Öffentlicher Nahverkehr:Indersdorfer Gemeinderat stimmt für Ruftaxis

25 Jahre ÖPNV-Stabsstelle im Landratsamt Fürstenfeldbruck

Auch in Fürstenfeldbruck gibt es seit 2015 Ruftaxis. Rund 30 Fahrer sind mit Kleinbussen im Einsatz, die Bestellung geht dort telefonisch oder via App

(Foto: oh)

Das von Ruftaxis die Rede ist finden die Indersdorfer Gemeinderäte irreführend, doch grundsätzlich sprechen sie sich für das Zusatzangebot mit Kleinbussen aus

Von Jacqueline Lang, Markt Indersdorf

In einem Punkt waren sich alle Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung schnell einig: Der Name "Ruftaxi" ist irreführend, weil es sich eben nicht um gelbe Taxis handelt, die vor allem in ländlicheren Regionen ergänzend zu den Linienbussen verkehren sollen, sondern um Kleinbusse, die man mit regulären MVV-Tickets nutzen kann. Derzeit ruft man zur Buchung mit dem Telefon eine Nummer an, perspektivisch soll das auch via App möglich sein. Die Idee sei, so erklärte Bürgermeister Franz Obesser (CSU) es den Indersdorfer Gemeinderäten, "mehr in die Fläche" zu gehen und "regelmäßiger zu fahren". Bis wochentags um 22 Uhr soll das neue ÖPNV-Zusatzangebot vom Kreis und über Fördermittel finanziert werden, zu einer späteren Uhrzeit und am Wochenende müssen die Gemeinden selbst für die Kosten aufkommen. Für die Marktgemeinde beliefen sich die Kosten auf 14 500 Euro jährlich. Mit Ausnahme von Florian Ebner (EHW) stimmten schließlich alle Gemeinderäte für die Umsetzung, allerdings möglicherweise unter neuem Namen.

Bürgermeister Obesser warb vor allem aus "Solidaritätsgründen" für das Vorhaben. Denn auch wenn Markt Indersdorf im Vergleich zu anderen Gemeinden im Landkreis gut angebunden sei, müsse man das Angebot doch für alle Landkreisbewohner schaffen - vorausgesetzt, es beteiligen sich auch tatsächlich alle umliegenden Gemeinden. Gemeinsam teilt man sich zwei sogenannte Korridore, in denen die Ruftaxis verkehren, mit den Gemeinden Petershausen, Weichs sowie Hilgertshausen-Tandern. In Petershausen haben sich die Gemeinderäte bereits für das Zusatzangebot ausgesprochen.

Anders als ursprünglich einmal geplant, müsse man das Angebot jedoch mindestens drei Jahre aufrechterhalten, da das der Förderzeitraum sei. Startschuss für die neuen Ruftaxis wäre mit Herbst 2022 im besten Fall ohnehin erst dann, wenn die schlimmste Zeit der Pandemie überstanden sei und der ÖPNV wieder regulär genutzt werde, so Obesser. Helmut Ebert (FW) sagte, er könne sich auch mit einer Laufzeit von drei Jahren anfreunden, man müsse nur bei der Vertragsunterzeichnung mit den Busunternehmen sicher stellen, dass auch dort die drei Jahre vermerkt seien, weil deren Verträge normalerweise über sechs Jahre laufen würden.

Florian Ebner (EHW) indes erklärte, noch vor einem Jahr wäre er über das Angebot sicherlich "hellauf begeistert" gewesen, in der jetzigen Situation halte er es jedoch für "rausgeschmissenes Geld", weil ohnehin kaum jemand den ÖPNV nutze. Martin Schwarz pflichtete seinem EHW-Kollege bei und ergänzte: "Umweltfreundlich ist das sicherlich nicht." Bürgermeister Obesser versuchte, ihnen zu erklären, dass es sich um ein "bedarfsorientiertes Angebot" handle und die Busse nur verkehrten, wenn man sich vorab für die Route anmelde. "Leer soll er nicht rumfahren", versicherte Obesser. Axel Noack (Grüne) sagte, er sehe kein Umweltproblem. Außerdem sei es ihm lieber, die jungen Leute würden nachts mit dem Bus als alkoholisiert mit dem Auto fahren.

Monika Geisenhofer (CSU) sagte, aus ihrer Sicht sei das Angebot vor allem für die "ältere Generation" attraktiv, allerdings nicht, wenn man es nur über eine App nutzen könne. Bürgermeister Obesser versicherte daraufhin, dass die Nutzung derzeit ohnehin lediglich mit dem Telefon funktioniere, die App sei aber auch zu einem späteren Zeitpunkt lediglich als Ergänzung angedacht, um das Ruftaxi noch attraktiver zu machen.

Johann Lachner (CSU) sprach sich ebenso wie seine Vorredner für das Angebot aus, denn man müsse etwas für das "Hinterland" tun. Auch Gerhard Seemüller (Umweltdenker) erklärte, man habe als Gemeinde eine soziale Verantwortung. Zumal mit Blick auf die wahrscheinlich finanziell schwierige Lage in der sich viele Bürger nach der Krise befinden würden. Nicht jeder könne sich dann mehr ein Auto leisten, um seine Kinder von A nach B zu befördern. Hubert Böck (SPD) ergänzte noch, dass ein Angebot erst, wenn es lange verfügbar sei, tatsächlich genutzt werde. Es sei daher wichtig, die zusätzlichen Stunden, die durch den Landkreis nicht abgedeckt würden, aus der Gemeindekasse zu zahlen.

Lachner war es am Ende noch wichtig zu betonen: "Der Name ist verkehrt." Mit einem richtigen Ruftaxi habe man in der Vergangenheit tatsächlich schlechte Erfahrungen gemacht. Das neue Angebot mit den Kleinbussen müsse man deshalb anders bewerben. Für ein besseres Marketing warb auch Kämmerer Philipp Blumenschein, immerhin sei das Angebot vor allem mit MVV-Abokarten wirklich sehr günstig und attraktiv. Bürgermeister Obesser ergänzte die Beschlussvorlage schließlich um die Einschränkung, das Zusatzangebot nur einzuführen, wenn es auch von den übrigen Gemeinden unterstützt wird und einen besseren Namen zu suchen.

© SZ vom 03.03.2021
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