Sparkassencup:"Das ist Alibifußball"

Lesezeit: 2 min

Der Trainer des Landesligisten 1865 Dachau Marcel Richter ist mit der Leistung seiner Mannschaft im Finale um den Sparkassencup gegen den ASV Dachau höchst unzufrieden. Das Spiel endet mit einer 0:2-Niederlage.

Von Benjamin Emonts

Sparkassencup: Hebertshausen Sportplatz Fussball Finale im Sparkassen-Cup ASV Dachau (blau) - TSV 1865 Dachau (rot) npj / Foto: Jørgensen

Hebertshausen Sportplatz Fussball Finale im Sparkassen-Cup ASV Dachau (blau) - TSV 1865 Dachau (rot) npj / Foto: Jørgensen

(Foto: joergensen.com)

Andreas Neff war nach den 90 Minuten mächtig bedient. "Straftraining bräuchten wir normalerweise. Morgen am Feiertag", raunte der Kapitän des TSV 1865 Dachau am Mittwochabend seinen Mitspielern zu. Was den Dachauer Linksverteidiger so auf die Palme brachte? Seine Mannschaft hatte gerade das prestigeträchtige Finale um den Sparkassen-Cup gegen den Lokalrivalen ASV Dachau mit 0:2 verloren - und das nicht ganz unverdient.

Die ersten 25 Minuten des Pokalfinales waren das, was man - den Temperaturen am Mittwochabend angemessen- im Fachjargon gerne als lauen Sommerkick bezeichnet. Wenig Tempo, keine Torchancen, viele Fehlpässe und etliche Stockfehler: Die Spieler wurden zu Beginn den hohen Ansprüchen an das brisante Stadtderby bei weitem nicht gerecht. Wie so oft, musste also eine Einzelaktion her, um dem müden Gekicke ein Ende zu bereiten. In der 26. Spielminute war es soweit: Sebastian Walz, dessen Bruder Nici für den Gegner auflief, fasste sich ein Herz und erzielte mit einem fulminanten Weitschuss die Führung für den ASV. Sein satter Linksschuss aus sage und schreibe 35 Metern schlug unhaltbar für den 65-Keeper Emilio Pingitore unter der Latte im rechten Winkel ein und hätte es verdient, in die weitere Auswahl des Tors des Monats zu kommen. Ob aber eine Kamera am - mit 200 Zuschauern gut besuchten - Hebertshausener Sportplatz stand? Sehr fraglich.

Wie auch immer, die Führung der Stadtwäldler war zu diesem Zeitpunkt alles andere als unverdient. Zu pomadig, zu zweikampfschwach präsentierten sich die Kicker von 1865. Einzig der Trainer des Landesligisten Marcel Richter zeigte in der ersten Halbzeit Einsatz, indem er immer wieder lautstark versuchte, seine Mannen wachzurütteln. Sein vernichtendes Urteil zum Pausenpfiff: "Das ist Alibifußball und hat mit Landesliga nichts zu tun."

Richter sah sich veranlasst, etwas zu verändern. Bereits vor der Pause brachte er den agilen und dribbelstarken Neuzugang Wilson Onyemaeke, nach der Pause kamen die zuvor geschonten Leistungsträger Andreas Neff, Taner Yürükgeldi und Lukas Michal. Und die Auswechslungen schienen zu fruchten. In der Folge lief der Ball quasi nur noch durch die Reihen der 65er, die gefühlten 80 Prozent Ballbesitz waren barcelonaverdächtig. Was allerdings auch an die derzeit kriselnden Katalanen erinnerte: die mangelnde Effektivität, der fehlende tödliche Pass, die zündende Idee.

Mit viel Einsatz schafften es die kampf- und laufstarken Stadtwäldler Angriffswelle um Angriffswelle abzuwehren, ohne dabei groß in Gefahr zu kommen. Vielmehr ergaben sich für die Spieler des Bezirksligisten immer mehr Räume und Konterchancen, die sie zunächst jedoch leichtfertig liegen ließen. Bis zur 91. Minute. Nachdem die 65er noch zwei bis drei Halbchancen hatten, setzte der ASV zu dem entscheidenden Gegenstoß an. Der Ball gelangte zu Matthias Koston, der mit zwei Mitspielern auf die zwei übrig gebliebenen Verteidiger von 1865 zulief. Obwohl Koston sowohl nach links als auch nach rechts hätte abspielen können, entschied er sich für die schnörkelloseste Variante und zimmerte das Leder trocken ins linke untere Eck. Der Todesstoß. "Ein verdienter Erfolg", resümierte der glückliche ASV-Trainer Alexander Ebner.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB