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Dating-Experte Eric Hegmann:"In München wird mehr geflirtet als anderswo"

sueddeutsche.de: Wo kann man als Single am besten jemanden kennenlernen?

Hegmann: An erster Stelle steht immer noch der Freundeskreis. Wenn man die gleichen Freunde hat, hat man in etwa die gleichen Interessen. Das verbindet. Das Gleiche gilt für den Job, der an zweiter Stelle steht. Den dritten Platz nimmt mittlerweile schon das Internet ein. Früher waren das Sport- und Freizeitaktivitäten.

sueddeutsche.de: Wer also weder im Freundeskreis noch im Job fündig wird, sollte es bei einer Singlebörse im Netz probieren?

Hegmann: Es gibt nicht einen Weg, der für alle Singles gleich gut geeignet ist. Aber gerade wenn jemand zum Beispiel sagt: "Ich gerate immer an den Falschen", dann heißt das ja im Grunde, dass man sich immer die Falschen aussucht. Ein solches Muster kann man durch das Internet durchbrechen. Wer eine neue Beziehung sucht, muss offen sein für Neues, sowohl was die Suchmuster betrifft als auch den potentiellen Partner. Auch Mut gehört zur Partnersuche dazu und den muss jeder aufbringen.

sueddeutsche.de: Wie kann man feststellen, ob jemand an einer festen Partnerschaft interessiert ist, oder vielleicht doch nur ein schnelles Abenteuer sucht?

Hegmann: Wissen kann man das nie. Generell muss man unterscheiden zwischen Singlebörsen, bei denen man ein Profil online stellt und sich dann direkt mit jemandem verabredet, und Partneragenturen, die die eigenen Daten mit denen von potentiellen Kandidaten abgleichen und einem dann Vorschläge machen. Singlebörsen sind eher was für Jüngere unter 30. Für Ältere sind Partneragenturen geeigneter. Kostenpflichtige Anbieter haben außerdem verbindlichere Mitglieder als kostenlose Börsen, da kaum Singles hohe Beträge für One Night Stands ausgeben möchten.

sueddeutsche.de: Was ist mit sozialen Netzwerken wie Facebook?

Hegmann: Natürlich wird dort auch geflirtet, aber das ist nicht der Hauptgrund, warum man bei Facebook ist. Im Grunde ist das der digitale Freundeskreis. Statt im echten Leben in einer Kneipe trifft man sich hier im Netz.

sueddeutsche.de: Apropos Kneipe: Ist das nicht ein guter Platz, um Singles kennenzulernen?

Hegmann: Das war früher einmal so, heute ist Ausgehen nicht mehr so relevant wie früher. Klar lernt man im Nachtleben leicht Leute kennen, aber da geht es mehr um schnellen Sex als um die Beziehung fürs Leben.

sueddeutsche.de: Was ist mit Speed-Dating?

Hegmann: Das ist spaßig, keine Frage. Aber es hilft nicht bei der Partnersuche. Hier wird nur rein oberflächlich ausgesucht, es geht nur um sexuelle Attraktivität.

sueddeutsche.de: Was ist mit Single-Partys?

Hegmann: Ähnlich verhält es sich bei Single-Partys. Man darf sich von so etwas einfach nicht zu viel erwarten, aber ein Versuch ist es immer wert. Zumindest lernt man bei solchen Single-Treffs das Flirten wieder, wenn man es in einer langen Beziehung verlernt haben sollte.

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