Klimaschutz:"Die Zeit läuft uns davon"

Klimaschutz: Beruflich beschäftigt sich Professor Florian Hörmann mit Obsoleszenz, privat fordert er Nachhaltigkeit.

Beruflich beschäftigt sich Professor Florian Hörmann mit Obsoleszenz, privat fordert er Nachhaltigkeit.

(Foto: Horst Kramer)

Professor Hörmann fordert jeden auf, sein Verhalten zugunsten des Klimas zu verändern. Doch es gibt Gegenargumente

Von Horst Kramer, Altomünster

Professor Florian Hörmann versucht, Mut zu vermitteln trotz der dramatischen Klimakrise. Doch seinen Vortrag mit dem Titel "Klimakrise - Time is running out", leitete er am Mittwochabend wenig optimistisch mit den Worten ein: "Durch dieses Tal der Tränen müsst ihr durch." Etwa zwei Dutzend Interessierte hatten sich dem Zoom-Meeting der Altomünsterer Nachhaltigkeitsgruppe Plan A zugeschaltet - ein überraschend kleines Auditorium, im Vergleich zu anderen Plan-A-Online-Veranstaltungen. Mit dabei waren jedoch Altomünsters Dritter Bürgermeister und Kreisrat Josef Riedlberger (CSU), der langjährige VHS-Chef Gerhard Gerstenhöfer sowie die vielfältig engagierte Michaela Widmann. Aber auch einige jüngere Menschen, die nicht der Generation "Öko-Fuzzi, 67 Jahre alt" angehören, wie Hörmann es nannte. Der 42-Jährige beschäftigt sich an seinem Lehrstuhl für Maschinenbau und Verfahrenstechnik an der Augsburger Hochschule mit geplanter "Obsoleszenz", also bewusst verkürzten Produktlebenszeiten - also das Gegenteil von einer nachhaltigen Lebensweise, die er sich und seiner Familie auf die Fahnen geschrieben hat.

"Das Tal der Tränen", so schildert er die Krise plastisch, die den Globus in seinen Grundfesten erschüttert: vom ständig wachsenden Kohlendioxidanteil in der Erdatmosphäre, über das Artensterben bis zur Ozeanversauerung. Sie kulminieren in der Klimakrise und den steigenden Temperaturen. Hörmann, einer der Erstunterzeichner des "Scientists für Future"-Manifests im vergangenen Jahr, zitierte neueste Forschungsergebnisse und zog ein deprimierendes Fazit: "Die Zeit läuft uns davon. Keine der politischen Parteien, auch nicht die Grünen, können mit den in ihren Programmen formulierten Vorhaben, das 1,5-Grad-Ziel erreichen."

Zur Erinnerung: Rund 150 Staatschefs haben in Paris beschlossen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zu 1850 zu begrenzen. Doch im Anschluss tat sich laut Hörmann viel zu wenig. Deshalb fordert der Maschinenbauer: Jede und jeder muss selber tätig werden - jetzt, sofort und auf allen Ebenen. Vom eigenen Mobilitäts- und Ernährungsverhalten angefangen bis hin zum lokalpolitischen Engagement.

Die Skepsis einiger Zuhörer war auch in den Zoom-Fensterchen deutlich zu sehen. So merkte Riedlberger an, dass man die vielen Benzin- und Dieselfahrzeuge nicht einfach abschaffen könne. Er schlug stattdessen vor, auf den Bleifuß beim Autofahren zu verzichten: "Eine kleine Maßnahme, die aber sofort etwas bringt." Riedlberger, selber ein Landwirt, bezog auch gegen vegane Umerziehungsmaßnahmen Stellung und propagierte stattdessen eine "Nose-to-Tail"-Verwertung von Tieren. "Der Biohersteller Demeter akzeptiert nur Landwirte als Lieferanten, die auch Tierhaltung betreiben", setzte er hinzu. Leo Asam, Geschäftsführer des Glasfaserunternehmens Altonetz GmbH, wiederum widersprach Hörmanns Rat zu größerer Online-Zurückhaltung. Der Digitalunternehmer möchte stattdessen die Energiewende vorantreiben - schon aus Eigeninteresse. Das Rechenzentrum der Firma ist im Thalhausener Bürgerhaus untergebracht. Seit sechs Jahren will Asam Photovoltaik-Module auf dessen Dach montieren: "Damit könnten wir mehr als fünfzig Prozent unseres Strombedarfs decken", sagte Asam. Sein Vorhaben scheitert jedoch bislang an der katholischen Kirche, die Besitzerin des Gebäudes ist.

Hörmann riet in diesen und anderen Fällen zur Hartnäckigkeit: "Vor zwei Jahren saß ein junges Mädchen mit Zöpfen vor ihrer Schule und hatte ein Schild in der Hand. Wer hätte damals gedacht, dass die Klimabewegung danach richtig Fahrt aufgenommen hat." Wenig überraschend warb er abschließend für ein Engagement bei Plan A: "Das ist eine echt coole Truppe."

© SZ vom 21.05.2021
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