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Aßling:Willkommen in der digitalen Hundeschule

Digitaler Hundekongress

Rhodesian Ridgeback Laya ist der Liebling der Aßlinger Familie Mors. Marisa Mors will sich beim Online-Kongress ein paar Tipps für die Hundeerziehung holen, auch Lilly, Lucy und Lucas sind gespannt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Marisa Mors aus Aßling lernt in einem Online-Kongress den richtigen Umgang mit ihrem Rhodesian Ridgeback. Die Kommandos gibt sie vom Computer aus.

Von Michaela Pelz, Aßling

Ein Platz auf der Couch ist eine feine Sache. Vor allem, wenn man sich dort mitten zwischen seine Lieben kuscheln und jede Menge Streicheleinheiten genießen kann. Das sieht auch Laya so, sieben Monate alt und ein Rhodesian Ridgeback. Ob die Junghündin statt abends mitsamt den drei Kindern der Familie Mors in den Fernseher zu schauen, sich allerdings von diesem Freitag an ein paar Tage lang dem Computer zuwenden wird, ist noch nicht klar. Frauchen Marisa allerdings wird das mit großem Interesse tun. Sie hat fest vor, den "Hunde-Onlinekongress" zu verfolgen.

Angemeldet hat sich die Aßlingerin dort auf Anregung von Janey May. Diese ist nicht nur Tierärztin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und Multiplikatorin für "Der blaue Hund", einem Bisspräventionsprogramm, sondern auch Tiertrainerin und Mutter einer Tochter im Kindergartenalter. Das macht sie zur idealen Speakerin im Bereich "Kind - Hund - Sicherheit" beim Hunde-Onlinekongress von Freitag, 13., bis Mittwoch, 18. November.

Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltungsreihe, die sich mit "Hundehaltung und Hundeerziehung" beschäftigt, von der Brandenburgerin Ariane Ullrich. Als Verhaltensbiologin, Hundetrainerin und "Hundetrainertrainerin" (Prüferin im IHK Lehrgang zum Hundeerzieher und Verhaltensberater IHK) fand sie die Idee bestechend, "auf einfache Weise schnell viel Wissen zu verbreiten und Neues kennenzulernen". Also hob sie 2019 die erste Auflage aus der Taufe - damals mit rund 5000 Teilnehmenden. Diesmal verzeichnet sie eine gute Woche vor dem Event 8700 Anmeldungen.

Der Kongress mit seinen knapp 30 Interviews, drei Livediskussionen und zwei Workshops ist zunächst einmal gratis. Jeden Tag erhalten die angemeldeten Personen per Newsletter einen Link zu den Videos des Tages, die sich 24 Stunden lang abrufen lassen. Wer das Material auch später noch ansehen möchte, kann ein Kongresspaket mit allerlei Extras kaufen. "Darüber finanzieren wir die kostenlose Version", erklärt Organisatorin Ullrich, selbst fünffache Mutter, was sicherlich mit dazu beigetragen hat, dass es an zwei Tagen ausschließlich um "Kind & Hund" geht.

Die im Landkreis Rosenheim lebende Janey May ist von dem Konzept einer virtuellen Konferenz absolut überzeugt. Kein Wunder, bietet sie doch selbst Onlinetraining an. Wie funktioniert das? Muss sie nicht selbst vor Ort sein, um den Tieren Kommandos geben zu können? Darauf angesprochen meint sie lachend, so etwas gebe es nur im Fernsehen. Schließlich solle der Hund ja lernen, auf seinen Halter zu hören und nicht auf eine andere Person. Außerdem sei es auch für die Menschen wesentlich leichter, Übungen durchzuführen, wenn sie ihre Aufmerksamkeit nicht zwischen Hund und Trainerin teilen müssten. Stattdessen wird die Trainingssituation am Bildschirm vorher und nachher gemeinsam besprochen.

Andererseits gebe es natürlich gute Gründe für ein Training vor Ort, gerade, wenn es um sozialkompetentes Verhalten anderen Hunden gegenüber geht. Das weiß auch Marisa Mors, der bei der Entscheidung für einen Rhodesian Ridgeback gleich klar war, dass sie Welpenstunde und Junghundegruppe besuchen würde. "Das ist bei einem großen Tier mit so einem massigen Körper besonders wichtig." Denn auch ein absoluter Familienhund wie Laya habe natürlich am Anfang viel lernen müssen: nicht hochzuspringen, beim Abendessen der Menschen Ruhe zu geben, nicht überall hineinzubeißen.

Gerade in diesem Punkt habe sich eine ganz wichtige Regel gezeigt: Niemals dürfe man die Erziehung den Kindern überlassen. Denn klar seien die weggerannt, wenn die Hündin sie mit ihren kleinen Zähnen angenagt habe, weswegen diese dann dachte, das sei ein lustiges Spiel. Das wurde Laya natürlich abgewöhnt, dennoch passt Mors stets sehr gut auf, wenn sie mit ihrer Hündin unterwegs ist, auch weil diese "alle Kinder heiß und innig liebt, weswegen sie schwanzwedelnd sofort auf sie zugeht". Ein Leben ohne Hund kann sich die Familie aus Aßling nicht vorstellen: "Unsere erste Hündin war schon vor den Kindern da, sie sind mit ihr aufgewachsen."

Auch das ist ein Thema, über das Janey May beim Kongress spricht: Wie bereitet man den Hund auf menschlichen Nachwuchs vor? Sie rät zum "Puppentraining", bei dem mit Puppe im Arm wichtige Signale geübt werden. Und dazu, den Hund an Geräusche wie Babyweinen zu gewöhnen. Diese Art Training braucht Laya nicht mehr, aber auch für sie gibt es natürlich noch einiges zu lernen. Gleiches gilt für die Halter-Familie. Sie muss erkennen können, wenn der Hund Stress hat und eine Rückzugsmöglichkeit braucht. Auch beim abendlichen gemeinsamen TV-Genuss.

Ach ja: Zwar darf Laya auf die Couch, dafür sind die Schlafräume - zum Bedauern der Kinder - tabu. Da ist die Mutter eisern. Das verhindert schon das Gitter an der Treppe im Erdgeschoss. So hat jeder seinen Bereich und Marisa Mors die Chance, sich ganz ohne Ablenkung dem Online-Treffen mit anderen Hundemenschen zu widmen.

© SZ vom 13.11.2020/koei
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