Kriminalität Diebe brechen Schließfächer in Commerzbank auf

In der Commerzbank am Promenadeplatz verschwand viel Geld aus einem Schließfach.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl gegen mehrere Personen erlassen, nachdem aus Schließfächern einer Commerzbank mehrere Millionen Euro verschwunden sind.
  • Der Fall gibt mehrere Rätsel auf. Es ist unklar, wie viel Geld von wem möglicherweise entwendet wurde.
  • Sowohl die Rolle der Bank, als auch die der Mitarbeiter und Kunden erscheint dubios.
Von Julian Hans

Ein spektakulärer Diebstahl beschäftigt die Münchner Justiz. Nachdem aus Schließfächern der Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz mehrere Millionen Euro verschwunden sind, hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen mehrere Personen erlassen. Seit Anfang April sitzen auch eine Angestellte der Bank und ihr Sohn in Untersuchungshaft.

Der Fall gibt viele Rätsel auf. Sie beginnen schon bei der Herkunft des Geldes. Die tz hatte am Montag berichtet, eine reiche Russin habe im November 2016 insgesamt 32 Millionen Euro in sieben Schließfächern unter dem Promenadeplatz eingeschlossen. Dieser Vorgang habe sich wohl unter den Mitarbeitern der Filiale herumgesprochen. Die Angestellte, die nun in Untersuchungshaft sitzt, wird beschuldigt, ihrem Sohn von der Sache erzählt und ihn mit internen Informationen aus der Bank versorgt zu haben. Dieser habe daraufhin mit weiteren Personen ebenfalls ein Schließfach angemietet, um auf diese Weise Zugang zum Tresorraum zu bekommen. Die Türen dorthin lassen sich nur mit Magnetkarten und Pin-Nummern öffnen, die Mitarbeiter aber auch Kunden der Bank bekommen.

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Am 10. April 2018 stellte ein Servicemitarbeiter Aufbruchsspuren an mehreren Schließfächern fest. Offensichtlich waren sie gewaltsam geöffnet und im Anschluss mit einem Klebstoff wieder verschlossen worden. Ohne eine Quelle zu nennen berichtet die tz, die Diebe seien drei Mal im Tresorraum gewesen - im Dezember 2017 und jeweils Anfang Februar und Anfang März 2018. Am Ende fehlten demnach mehr als 4,6 Millionen Euro.

"Die 4,6 Millionen sind völlig fraglich, weil die Angaben der Geschädigten nicht zusammenpassen", sagt der Strafverteidiger Andreas Schwarzer, der den 30 Jahre alten Sohn der Bankangestellten vertritt. Aus den Ermittlungsakten gehe lediglich hervor, dass Ende 2016 insgesamt zehn Millionen Euro per Geldtransporter von der Bundesbank geliefert wurden. Weitere 34 Millionen Dollar lagen im Mai vergangenen Jahres auf einem Währungskonto, das die aus Saratow an der Wolga stammende Frau ebenfalls bei der Commerzbank eröffnet hatte.

Verfahren wegen Geldwäsche

Auch bei den Schließfächern gab es wohl viel hin und her. Erst seien zehn Fächer angemietet worden, dann wurde das Geld doch nur in sieben Fächern verstaut. Später wurde es auf vier Fächer umgelagert. Erst waren es 200-Euro-Scheine, dann wurde eine Millionensumme in 500-Euro-Scheine umgetauscht. Gegen die Kundin und ihren Sohn läuft inzwischen ein Verfahren wegen Geldwäsche.

Das Geldwäschegesetz verpflichtet die Banken in Deutschland dazu, Einzahlungen von mehr als 15 000 Euro an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu melden. So soll verhindert werden, dass Geld aus kriminellen Quellen versteckt oder zurück in den legalen Wirtschaftskreislauf gebracht wird.

Bei einer russischen Kundin, die mehrere Millionen in Schließfächern unterbringen möchte, müssten bei jedem Bankmitarbeiter eigentlich die Alarmglocken schrillen. Ob die Commerzbank den Fall ordnungsgemäß gemeldet hat, und welche Maßnahmen die Bafin daraufhin ergriffen hat, müssen die Ermittler ebenfalls klären. Eine Sprecherin der Bank sagte, Kunden könnten mit Pin und Karte frei über ihr Schließfach verfügen. Deshalb sei es ungewiss, wie viel Bargeld sich in dem Fach der Frau tatsächlich befand. Der Vorfall sei möglicherweise ein gezielter Angriff gegen die Kundin gewesen, andere Schließfächer blieben unberührt.

Auch das Sicherheitssystem und die Überwachungskameras geben offenbar keine eindeutigen Antworten auf die Frage, wie viel Geld von wem hin und her verteilt und möglicherweise entwendet wurde. So speichern die Chipleser an den Zugangstüren wohl nur einige Hundert Aktionen. Danach wird der Speicher mit neuen Vorgängen überschrieben. Ähnlich verhält es sich wohl mit den Überwachungskameras. Laut dem Strafverteidiger Schwarzer sollen deshalb vom Dezember 2017 keine Aufzeichnungen mehr vorliegen.

Die Ermittler versuchen bereits seit mehr als einem Jahr, Licht in den verworrenen Fall zu bringen, bei dem sowohl die Rolle der Bank als auch die ihrer Kunden und Mitarbeiter dubios erscheinen. "Wir äußern uns aus taktischen Gründen nicht zu den laufenden Ermittlungen", sagte die Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft, Anne Leiding. Die Staatsanwaltschaft bestätigt lediglich, dass ein Ermittlungsverfahren wegen des Diebstahls aus den Schließfächern der Commerzbank läuft und dass in diesem Zusammenhang auch mehrere Personen in Untersuchungshaft sitzen.

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