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WM-Halbfinale:Weißbier statt Caipirinha

Die gebürtige Brasilianerin Sheila Gassner lädt in Schwabhausen zu einer kleinen WM-Party mit deutschen Freunden. Beim Public Viewing im Zorbas rechnet Gastronom Schorsch Dimitriou mit 300 Gästen - sofern das Wetter passt.

Für Sheila Gassner, geboren in Rio de Janeiro, läuft die Weltmeisterschaft bisher suboptimal. Deutschland und Brasilien, die beiden Teams, für die ihr Herz schlägt, haben es zwar bis ins Halbfinale geschafft. Andererseits konnte die 48-Jährige kein einziges Spiel der beiden Mannschaften verfolgen: Die Pflegerin musste arbeiten. An diesem Dienstagabend hat Gassner nun endlich frei, ihre Vorfreude auf das Halbfinalduell zwischen ihrem Heimatland und Deutschland ist dementsprechend groß. Zu ihrer kleinen WM-Party in Schwabhausen hat sich die Brasilianerin mit ihrem Mann ("Deutschland kommt weiter") einige Freunde eingeladen. Doch anstatt Caipirinha, wird Gassner ihren Gästen Weißbier servieren. Mit gutem Grund: "Brasilien fliegt raus", ist sie sich sicher.

Wie die meisten ihrer Landsleute hat sich die 48-Jährige etwas mehr von der brasilianischen Auswahl, der Seleçao, erwartet: "Sie haben zwar gewonnen, aber nicht gut gespielt. Wir haben Glück gehabt." Gassner, die seit 18 Jahren in Deutschland lebt, sagt das nicht einfach nur so. Wer in Rio de Janeiro aufwächst, kommt am Fußball nicht vorbei. Bei Gassner waren es ihre beiden Brüder, die sie von klein auf mit auf den Fußballplatz genommen haben. "Die beiden werden sich das Spiel ganz sicher an der Copa Cabana anschauen", sagt sie.

Am Auto ihres Mannes wehen indes die Fahnen beider Länder. "Für mich ist es egal, wer gewinnt. Ich habe Deutschland in den vergangenen 18 Jahren lieben gelernt", gibt sich Sheila Gassner diplomatisch. Die besseren Chancen räumt die 48-Jährige aber ganz klar den Deutschen ein. Zumal Neymar, der junge Top-Torjäger der Brasilianer, ausfällt: "Alle haben immer auf ihn gewartet, das finde ich schrecklich. Eine Mannschaft hat schließlich elf Spieler."

Ob Vera Schoenmakers aus Karlsfeld Neymar überhaupt kennt, ist fraglich. Die 64-Jährige, die in der brasilianischen Großstadt Blumenau aufgewachsen ist, hat mit Fußball nicht viel am Hut, sie hat bisher kein einziges Spiel der Brasilianer gesehen. Dennoch will auch Schoenmakers (wie der Name vermuten lässt, ist ihr Mann Holländer - also möglicher Finalgegner) sich das Halbfinale gegen ihre Wahlheimat nicht entgehen lassen: "Ich schaue das Spiel in gemütlicher Runde mit einer brasilianischen Freundin und deren Mann. Ich werde mitfiebern." Gleichwohl betrachtet die Karlsfelderin die WM in ihrem Heimatland sozialkritisch. "Es gibt so viel zu tun in dem Land. Ich bin unzufrieden, dass auf Kosten der Steuerzahler so viel Geld für die Weltmeisterschaft ausgegeben wurde." Sheila Gassner äußert sich ähnlich: "Wir sind ein fußballverrücktes Land und die Leute sind stolz auf die WM. Aber dass so viel Geld für neue Stadien ausgegeben wurde, ist verrückt. Wir haben eigentlich genug andere Probleme."

In Dachau ist die Euphorie nach der starken Leistung im Viertelfinale gegen Frankreich groß. Schorsch Dimitriou, der Betreiber des griechischen Lokals Zorbas, rechnet - "falls das Wetter passt" - mit mehr als 300 Gästen vor der Leinwand in seinem Biergarten. Dachaus Polizeisprecher Werner Kretz sagt: "Bisher verlief die WM sehr ruhig." Wenn sich das Weißbier gegen den Caipirinha durchsetzt, könnte sich das ändern.