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Markt-Indersdorf:Frei von der Leber weg

Josef Brustmanns Stärke ist es, Pointen aus seinem Leben zu erzählen und Seitenhiebe gegen Gott und die Welt zu verteilen. Besonders gerne teilt er beim Frühjahrskabarett in Markt Indersdorf gegen die USA und Donald Trump aus.

(Foto: Toni Heigl)

Der Kabarettist Josef Brustmann nimmt beim diesjährigen Frühjahrskabarett kein Blatt vor den Mund und macht auch Witze auf Kosten des Gastgebers, der Indersdorfer SPD

Josef Brustmann überlässt offenbar auch rein gar nichts dem Zufall. Sogar der Titel seines Programms passt perfekt zum Gastgeber: "Kauf die roten Schuh". Und tatsächlich gibt es Zuschauerinnen, die ein rotes Paar Schuhe tragen. Wohl allerdings eher aus Verbundenheit zum Künstler, als zur Partei. Brustmann erklärt das mit den roten Schuhen beim alljährlichen Frühjahrskabarett der Indersdorfer SPD so: "Meine Frau und ich gehen immer Hand in Hand durch die Stadt. Das finden viele romantisch, aber wenn ich sie loslass', verschwindet sie sofort im nächsten Schuhg'schäft ...", so der Kabarettist aus Oberbayern, "dem Mausoleum der gescheiterten Kanzlerkandidaten".

In der Folge entspinnt sich ein veritables Ehedrama, erst geht es um die Bedeutung des Schuhs im Allgemeinen und der Farbe Rot im Besonderen (Er: "Du hast doch schon vier paar rote Schuhe." - Sie: "Ja, aber nicht in diesem Rot"), dann um den ökologischen Fußabdruck: Sie: "Schau mal deine Schuhgröße, und dann meine..." und nach einer Debatte, die er als Mann nicht gewinnen kann: "Woaßt was: Das Leben ist zu kurz, dann kauf halt die roten Schuah!".

Brustmann bestreitet den Abend in seinem Wolfratshauser Heimatdialekt. Den sollte man schon einigermaßen verstehen, wenn man ihm folgen will. Denn neben den Erzählungen aus seinem Leben singt Brustmann traditionelle, aber auch selbst geschriebene Heimat- und Volkslieder in ihrer ursprünglichen, altbairischen Weise und begleitet sich dabei virtuos selbst an der Zither. Der ehemalige Musiklehrer wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Kabarettpreis (2015) und zuletzt mit dem Publikumspreis "Tuttlinger Krähe" (2018).

In seinem aktuellen Programm gibt es einfache Kalauer wie die Bauernregel "Steht im Februar noch das Korn, dann ist es wohl vergessen wor'n" oder politische Seitenhiebe auf Rot und Schwarz, vorgetragen als Gstanzl-Spottverse: "Ein genialer Schauspieler ist der Sigmar Gabriel schon - Dick und Doof in einer Person". Oder über Ursula von der Leyen: "Es wird Zeit, dass sie geht. Für den Doktor zu dumm, zum Verhüten zu blöd." Besonders teilt er an diesem Abend gegen Amerika aus: "Britney Spears sagte in einem Interview, sie sei für die Todesstrafe. 'Da lernt er wenigstens seine Lektion fürs nächste Mal.'

Er zitiert eine Statistik, wonach in den USA mehr Menschen bei Haushaltsunfällen mit Waffen sterben, als bei Schießereien. "Deshalb zetteln sie so gerne Kriege an, zu Hause ist es unsicherer." Am liebsten aber schießt er gegen Donald Trump. In einem Gstanzl singt er: "Trump ist Präsident und Leonard Cohen hinüber. Verzeih', lieber Gott, andersrum wär's mir lieber." Er erinnert an die Auswanderungswelle im Jahr 1880, als eine Million Deutsche in die USA emigriert sind. "Da waren Trumps Großeltern mit dabei, was ham wir für a Glück g'habt."

Brustmanns Stärke ist es aber, wenn er frei von der Leber weg aus seinem Leben erzählt und das mit Pointen und Seitenhieben auf Gott und die Welt verbindet. So fragte ihn seine Mutter, ob er nicht Pfarrer werden wolle - "Mama, i mach ma nix aus kloane Buam" lautet die Antwort des Kabarettisten. Brustmann macht auch vor sich selber nicht halt, wenn er zugibt: "Scho als Bua wollt ich berühmt sein, egal mit was..." um dann von der Begegnung mit einem Buben im Skilift zu berichten, der so was nicht nötig habe: Der wollte Zimmerer werden wie sei Papa und Opa, die beide, wie der Junge auch, Sepp hießen. "Da brauch ich ned amoi das Schuidl an der Tür austauschen."

Es ist, als würde er seinem Leben und dem der anderen über die Schulter schauen und wird dabei immer charmanter. Nach der Pause holt er eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne, die ihn am Glockenspiel begleiten soll, was zwar nicht ganz klappt aber er führt sie nicht vor, sondern verschafft ihr so den wohl größten Applaus ihres Lebens und einen erinnerungswürdigen Augenblick im Rampenlicht. Auch nach zweieinhalb Stunden will er noch nicht von der Bühne und das Publikum will ihn nicht gehen lassen. Viele nutzen deshalb die Gelegenheit, am CD-Tisch neben dem Ausgang noch ein paar Worte mit dem Künstler zu sprechen. Einige wollten anfangs schon wieder nach Hause gehen, als sie feststellten, dass es sich um eine Parteiveranstaltung handelte. Doch der SPD-Indersdorf-Vorsitzende Hubert Böck, der jeden Gast begrüßte, konnte alle Vorbehalte ausräumen. Er erlaubte sich nur am Ende eine beiläufige und augenzwinkernde Bemerkung: "Für nächstes Jahr habe ich den Landrat schon eingeladen." Gemeint ist damit natürlich: er selbst.

© SZ vom 20.01.2020
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