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Dokumentarfilm:Die Schönen und das Biest

Selbstporträt des Meisters.

(Foto: Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation)

2020 wäre Helmut Newton 100 geworden. Im Kino läuft nun ein Porträt des TV-Journalisten Gero von Boehm, das dem weltberühmten Fotografen eine Geburtstagsgirlande bindet - und auf kritische Standpunkte verzichtet.

Von Josef Grübl

Der weltberühmte Fotograf Helmut Newton und der deutschlandweit bekannte TV-Journalist Gero von Boehm lernten sich 1997 bei einem Abendessen in Paris kennen. Sie hätten sich auf Anhieb verstanden, sagt Boehm, man hatte "einen sehr ähnlichen Humor". 2002 drehte er ein Newton-Porträt fürs ZDF, zwei Jahre später starb der Fotograf 83-jährig bei einem Autounfall in Los Angeles. Jetzt hat der Fernsehmann das alte Material noch einmal herausgeholt und neues Material hinzugefügt, das Ergebnis läuft im Kino.

Für Dokumentarfilmer ist es natürlich nie verkehrt, wenn sie die zu porträtierenden Personen gut kennen. Wenn sie ihnen aber so offensichtlich wohlgesonnen sind, beziehungsweise sie sogar als ihre Freunde betrachten, wird es dagegen schwierig. So auch in diesem Fall: Gero von Boehm hat viele prominente Frauen interviewt, die nur in den höchsten Tönen von Helmut Newton schwärmen. Das ist einerseits nachvollziehbar, galt er ja tatsächlich als einer der prägendsten Fotografen des späten 20. Jahrhunderts. Andererseits war der in Berlin geborene Newton auch stets umstritten, er inszenierte oft starke und kämpferische Frauen in sexuell unterwürfigen Posen. Er liebte seine Models, das betonte er auch immer wieder. Gleichzeitig sprach er aber nicht mehr mit ihnen, wenn sie keine Nacktbilder machen wollten - wie Nadja Auermann im Film erzählt. Es hätte also durchaus eine spannende Dokumentation werden können, mit unterschiedlichen Standpunkten zum 100. Geburtstag, den Helmut Newton dieses Jahr gefeiert hätte. Herausgekommen ist aber nur eine gefällige Geburtstagsgirlande.

Helmut Newton - The Bad And The Beautiful, Regie: Gero von Boehm

© SZ vom 09.07.2020

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