Wirtschaftsförderung Dachau:"Ein Gründerzentrum muss man wollen"

Landkreis Dachau, Gründerzentrum

Eine Simulation zeigt, wie der Bau im Gewerbegebiet am Wettersteinring aussehen soll. Das Gründerzentrum belegt die oberen Geschosse.

(Foto: Stadt Dachau)

Der Finanzausschuss macht den Weg frei für ein überregionales Innovationszentrum in Dachau. Manche äußern Zweifel an dem Projekt und seinem finanziellen Risiko. Doch Wirtschaftsförderer Danzer kann sie entkräften

Von Joshua Beer, Dachau

Die Zweifel der Stadträte überraschen ihn dann doch. Robert Danzer öffnet an einem Punkt der Debatte die Arme und will Gegenvorschläge zu seinem Gründerzentrum-Projekt hören: "Was ist die günstigere Alternative?" Doch niemand im Sitzungssaal hat eine. Das hat sich Danzer - seit Januar dieses Jahres Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung - sicherlich gedacht, denn billiger und hochwertiger als in seinem Vorschlag bekomme man kein Gründerzentrum, sagt er. Den Stadträten des Haupt- und Finanzausschusses macht er am Mittwoch klar: "Ein Gründerzentrum ist ein Bekenntnis. Man muss das wollen oder ablehnen." Der Ausschuss will, und am Ende heben auch die Skeptiker der CSU-Fraktion die Hand. Einstimmig - Danzer hat alle Zweifel entkräftet. "Jetzt ist der Weg frei", sagt er hinterher. Der Stadtrat hat den Startschuss für ein Innovationszentrum in Dachau gegeben, das im Januar 2023 eröffnen könnte.

Dieses soll Neugründungen erleichtern und Jungunternehmen gegen etablierte Firmen unterstützen, kurz: den Wirtschaftsstandort Dachau stärken. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) ist überzeugt, dass das Gründerzentrum für den ganzen Landkreis wirken könne: "Man muss da jetzt nur zupacken." Wirtschaftsreferent Andreas Gahr (SPD) lobt das Vorhaben als "absoluten Glücksgriff für die Stadt Dachau". Und auch Stadtkämmerer Thomas Ernst hält es für eine "einmalige Chance", vor allem in der vorgelegten Form. Denn Wirtschaftsförderer Danzer hat dem Projekt gleich einen Finanzierungsplan verpasst, der die Kosten für die Stadt gering hält: Er deckelt sie bei einer Beteiligung von 55 000 Euro im ersten Jahr sowie 50 000 Euro in den Folgejahren, sofern der Landkreis mitzieht. Dieser soll das Gründerzentrum nach Danzers Plan zu gleichen Teilen bezuschussen. Die Entscheidung dazu fällt im Kreisausschuss am Freitagmittag. Momentan stünden die Zeichen dort aber gegen eine Beteiligung, sagt Stadtkämmerer Thomas Ernst: "Wir hoffen, dass der Landkreis da noch einmal in sich geht."

Für den Fall, dass er das nicht tut, hat Danzer eine "Low-Budget"-Version entworfen, die an verschiedenen Stellen spart - etwa den geplanten Mietnachlass für die Gründer streicht - und die Kosten für die Stadt lediglich im ersten Jahr auf 70 000 Euro erhöht. Florian Schiller, Vorsitzender der CSU-Fraktion, sperrt sich zunächst dagegen: "Wenn, dann nur mit dem Landkreis." Michael Eisenmann vom Bündnis für Dachau ist der Meinung, dass die Stadt jetzt nicht zaudern dürfe und vorangehen müsse, das Projekt sei die effektivste Form der Wirtschaftsförderung. Auch Dennis Behrendt (SPD) meint, man dürfe sich hier nicht vom Landkreis abhängig machen. Oberbürgermeister Hartmann dazu: "Wenn er nicht mitmacht, macht er halt nicht mit. Einer muss sich jetzt bewegen." Grüne und die Überparteiliche Bürgergemeinschaft befürworten das Projekt ebenso. Nur eine Fraktion äußert sich nicht: AfD-Rat Jürgen Henritzi ist in seinen Sitz eingesunken und schläft die Debatte augenscheinlich durch.

Skepsis regt sich bei der CSU zudem wegen des finanziellen Risikos. "Wer trägt die zusätzlichen Defizite, wenn die Auslastung nicht erreicht wird?", fragt Schiller. Die Stadt rechnet mit einer Mietauslastung von 50 Prozent im ersten halben Jahr, ab dem zweiten Jahr dann mit 95 Prozent. Falls sich das Gründerzentrum nicht rentiert, könne die Stadt jederzeit aussteigen, so Danzer. Sein Plan beinhalte eine "strikte Risikobegrenzung": Die Stadt zahle den angegebenen Zuschuss "und keinen Euro mehr", versichert er. "Sicherer geht's nicht." Man dürfe sich aber keine Illusionen machen, dass ein Gründerzentrum irgendwann schwarze Zahlen schreibe. Das Konzept sei nicht gewinnmaximierend gedacht, sondern bleibe von Zuschüssen abhängig.

Dass Danzer die Deckelung bei 50 000 Euro garantieren kann, obwohl allein der Bau des etwa 700 Quadratmeter großen Zentrums im Gewerbegebiet am Wettersteinring deutlich mehr als drei Millionen Euro kostet, liegt daran, dass Grunderwerb und Baukosten die privaten Investoren tragen. Und die bauen ohnehin, der Antrag ist schon eingereicht. In das Erdgeschoss will die xWerk GmbH des Dachauer Unternehmers Oliver Hill, die oberen Geschosse stünden dem Gründerzentrum zur Verfügung. Darin sollen sich Stadt, eventuell Landkreis sowie die Sponsoren - darunter die VR-Bank und die Sparkasse - in Vereinsform engagieren können. Danzer visualisiert das Gründerzentrum in einer Simulation. Er spricht von "loftartigen Strukturen", "Co-Working-Bereichen" und abgeschlossenen Büros. Zum Schluss lenkt auch die CSU ein. Nach kurzer Beratung gibt Schiller bekannt: "Wir tragen das Konzept mit." Danzers Erläuterungen hätten sie "positiv gestimmt".

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