Nach der Linkskurve leitet eine kleine Treppe zur Filialkirche St. Koloman hinauf, einem spätgotischen Saalbau mit leicht eingezogenem Polygonalchor. Erhaben ruht sie oberhalb des Glonntales. Leider ist sie meistens verschlossen. Der jetzige frühbarocke Hochaltar mit der Figur Kolomans stammt von 1642. Besonders kostbar ist die Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Sie wird als eigenhändiges Werk des Meisters von Rabenden bewertet. Bedeutsam sind auch die 16 Bilder an der Brüstung der Empore. Diese berichten vom Leben des Patrons. Weitere Werke des Künstlers findet man auch im Schloss Unterelkofen und in der Filialkirche St. Jakobus der Ältere in Rabenden bei Altenmarkt an der Alz, dessen in Bronze geschliffener Volksaltar 2014 von der in Ebersberg ansässigen Kunstschmiede Bergmeister geschaffen wurde. Wir gehen wenige Meter wieder zurück, wandern nach links steil abwärts und noch einmal links auf der Talstraße, parallel zur Frauenbründlstraße, bis zur Bushaltestelle an der Hauptstraße.

Auf der Glonn tummeln sich Enten.

(Foto: Christian Endt)

Direkt vor uns liegt ein Gebäude der Freien Schule Glonntal. Das Konzept dieser privaten Schule mit zwölf Klassenstufen basiert auf einer Erlebnispädagogik, sowie einem breit gefächerten künstlerischen, handwerklichen und wissenschaftlichen Ausbildungsangebot im Rahmen einer offenen Ganztagsschule. Wir orientieren uns nur wenige Meter nach rechts und erneut links auf der asphaltierten Straße bis zur kleinen Brücke über die Glonn Richtung Mattenhofen. Der Fluss entspringt in der gleichnamigen Gemeinde und mündet nach 27 Kilometer bei Bad Aibling in die Mangfall. Der Blick streift über das Glonntal, einem Relikt aus einer glazial geformten Endmoränenlandschaft, und zieht sich in südlicher Richtung weiter auf die Soinwand, den Wendelstein, den Breitenstein und den Großen Traithen, alles Gipfel des Mangfallgebirges. Beginn der Abkürzung nach links. Sie reduziert die Länge unserer Wanderung auf 5,3 Kilometer und führt an der ersten Kreuzung nach links in südwestlicher Richtung bis kurz vor Obermühle. Wir nehmen den Weg nach rechts Richtung Mattenhofen. An der Dreieckskreuzung schlagen wir den Weg nach links Richtung Frauenreuth ein und halten uns an der nächsten Kreuzung geradeaus. S-förmig verläuft der Feldweg Richtung Piusheim bis zum Waldrand. In Richtung Nordosten zeigt sich noch einmal Haslach und St. Koloman. Malerisch schlängelt sich der Feldweg durch die Waldlandschaft.

Wir halten uns an der ersten kleineren Gabelung rechts. Der Weg setzt sich erst in südlicher und später in westlicher Richtung fort. Ende der Abkürzung. Wir wandern weiter auf einer leichten Rechtskrümmung nach Obermühle, überqueren die kleine Brücke an der Mühle und schließen mit einem kleinen Spaziergang durch die Anlage und mit der Besichtigung der Hauskapelle St. Raphael die Wanderung ab. Die Glonntaler Backkultur kommt wie gerufen. Unweit des alten Schulgebäudes, umgeben von einer herrlichen Terrasse, liegt deren großzügig neu gestaltetes Ambiente malerisch an einem kleinen Weiher, das zu allen Jahreszeiten einen angenehmen Aufenthalt verspricht.

Die Tour zusammengestellt hat Jochen Hoepner, Naturfreund und Radlfahrer aus Baldham. Der aus Schleswig-Holstein stammende Hoepner publiziert seit 2016 Rad- und Wanderführer im Eigenverlag. Entnommen ist diese Tour dem Buch "Wandern durch die Jahreszeiten" im Landkreis Ebersberg, 1. Auflage, 2019, erhältlich zum Preis von 15 Euro bei allen lokalen Buchhändlern

© SZ vom 04.08.2020

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